Der letzte echte Ford – warte mal…

dem-granada-seine-frontDen letzten echten Opel haben wir mal gesucht und den letzten echten Mercedes – und dazu gab es durchaus spannende Erkenntnisse, die uns von vielen von Euch bestätigt wurden – aber nie benutzt einer die Wendung „den letzten echten Ford,“ oder?

Was ist – gab es den einfach nicht?

Der letzte Ford: Spurensuche

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Whow – so ein Ford stellte damals schon echt was dar. Teilweise mit einfachen Mitteln konstruiert, entstanden doch Autos mit Klasse

Was macht die Marke Ford aus? Ford hat sich einen Namen damit gemacht, bezahlbare Autos zu produzieren, die etwas darstellten, viel Auto fürs Geld boten – und tatsächlich war das auch mal der Slogan der Marke: Viel Auto fürs Geld. Das war damals ein verflucht cleverer Schachzug, denn Autos galten in der breiten Volksmasse zunächst – mindestens mal aus dem Neid der Besitzlosen heraus – als obszön teuer. Ford sagte: Hey – unser Auto kannst Du Dir leisten. Und sie hatten in vielerlei Hinsicht recht und unterstrichen das immer wieder mit Ausstattungsinitiativen wie etwa dem serienmäßigen ABS beim Ford Scorpio oder Airbags in der Escort Klasse für jedermann. Das war immer viel Auto fürs Geld. Der Fiesta bot in den 70ern ganz selbstverständlich mehr Platz als ein Polo und wirkte insgesamt vollständiger, erwachsener.

Ford Granada Youngtimer

Ein Gigant seiner Zeit – Ford Granada bis 1985

Hinzu kam: Ford schenkte den Leuten einen gewissen Status – daran waren sie wirklich groß. So gab es Autos wie den Ford Taunus mit satten 6 Zylindern oder gar als dekoratives Coupé – hey, das war der Hammer. Das hatte Opel in der Klasse nicht drauf, VW war froh, dass sie herausbekommen hatten, wie man einen Motor vorne einbaut und mit Wasser kühlt – und selbst dafür hatten sie fremde Hilfe gebraucht… 😉

Ford Fiesta 1300s

So ging überlegener Sport damals: Du packst einen 66PS Motor in einen halbleeren Motorraum eines Autos, das kaum 750 Kilo wiegt. Astrein

Ford stand für die bürgerliche Mitte. Und in diesem Sinne muss man sich schon fragen: Ist das nicht eigentlich heute immer noch so? Während beispielsweise Audi seinen Status beispiellos verändert hat, Volkswagen zu einer Art sekundären Premiummarke hochgeschaukelt wurde und für den Passat Preise wie für einen 5er BMW durchsetzen kann, haben sich Opel ebenso gewandelt, wie beispielsweise auch Mercedes sich wandeln musst und viel von seinem einstigen Nimbus verloren hat.

Der Markt-Wandel

In all der stürmischen Zeiten steht Ford … hm – steht Ford im Grunde dort, wo sie immer standen und bauen auf eine unauffällige Weise Viel Auto fürs Geld.

Der Fiesta ist ungeschlagen durch die Jahre gegangen – er ist immer noch der Wagen, der einfach mehr Platz bietet als der Polo und dabei billiger ist. Der Taunus heißt heute Sierra… äh — Mondeo.ford-capri-kanarien

Na klar – den Granada gibt es nicht mehr, den hat Ford eingebüßt – obwohl wir alle hier wissen, wie das zu verhindern gewesen wäre… 😉 Aber auch ganz im Ernst: Den Scorpio hat Ford wirklich gehörig vergeigt – und im Grunde ohne Not. Aber es scheint, als trauere dem keiner so recht nach: Während das Netz voll ist von Visionen, wie Nachfolgemodelle von Opel Diplomat, Monza oder Senator hätten ausgesehen haben können, ist bei Ford da eher Ruhe drin.

Dabei hätte es sogar beinahe mal einen Nachfolger für den Scorpio gegeben – auch eine lustige historische Randnotiz…

Wenn Doyle und Bowdie sich dringend mit Cowley treffen mussten, dann brachte ein Ford sie hin - British Leyland verpasste die historische Chance auf den coolsten Fahrzeughersteller Großbritanniens

Wenn Doyle und Bowdie sich dringend mit Cowley treffen mussten, dann brachte ein Ford sie hin – British Leyland verpasste die historische Chance auf den coolsten Fahrzeughersteller Großbritanniens

Als der Sierra dem Taunus folgte, regten sich die Kunden auf – später mochten sie ihn ganze 11 Jahre lang. Der Mondeo kam zuerst zu charakterlos rüber – dann ging er den Weg aller Fords, wurde ein billiger Gebrauchtwagen, der Kombi gerne für schlimme Umzugsorgien missbraucht – das war auch schon früher so – vom Ford Transit mal gar nicht zu reden. Aber der Mondeo war und blieb ein vernünftiges großes Auto – viel Geld bekam man hier fürs Auto, unaufgeregt, keine krassen Höhen oder Tiefen.

Somit ist der letzte echte Ford…. irgendwie immer noch am Leben, oder?

Naja – nicht ganz. Was Ford verloren hat, war dieses eigenartig schrullig markige, das Bisschen zu viel Chrom, zu viel Bürgertum, zu viel Glam, das noch den Taunus, den Granada und den Capri umgab, das haben sie Mitte der 80er doch eingebüßt – auch wenn gerade der Scorpio noch Holzimitate im Innenraum stolz herum trug und selbst in seiner letzten hässlichen Fassung noch Mut zur Furnier zeigte, als das schon längst komplett vorbei war.

Im ersten Wurf zu langweilig, dann durchaus ein Kassenschlager in vielen Ländern - und hier galt immer noch "Viel Auto fürs Geld"

Im ersten Wurf zu langweilig, dann durchaus ein Kassenschlager in vielen Ländern – und hier galt immer noch „Viel Auto fürs Geld“

Was danach kam, war diesbezüglich nur noch Hausmannskost – aber vielleicht war diese US-Ehrerbietung dann auch einfach kulturell geprägt. Als der erste Mondeo erschien, war der Begriff Weltauto gerade von ein paar klugen Beratern geprägt worden – und so ein Weltauto musstest Du im Programm habe – und das brauchte naturgemäß Kompromisse, um Jim aus Kentucky so gut zu schmecken wie Gerd aus Herne. Funktionierte auch nicht so ganz – die nächste Generation der Berater riet dringend vom Weltauto ab…

Was Ford heute vielleicht fehlt – und das ging erst wirklich mit dem Ende des zweiten Mondeo verloren – ist diese einfache überschaubare Technik. Aber das kann heute wohl nur noch Dacia so richtig.

Somit kann man Ford am Ende des Tages keinen Vorwurf machen – sie sind ihrer Linie weit treuer geblieben, eine weit verlässlichere Marke geblieben mit weniger Experimenten als beim Durchschnitt der Marken.

Wenn also etwas verloren gegangen ist, dann ist das mit der Generation von Granada und Capri das Herz. Oder was glaubt ihr, würden Bowdie und Doyle heute fahren….?

Wobei…. dieser neue Ford Mustang….

granadaheck!



3 Gedanken zu „Der letzte echte Ford – warte mal…

  1. Wunderbarer Bericht über die Spurensuche der letzte Ford.

    Ich bin selbst Besitzer von Div. Ford Scorpio und Sierra und ältere Ford Oldtimer.
    Zu Dacia: ja was Du schreibst, das stimmt, darum habe ich mir letztes Jahr als Alltagsfahrzeug ein Dacia Logan MCV, 1,5 dCi Celebration in Cosmos Blau met. Zugelegt.
    Gruss aus der Schweiz.

  2. der letzte? keine frage, der scorpio, köln v6 und heckantrieb. meiner ist von 1989, 2,9i ghia und noch ein paar extras in ordentlichem gebrauchtzustand, mit modernem pioneer navi/mediacenter(einbau vom profi). schlappe 1000€ mit neuem tüv, sollte eigentlich eine winterkarre werden. dafür ist er viel zu schade. mit etwas pflege gibt es in 3 jahren das h-kennzeichen.

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