DeLorean – da sollte wirklich Zukunft drin stecken – Teil 2

Wie in Teil 1 dargestellt, war der Bau des neuen Autos, des „Ethischen Sportwagens“ in Dunmurry kein leichtes Unterfangen – und es sollte nicht leichter werden.

Produktion starten mit müden Knochen

Nachdem der unheilige PRV Motor gefunden war und die Komponenten drum herum sich häuften und konkretisierten, stellte sich immer mehr heraus, wie schwer der Plan im Konkreten doch tatsächlich war. Hier wusste der eine nicht, wie man die schwere Tür konkret abstützen kann, hier einer nicht, wie man Gummi-Teile in die Mulden der Aluminium-Karosse integriert – und so nahm der Wagen nicht nur an Gewicht zu durch Lösungen, die erst noch entwickelt werden mussten – stets unter Zeitdruck – der Wagen wurde langsamer und soff mehr Sprit. Plötzlich stellte sich heraus, dass die Umwelt-Auflagen des wichtigsten Zielmarktes USA nicht mehr einfach so erfüllt werden konnten.

Mit dem Fluxkompensator gelangte der DeLorean DMC12 doch noch zu positivem Weltruhm. Ohne das unegwöhnliche Auto ist der Film tatsächlich rückblickend kaum vorstellbar

Mit dem Fluxkompensator gelangte der DeLorean DMC12 doch noch zu positivem Weltruhm. Ohne das ungewöhnliche Auto ist der Film tatsächlich rückblickend kaum vorstellbar

Hinzu kam: Der Produktionsanlauf war bereits zum zweiten Mal verschoben worden – die Company stand unter Strom und musste jetzt liefern, wollte man sich nicht lächerlich machen. Jedoch: Erneut fehlte Geld.

Die anlaufende Produktion verschlang an allen Stellen zu viel Geld. Nicht nur, dass nicht ausreichend qualifizierte Mitarbeiter vor Ort waren – rekrutiert wurden Arbeitslose einer Region, die mit Autobau absolut nicht das geringste zu tun hatte.

Ebenso wollten viele qualifizierte Ingenieure auch nicht nach Dunmurry, wo in der Weltwahrnehmung Krieg herrschte. Selbst John Z DeLorean übernachtete zunächst unter diversen Vorwänden stets lieber in London, was seinen effektiven Arbeitstag in der hektischen Phase verkürzte. Und schließlich kam in der heißen Phase auch noch der Terror nach Dunmurry. Zunächst in Form eines Bombenanschlages im Frühjahr 1980, später in Form von Aufständen, die unter anderem auch für grobe Schäden im DeLorean Werk sorgten und dadurch die Produktionsanläufe noch einmal zurückwarfen.

deloreanwildbahnFortan zog sich John DeLorean noch mehr zurück – wurde aber weiter in die Öffentlichkeit gezerrt, als sich nun die Verdachtsmomente häuften, dass DMC Gelder des Originalkredites veruntreut hätten. Im noch schwebenden verfahren musste DeLorean hier dennoch die Regierung erneut um noch mehr Geld bitten, was nun eigentlich nicht mehr verantwortbar war und mit noch mehr und noch härteren Auflagen bestraft, aber beeindruckender Weise genehmigt wurde – schließlich arbeiteten mittlerweile rund 2000 Leute im Werk; die Region begann aufzuleben und ehemals tote Geschäfte eröffneten wieder. Wer wollte da wegen ein paar Millionen einer großen Idee im Weg stehen?

Der handwerkliche Albtraum DeLorean

Mit 2000 Laien, die lediglich ein Training absolviert hatten und einem junge Team mit wenig Erfahrung ein Auto zu bauen, das einen Haufen Spezialkenntnisse erfordert, zeigte sich im Alltag als zunehmend schwieriger. Wie Hillel Levin in seinem ersten Buch über DeLorean ausführt, bestand praktisch nie eine saubere Spezifikation für den DeLorean. In der anlaufenden Produktion stellte sich vielmehr heraus, dass viele Teile bei der Endmontage nicht sauber ineinander passten, keine Dichtigkeit erzeugen konnten oder schlicht so schlecht und lax entlang der Detailspezifikationen gefertigt worden waren, dass Mitarbeiter teilweise zusätzliche Löcher bohren mussten, um Teile zu montieren – nichts, was ein Auto robuster machen würde.

Tatsächlich beschreibt auch Nick Sutton aus seiner erste Hand Erfahrung in seinem DeLorean Buch, dass hier das blanke Chaos herrschte und eine Spezifikation stets dann, wenn sie endlich in Papierform verfügbar war, mindestens 2 mal veraltet war. Dies sollte sich später massivst rächen: Bei Auslieferung der ersten Fahrzeuge in die USA mussten 4 Produktionsmitarbeiter in die Vereinigten Staaten fliegen, um vor Ort die Fahrzeuge auf ein akzeptables Niveau zu bringen – die Verarbeitung war desaströs, was bei den herrschenden Produktionsbedingungen kein Wunder war – im Grunde wurden die Wagen zu großen Teilen nach Gutdünken hergestellt. Die Türen waren oft nicht dicht, die Dimensionierung einzelner Fahrwerkselemente und deren Halterungen stellte sich den Anforderungen schlechter Strassen nicht gewachsen dar und mussten nach Probefahrten massiv korrigiert werden – von einer wirtschaftlichen Produktion war nun keine Rede mehr – und erneut stand nicht mehr ausreichend Geld zur Verfügung.

Andere Innenraumfarben als Grau waren erst für das Produktionsjahr vorgesehen, das nie kam

Andere Innenraumfarben als Grau waren erst für das Produktionsjahr vorgesehen, das nie kam

DeLorean reagierte damit, der britischen Regierung nicht nur den Wagen selbst in einer perfektionierten Version live vorzustellen, sondern bei der Gelegenheit gleich Zeichnungen zu einem DMC 24, einem großen Viersitzer, zu präsentieren, der nun sehr bald konkretisiert und weitere 2200 Arbeitsplätze bringen würde. Die hier angepeilte Produktion von 14000 Einheiten war endgültig vollkommen aus der Luft gegriffen, um nicht zu sagen frei erfunden.

Wie Hillel Levin in seinem zweiten Buch „The Maverick Mogul“, das leider an vielen Stellen von Vorurteilen und Fehlinformationen geprägt ist, sehr richtig ausführt, sah DeLorean jetzt nur noch zu, dass das Wasser ihm höchstens bis zum Hals stand, ihm aber nicht über den Kopf schwappen konnte – luxuriöser wurde es für ihn nicht mehr.

DeLorean – the short way down

Was folgte, war in vielerlei Hinsicht ebenso hässlich, wie umstritten und undurchsichtig und soll nicht skandalträchtig vertieft werden. John DeLorean wurde in einen Drogen-Hinterhalt gelockt und frei gesprochen – mögen sich die Historiker darüber streiten, ob Thatcher darüber im Vorfeld etwas gewusst hat oder nicht. gullwing-deloreanEbenso vermögen wir nicht zu beurteilen, wo zwischen 12.8 und 17.5 Millionen Pfund verschwunden sind – in Summe verschiedener hässlicher Vorfälle, von denen DeLorean zwar freigesprochen wurde, wurde das Werk jedoch schnell unter Fremdverwaltung gestellt, erste Mitarbeiter entlassen und schlicht nur noch alles getan, um die Modelle, die sich aus den bereits vorhandenen bezahlten Mitteln bauen ließen, auf die Strasse zu bringen.

Kein leichtes Unterfangen, wenn die Versorgung mit Ersatzteilen und ähnliche Themen nicht klar sind, die Qualität der Wagen als fraglich gilt und die Tests sich nicht gerade überschlagen bezüglich Fahrqualitäten und vor allem bezüglich des langweiligen Motors. Ab jetzt wurde es schnell nur noch hässlich, aber die britische Regierung hatte die Notbremse ziehen müssen – zu viel Geld war mit zu unklaren Aussichten in die Firma in Nordirland gepumpt worden.

Am Ende des Tages hatte die Regierung 77.5 Millionen als direkte Investments und weiter 45 Millionen an indirekten Investments in das Projekt gepumpt – Pfund wohlgemerkt. Das entspricht nach dem damaligen durchschnittlichen Wechselkurs in etwa 540 Millionen DM – kaum vorstellbar, dass das irgendwo anders möglich gewesen wäre, obwohl Nationen ja schon mehr Geld für dümmere Experimente ausgegeben haben.

Having a dream

Having a dream

Dafür bekommen haben sie keine 10.000 Fahrzeuge – ikonische Fahrzeuge allerdings. Der DeLorean dürfte nicht nur durch die sehr erfolgreiche Back to the Future Trilogie ein Kult-Auto geworden sein – angefangen bei seiner coolen Außenhaut. Das Design ist aus vielen Perspektiven unzweifelhaft cool und mutig vor dem Hintergrund der Jahre. Und das sind nicht nur die Türen, es sind auch Schlichtheit und Konsequenz – das hat schon was und hätte mit mehr Zeit, mehr Liebe und den richtigen Zielen und Mitarbeitern unzweifelhaft klappen können. Ein klassischer Star im Sinne der Verkaufszahlen wäre der DMC12 wohl nie geworden. Der DMC24 mit noch schwereren noch längeren und noch schwerer abzustützenden Türen, die zudem ein Crash-Test Risiko darstellten, gilt in Fachkreisen als nicht baubar – zumindest nicht mit den damaligen Möglichkeiten, Materialien und vor allem nicht mit den angepeilten Kosten. Das kann man als visionär deuten oder als Irre – aber Genie und Wahnsinn liegen ja oftmals dicht beieinander.

Quelle: Wikipedia

Würdiger Abschied? John Zachary DeLorean starb relativ verarmt und lebte ein eher zurückgezogenes Leben nach Jahren im Rampenlicht. Bis zum Schluß betonte er bezüglich der Hinterzeihung von britischen Steuergeldern seine Unschuld. Bildquelle: Wikipedia





2 Gedanken zu „DeLorean – da sollte wirklich Zukunft drin stecken – Teil 2

Die Kommentare sind geschloßen.