Youngtimer im Fokus: Citroen Xantia

Der Citroen Xantia scheint Dir noch irgendwie zu modern? Das zeigt nur, wie weit Citroen in guten Zeiten war, speziell im Design. Böse Zungen behaupten ja immer gerne, dass Citroen ja auch nix anderes konnte, was natürlich Quatsch ist. Tatsächlich war gerade der Citroen Xantia Qualitativ ein Riesen-Schritt, speziell gegenüber seinem teils zweifelhaften Vorgänger Citroen BX – und der war auch schon weit besser als GS / GSA.

Xantia

Macht noch was her – wenn auch kein typischer Head-Turner

Am Ende des Tages muss man wahrscheinlich ganz anders auf das ganze Thema schauen: Citroen war qualitativ gar nicht schlecht – die Bretonen waren auch hier vielmehr ihrer Zeit voraus: Sie zeigten, was passiert, wenn Fahrzeuge zu komplex werden – Mercedes brauchte bis zum W211, um auf diesen Level zu gelangen 😉

Aber die Komplexität, die Citroen bereits seit kurz nach dem Krieg in Fahrzeugen verbaute, die hatte es nicht nur in sich und wollte beherrscht werden, die war auch 1993, als der Xantia erschien, immer noch ein Meilenstein: Eine elektronisch gesteuerte Hydropneumatik oder gar das Hydractive-Fahrwerk bekommt man sonst eher mal in Regierungslimousinen und Flugzeugen – und selbst da ist die eher die Ausnahme. Was bringt so ein Fahrwerk? Man glaubt es tatsächlich erst, wenn man einmal ein funktionierendes in einem solchen Citroen gefahren hat –

Pflichtprogramm: Einmal hochfahren bitte

Pflichtprogramm: Einmal hochfahren bitte

gerade auch in Gänze des Fahreindruckes mit den bequemen Sitzen, die Citroen im Xantia verbaute – obwohl die nicht unbedingt so aussehen. Auch 2016 fühlt sich der Youngtimer Citroen Xantia auf der Strasse immer noch fantastisch an, fährt sich einfach ausgezeichnet. Das ist eine eigenartig patente, vertrauenerweckende Straßenlage, die aber eben nicht durch Härte erkauft wird. Irre – das muss man selbst mal gefühlt haben. Ein Golf 3 aus der Zeit wirkt dagegen wie eine Holzkutsche.

Das ist ganz unaufdringlich, zart auf seine Weise – Citroen weiss wirklich, wie es geht – und schon deshalb lohnt es sich, den Xantia zu erhalten.

fürstlich

fürstlich

Vor allem dann, wenn er einen Diesel-Motor hat. Den hatten die Franzosen ja schon viel länger besser drauf als die Deutschen, auch wenn sich seit dem TDI Kürzel daran keiner mehr erinnern mag – aber hier war schon der Citroen CX gut, die modernere Generation im BX sensationell; da konnte in Deutschland damals noch niemand mithalten. Innerhalb der möglichen Kombinationen hat uns die Turbodiesel-Version mit Automatik den meisten Respekt abgerungen – hier führt Citroen vor, was eigentlich Mitte der 90er Jahre bereits möglich war. Seidig, weich, stark, leise – und zwar so, dass man (zumindest bei halbwegs warm gefahrener Maschine) auch heute bei modernen Autos nicht viel besser ist.citroen-xantia-innenraum

Natürlich erkauft man sich ein so cooles Auto mit den üblichen Macken, über die wir gar nicht weiter rumheulen wollen: die Bremsen verschleißen schneller als im Schnitt, die Sitze leider auch (nein – das darf man nicht mit weich verwechseln) – aber alles in allem konnte auch der TÜV zu Massen-Lebzeiten nie etwas am Xantia rummeckern, ausser, dass eben hier und da mal das Fahrwerk streikt – aber hey – vielleicht ist das einfach der Preis für einen Wagen, der weit weit neben dem Mainstream, fährt. Aber ganz klar entgegen aller üblichen Unken-Rufe: Der Citroen Xantia ist kein Montagsauto und weit weit zuverlässiger, als ein durchschnittlicher Citroen CX je war.

Fast zu schön, um wahr zu sein.

Fair betrachtet: Richtig nach ihm umschauen will sich noch keiner – und ein gern gesehener Gast auf einem Youngtimer-Treffen ist man mit dem Citroen Xantia vielleicht auch noch nicht – aber eben noch nicht. Der Xantia ist einfach zu cool, zu ungewöhnlich und zu gut, um nicht in absehbarer Zeit zurecht weit mehr Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Der Kombi ist bereits fast verschwunden.

großartig - aber praktisch ausgestorben

großartig – aber praktisch ausgestorben

Tatsächlich ist der Wagen in Deutschland jedoch nicht mehr so arg häufig zu finden – und doch: Zurzeit sind die Preise schier lächerlich. Wir haben wirklich gut erhaltene Exemplare gefunden, 20 Jahre alt, 150.000 drauf, die mit frischem TÜV 1000€ gekostet haben und realistisch weit mehr wert waren, auch, wenn man sie von unten auf der Bühne betrachtet.

Wer kann dazu schon nein sagen?



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