Audi V8 – wackeliger Stein des Aufstieges

Der planhafte Aufstieg der Marke Audi vom plüschigen VW Klon zum Premiumhelden enthielt einen wesentlichen Eckpfosten: Den Aufstieg in die Oberklasse. Nur, wer in der Oberklasse zuhause war, hatte die Strahlkraft, die eine Premium-Marke brauchte. Mercedes hatte die S-Klasse, BMW den Siebener, Opel konnte mit dem Senator A glänzen, als die Entwicklung des Audi V8 startete. Zu dieser Zeit galt Badge Engineering noch als durchaus okay.

Audi V8

Speziell die frühen Photos aus der Pressemappe schafften es nicht recht, den Audi V8 ausreichend vom Audi 100 abzuheben

Audi hatte das mit dem Audi 200 selbst versucht und keinen allzu großen Erfolg damit erzielen können, obwohl speziell der zweite Audi 200 das sicherlich nicht verdient hatte – der  Youngtimer nämlich war unzweifelhaft eines der besten Langstreckenautos seiner Zeit. Dennoch: Fürs Image musste eine echte Oberklasse her.

Leider sollte auch dieser Versuch schief gehen – unterm Strich blieb der Audi V8 so weit hinter den Verkaufserwartungen zurück, dass seine Entwicklungskosten pro verkauftem Modell am Ende mehr als drei mal so hoch waren als geplant – ein Rückstand, den man in der Profitabilität nicht aufholen konnte, zumal der Audi zunächst so satt ausgestattet in den Markt geworfen wurde, dass die Kunden ihn nicht annehmen wollten – Image kann man vielleicht nicht essen – aber Audi fehlte das Image einfach noch und der V8 sah einfach zu sehr nach aufgepumpten Audi 100 aus – was er interessanter Weise gar nicht war – ein Schicksal, das später der VW Phaeton ebenso erleben sollte; auch zu Unrecht.

Die Langversion war nicht durchgängig hübsch, aber ausgezeichnet

Die Langversion war nicht durchgängig hübsch, aber ausgezeichnet

Dabei war der Audi V8 im Grunde einmalig in dieser Klasse: die Kombination des eher kompakten V8 Antriebes mit Allrad-Antrieb, der schon andere Audis erfolgreich gemacht hatte, war so weder bei Mercedes noch bei BMW zu bekommen. Tatsächlich war der Audi speziell bei hohem Autobahntempo den beiden Mitbewerbern sichtlich überlegen, entspannte den Fahrer durch das weit klarere Bekenntnis zu Stabilität.

Das spürt man heute noch, wenn man die Gelegenheit hat, einen der seltenen Audi V8 zu fahren: Der Wagen hat viel von dem vorweg genommen, was in dieser Klasse später zum guten Ton gehören sollte, ist weit fester ausgelegt, nicht so sänftenartig wie der W126 neben ihm wirkt. Die Dynamik des zeitgenössischen E32 von BMW hat er noch nicht ganz.

repräsentativ

repräsentativ

Aber auch heute kann er noch klar machen, dass er es damals eigentlich schon drauf hatte: Er war den beiden Mitbewerbern gegenüber absolut ebenbürtig – niemand konnte ihm das Gegenteil so recht nachweisen, weshalb zeitgenössische Tests gerne mit eine Fazit in der Art von „leider fehlt ihm das Image“ enden, was natürlich im Grunde Schmarrn ist zur Beurteilung eines Autos herangezogen zu werden.

Problematisch waren hier sicherlich 2 wichtige Faktoren:

  1. Der Audi V8 war keine Modellreihe. Er schien sich komplett um seinen V8 Motor herum zu gestalten und konnte die Käufer, die bei der Konkurrenz zu BMW 728 und 280SE griffen, erst einmal gar nicht bedienen
  2. Der 1990 erschienene Audi 100 stahl ihm die Show. Der Wagen war so signifikant repräsentativer geworden, hatte sich in 2 Modellgenerationen zu einem richtig ernsthaften Gegner des 5ers und der E-Klasse aufschwingen können, der er bis 1982 einfach noch nicht war

Was mit dem Audi V8 passierte, ist die Geschichte von Oberklasse-Autos ohne Image: Der Wagen verlor zu schnell an Wert und geriet dadurch in die Hände von Idioten – die Art Leute, die dem Wagen in den 90er Jahre irgendwelche lächerlichen Tuning-Maßnahmen angediehen ließen und schlicht nicht das Geld besassen, den Wagen daneben auch noch angemessen zu warten und zu pflegen.

Gepflegte Modelle gab es dadurch lange Zeit praktisch gar nicht. Hinzu kommt: Durch die Langstrecken-Tauglichkeit des Audi V8 haben die meisten Audi V8 in kürzester Zeit Strecken zurückgelegt, für die andere Autos zwei Jahrzehnte benötigen.

Nur echt ohne Holzlenkrad, das leider viele Leute aus dem Zubehörhandel in den Audi hineinbastelten

Nur echt ohne Holzlenkrad, das leider viele Leute aus dem Zubehörhandel in den Audi hineinbastelten

Heute ist der ohnehin selten und kurz verkaufte Audi V8 dadurch weit seltener als eigentlich notwendig oder unter normalen Bedingungen logisch. Seine Besitzer schwören auf ihn und die, die das technisch durchaus komplexe Auto heute noch im Alltag fahren, pflegen ihn stoisch und lassen nichts auf ihn kommen. Fair betrachtet: Neben dem V8 mit seinem eigenartig aufrechten und stolzen Kühlergrill wirkt der Nachfolger, der ganz unzweifelhaft zu den schönsten je gebauten Oberklasse-Autos gehört, weniger gediegen, weniger repräsentativ. Der Audi V8 ist schon eine ziemliche Erscheinung, innen wie außen und verdient jene Würdigung, die seine zeitgenössischen Mitbewerber erfahren, allemal und uneingeschränkt.

Hinzu kommt seine historisch interessante Perspektive. Im Gegensatz zu vielen anderen, die es mit der Oberklasse versuchten, gab Audi hier nicht auf – im Gegenteil. Sein Nachfolger sollte phasenweise das bestverkaufte Auto der Klasse werden. Der Audi A8 hat die Position Audis in der Oberklasse manifestiert, die neue Nomenklatur manifestiert – aber der Audi V8 hat ihm in seiner eigenen Weise bei der Legendenbildung geholfen, die dafür so wichtig war.



8 Gedanken zu „Audi V8 – wackeliger Stein des Aufstieges

  1. Audi hat in seiner eigenen Weise bei der Legendenbildung geholfen – katastrophale Ersatzteilversorgung für Audi 200 und V8…

  2. Es kotzt mich immer noch maßlos an, daß ich 2009 meinen AUDI 100/2,3 E endgültig Stillgelegt habe, nur deshalb weil Audi in Leipzig trotz mehrfacher Versuche nicht in der Lage war einen Bremskraftverstärker einzubauen der funktioniert bzw. eine Servopumpe zu installieren ,welche genügend Druck aufbaut ohne das man sich beim Einlenken die Arme bricht! Seit 8 Jahren fahre ich einen BMW 520 i, mit dem ich nicht unbedingt zufrieden bin , Wäre so gern bei AUDI geblieben…

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