Auto-Gesichter – kennt ihr das noch?

Hattet Ihr das auch, damals, als ihr klein wart? Ihr habt einen Wagen kommen sehen und gedacht „Der schaut genauso wie Onkel Gerd?“ oder „Der Wagen sieht immer so böse aus“.

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Opel Rekord D – der hatte noch ein Gesicht – wenn auch nur das von Onkel Gerd

Mein Onkel Gerd, der hier tatsächlich schon öfter erwähnt wurde, sah immer ein bisserl aus wie der Opel Rekord D. In höherem Alter eher ein wenig wie die Diesel Version des Opel Rekord D… Dabei fuhr er nie einen solchen, daran hat es nicht gelegen.

Der Manta A sah ein bisschen aus wie Frank Gallinger, der Mofa-Rocker von gegenüber, der 5 oder 6 Jahre älter als ich war und später als dauerarbeitsloser Jugendlicher ein wenig des mystischen Gesichtsausdruckes des Manta A einbüßte, um ihn gegen dieses eigenartig schwammige des Golf 3 einzutauschen – aber als der Golf 3 erschien, da hatte ich Frank Gallinger schon bestimmt seit 6 oder 8 Jahren nicht mehr gesehen und hatte schon einen eigenen Führerschein.

Aber klar wurde: Die Gesichter der Autos hörten auf, zu existieren, irgendwann in dieser Zeit. Nicht, weil ich ein Teenager wurde und meine Fantasie den Bach runter ging; zumindest nicht nur ;->

Ro 80

Obwohl er aus heutiger Sicht noch ein Gesicht hat: Er ist es schuld. Seine Keilform wurde zum Muster für eine Generation Auto

Aber was geschah? Zu Beginn der 80er Jahre, die mittlerweile neunzehnachtziger Jahre heißen, nahm das ganze Thema Gestalt an: Die Windgesichter kamen… Angefangen hat vermutlich alles mal irgendwann mit dem Ro 80, wenn man nur auf den Winkanal schaut – aber der hatte noch ein Gesicht (ein wenig das von Gisela Reinhär, einer alten Freundin meiner Mutter, die übrigens bizarrer Weise kurz nach dem Ableben des Ro80 verstarb).

Der Hausmeister an unserem Gymnasium, ein ziemlich fetter Kerl, hatte das Gesicht von Granada und Consul - selbst die chromgerandete Brille machte da irgendwie Sinn

Der Hausmeister an unserem Gymnasium, ein ziemlich fetter Kerl, hatte das Gesicht von Granada und Consul – selbst die chromgerandete Brille machte da irgendwie Sinn

Aber der wahre Auslöser war wohl der Audi 100 Typ44, der neue Maßstäbe setzte. Neben ihm blieben BMW und Mercedes mit ihren jeweiligen Gesichtern irgendwie konsistent, wenn auch Mercedes kurz das Vieraugengesicht prägte. Aber dann schau dir mal einen Opel Insignia von der Seite an und vergleiche ihn mit dem Audi A5… das ist der pure Sierraismus.

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Das Gesicht eines Trottels – vermutlich, weil ihm der Kühlergrill fehlt

Autos wie der Hyundai Sonata, der Subaru Legacy, der Suzuki Swift oder der Mitsubishi Colt der 90er Jahre, sie sehen mit einem Mal im Gesicht völlig identisch aus – und verlieren damit das Gesicht.

Der aktuelle Jaguer XE – unterscheide den mal von BMW e90… Die Vergleichstabellen der ams zeigen oft 3 Premium-Autos, deren Maße Millimeter-identisch sind – wozu hab ich mir damals eigentlich die Theorie des USP eingeprügelt, wenn der sich hier langsam nicht mehr anwenden lässt – oder allenfalls noch so, dass die apokalyptischen Premium-Autos sich allesamt einen USP teilen müssen. Bitter. (Nicht der Bitter – der hatte ein individuelles Gesicht).gesichtslos

Mittlerweile gilt das auch innerhalb einer Marke – ich kann BMWs und Audis teilweise kaum noch auseinanderhalten, nur schwerlich einen A6 vom A8 unterscheiden – und BMW wirft alle 3 Wochen eine neue Modellreihe auf den Markt – woher wollen die denn überhaupt ausreichend Gesichter für 25 Modellreihen nehmen? Eines Tages wird die Armee dieser Gesichtslosen die Order 66 erhalten…

klonkrieger

Frank Gallinger betreibt heute übrigens ein reichlich alternatives (Steh-)Café in Bonn in begrenzt prominenter Lage und hat die Stirn des Astra F.