Youngtimer im Fokus: Mazda Xedos 6 – die unbekannten Gleiter

Toyota launchte Lexus, Honda Acura, Nissan Infiniti (ja, in dieser komischen Schreibweise) und Mazda kam mit den Xedos-Modellen – die drei ersten haben es irgendwie geschafft über die Jahre – aber schaust Du heute mal auf Xedos.de oder Xedos.com, dann findest Du nur irgendwelche Ruinen.

Xedos – wie fing das an?

Der Starter der ganzen Szene war tatsächlich nicht Lexus, sondern vielmehr Acura – eine Marke, die in Deutschland nie zum Zuge kam – und abgesehen davon fuhr Toyota mit #Lexus ganz sicher einen weite konsequenteren Ansatz – der dafür bizarrer Weise in Japan nicht zum Einsatz kam.

Viele Modelle des Mazda Xedos 6 erfuhren typische Tuning-Orgien ihrer Zeit

Viele Modelle des Mazda Xedos 6 erfuhren typische Tuning-Orgien ihrer Zeit

Aber ganz von vorn: Honda launchte den ersten Acura 1986, Lexus startete 1989 – und 1992 versuchte sich dann Mazda an einer Luxus-Division, die keine so rosige Zukunft haben sollte, was definitiv an der Xedos Strategie lag, die einfach zu Mazda-mäßig bleiben sollte.

Der Wagen startete 1992 mit einem 6Zylinder Motor, der wirklich cool war, seidig und leise jedenfalls. Der wurde nach etwas über einem Jahr auf den meisten Märkten durch einen 1,6er 4Topf-Motor ergänzt – einen echten Langweiler. So gerüstet wollte Mazda die Vormachtstellung des 3er BMW brechen, wie fleißig in Interviews mitgeteilt wurde – dafür jedoch war der Cruiser nicht im geringsten geeignet.

Xedos 6 – Erfolgsgeschichte?

Auch sonst mangelte es dem Xedos 6 offensichtlich an Emotionalität: bis 1999 konnte Mazda weltweit knapp 74.000 Stück absetzen, also rund 1000 pro Monat. Als also Massenhersteller Ford mit Mazda zusammen ging, war mit dem Xedos 6 Schluss, schneller als man schauen konnte – wirtschaftlich sicherlich zurecht.

Schon ein Spießer, gell? Aber egal - der Wagen ist vorsichtig luxuriös, seidig - und zur Zeit shier lächerlich billig

Schon ein Spießer, gell? Aber egal – der Wagen ist vorsichtig luxuriös, seidig – und zur Zeit schier lächerlich billig

Der Xedos 6 fährt sich auch heute noch irgendwie eigenartig. Den Luxus eines Acura Legend bot er nie, mit den Lexus-Modellen konnte er nicht mithalten – primär aus einem subjektiven Grund: Der Wagen ist blutleer.

Seine spezifischen Qualitäten, die primär in der gediegenen Reise liegen, der brachialen Mazda-Zuverlässigkeit und der Ruhe, die der Wagen auf seinen Fahrer ausstrahlt, erschließen sich nur schwerlich und nur nach langer Freundschaft mit dem Wagen.

Das Fahren als solches ist gediegen aber distanziert, fast langweilig. Vielen Probefahreren erschloss sich daher nicht recht, warum sie für den Wagen mehr bezahlen sollten als für einen Mazda 626, welcher zudem in einigen Dimensionen größer war. Manchmal reicht es einfach nicht, ein gutes Auto zu bauen, es muss auch Charakter haben, den der Xedos – dem Eindruck der meisten Käufer zufolge – schuldig blieb.

So ist der Xedos heute schon spannend auf seine Weise, weil er schlicht und ergreifend so ungemein selten ist. Wird er dadurch ein Hingucker? Leider nicht – nur bei eingeweiht nostalgischen Fans Japanischer Youngtimer.

hier geht bei Lexus oder Acura mehr

hier geht bei Lexus oder Acura mehr

Interessant wird der Xedos 6 darüber hinaus dadurch, dass er konstruktiv weit simpler ist, als man meinen würde. Der Xedos ist mechanisch leicht zu beherrschen, enorm viele Teile können selber getauscht werden und sind weit billiger, als man bei einem gediegenen Sechszylinder vermuten würde – auch heute noch. Das macht den Mazda Xedos 6 durchauch auch heute noch zu einer interessanten Alternative für Genießer, die nicht damit rechnen, Komplimente für ihr Auto zu bekommen. Typischen Fahrspaß, wie ihn die Deutschen suchen, bietet er nicht.

Heute ist der Xedos wirklich schon mega selten, was sicherlich nicht an seiner Zuverlässigkeit gibt, die statistisch bewiesen großartig war. Aber wie so oft: hoher Wertverlust machte den Xedos 6 schnell zum Verbrauchsauto und dann wurde er weggeworfen, wenn er nichts mehr wert war.

Also: Wer ihn mag, muss ihn sich langsam sichern.




6 Gedanken zu „Youngtimer im Fokus: Mazda Xedos 6 – die unbekannten Gleiter

  1. Immer wieder schön zu lesen, die Beiträge auf Eurer Webseite. Großes Kompliment dafür! Eine Anmerkung habe ich zum Xedos noch: sicherlich „ging“ bei Lexus (Luxus-) oder Acura (Oberklasse) mehr, die kosteten aber auch fast das Doppelte. Der Xedos 6 war eine Alternative zu BMW 3er, MB 190/C-Klasse, Audi 80/A4 und Konsorten. Setzt euch doch mal in einen 1994er Passat B4 mit Stoffsitzen und diesem herrlich filigran gezeichneten Cockpit – ist der im Innenraum etwa schick? Die Form des Xedos ist auch heute noch beinahe zeitlos, der Wagen erinnert ein wenig an den erst zehn Jahre später erscheinenden Mazda 6.

    Gerade mit dem 144PS-V6 war der Wagen schön motorisiert und extrem laufruhig. Die Lederausstattungen sehen auch nach 200.000 Kilometern besser aus als bei manchem BMW nach 100.000. Und – guckt euch den Wagen mal von unten an – die Verarbeitung ist einfach sauber. Bei nicht allzu verwahrlosten Exemplaren ist auch Rost kein Thema. Es hatte schon seinen Grund, dass der Xedos 6 auf anspruchsvollen europäischen Märkten wie Deutschland (starke Konkurrenz) und Italien (Design) relativ großen Erfolg hatte.

  2. Hallo! ich besitze einen xedos 6 BJ 92-bin sehr zufrieden-fährt ganz leise-ist für mich eine kleine Luxuslimousine-hat keinen rost-nicht reparaturanfällig–man sieht ihm seine 26 jahre nicht an-würde mir jederzeit wieder so einen kaufen,auch wenn ich schon 86 jahre bin. gruß e.r.

  3. Würde mich jemand fragen, wie ein typisches 90er Jahre Design Auto aussieht, hier ist der Wagen.
    Für mich ist der Xedos 6 DAS Paradebeispiel und ich meine das positiv!
    Den Xedos 9 finde ich hingegen nichtssagend.

  4. Ich habe seit 16 Jahren einen X6 2,0, als reines Schönwetterfahrzeug, gegen Rost konserviert und schonend gefahren. Der Wagen ist 24 Jahre alt und erregt beim TÜV regelmässig alle 2 Jahre Aufsehen als „Neuwagenzustand“.
    Das kann ich nicht ganz unterschreiben, weil ein kleiner Klarlackablöser aufgetreten ist, aber sonst ein wunderbarer Gleiter, trotz der angeblich anfälligen Ford-Automatik.
    Bei Bedarf sind turbinenartigee 7000 Umdrehungen drin, die dem Wagen aber nicht angetan werden,.
    Man kann nur hoffen, dass noch ein paar Exemplare bewahrt werden und nicht den Tuning-Tod sterben müssen…

    1. Moin,
      beim Fahrzeug meines Nachbarn waren auch Klarlackablöser, allerdings recht großflächig… Machte ihm aber nichts aus, benutzte sein Fahrzeug als reinen Gebrauchsgegenstand. Nach einem Riss der Frontscheibe war das Auto dann aber mausetot… Den Motor lobt mein Nachbar noch heute!

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