Malkas: Vergessene Perle des Ostens

Mit freundlicher Unterstützung von Opel Blitzer

Als Opel mit der Produktionsstrasse des Opel Rekord C hausieren ging und versuchte, sie weiter zur Zweitverwertung zu verkaufen, wie das einigen Autoherstellern – primär FIAT – bereits erfolgreich in Osteuropa gelungen war, da hätte niemand mit dem erstaunlichen Feedback gerechnet, dass später zum Malkas Suur führen sollte.

Denn: Natürlich hatte Opel im Ostblock schlechte Karten – schließlich waren sie Teil von General Motors, arbeiteten also praktisch in direkter Linie für den faschistischen Feind. Und dennoch erreichte Opel binnen kurzer Zeit die Depesche  eines Unterhändlers, der Interesse an der Nachlassenschaft des Opel Rekord C bekundete.

Einen Hauch zu viel US-Charme hatte der Rekord C vielleicht - aber er war technologisch ganz entschieden das richtige Fahrzeug zur rechten Zeit - theoretisch zumindest

Einen Hauch zu viel US-Charme hatte der Rekord C vielleicht – aber er war technologisch ganz entschieden das richtige Fahrzeug zur rechten Zeit – theoretisch zumindest

DDR als Zweitverwerter Imperialistischer Feind-Technologie?

Als sich herausstellte, um wen es sich da handelte, war es ganz klar vorbei mit Opel als Verhandlungspartner und plötzlich saßen primär Politiker am Tisch – denn was hier auf dem Spiel stand, war eine große Nummer, die sich so nicht einfach verheimlichen ließ – aber ganz klar bis zu ihrem Inkraft-Treten verheimlicht werden musste.

Faktisch war es ja auch kein Plan der DDR, sondern ein Sammelplan des Ostblocks an dieser Stelle. Die späten 60er hatten auch den verbohrtesten Funktionären klar gemacht, dass Wasser predigen und Wein trinken nur in begrenztem Maße funktionieren konnte. Auch im Sozialismus bildete sich der sogenannte A-Kader heraus – oftmals Naturwissenschaftler, die einen etwas „etablierten“ Lebensstil wünschten.

Malkas Suur

Für Ostdeutschland sollte der Opel, pardon Malkas, etwas weniger cokebottelig daherkommen – gut gelungen, wie man auf einem dieser raren Bilder des Malkas Suur erkennen kann

Und klar war: Dafür reichten die Fahrzeuge des Ostens mittelfristig nicht aus. Man begab sich auf die Suche nach einem billigen und leicht zu fertigenden 6 Zylinder-Modell, das „etwas darstellte“ ohne gleich auf dem Level der Staatslimousinen zu landen. So wäre zwar der Wolga an sich eine gute Wahl gewesen – aber der war alles andere als günstig herzustellen.

Fiat hätte es mit Freude gemacht

Man brauchte einen echten Mercedes des Ostens – der durfte nicht zu dekadent sein, musste aber Abstand schaffen. Die naheliegendste Wahl des Ostens war gescheitert: Fiat. Der Fiat 2300 hatte einen 6 Zylinder Motor besessen und war erst 1968 aus der Produktion gegangen. Fiat hatte mit Tofas, Seat und Lada bereits Erfahrungen im Badge-Engineering gesammelt und warf neben dem Fiat 2300 auch den nagelneuen Fiat 130 in die Waagschale des Ostblocks.

Im direkten Vergleich wird klar, dass der Malkas moderner wirkte. Speziell die Beleuchtungsanlage sollte bei der fertigung jedoch Stress machen

Im direkten Vergleich wird klar, dass der Malkas moderner wirkte. Speziell die Beleuchtungsanlage sollte bei der Fertigung jedoch Stress machen. Die schmalere Bereifung war ökonomischer

Hektisch wurde eigens für diese Fragestellung sogar ein Kombi des 130er Fiats konzipiert. Alle drei jedoch scheiterten. Die Ingenieure der Tschechoslowakei und der DDR kritisierten die Qualität, die teilweise sinnlos schwere Baubarkeit der Wagen. Der Fiat 130 verfügte darüber hinaus über eine zu geringe Bodenfreiheit, wirkte mit dem notwendigen Fahrwerk auf der anderen Seite jedoch lächerlich.

Mit dem Feind ins Bett gehen?

Damit war Fiat aus dem Rennen für einen Mercedes des Ostblocks – und Opel ka

Wäre gerne einer der Väter der sozialistischen Sechszylinder-Limousine gewesen

Wäre gerne einer der Väter der sozialistischen Sechszylinder-Limousine gewesen

m mit dem abgetragenen Rekord C gerade richtig. Der Hüftschwung war keck, der Wagen stellte etwas dar – und er hatte belastbare

Sechszylindermotoren, die man zu dieser zeit auch in der Tschechoslowakei, der DDR und Ungarn ganz gerne gesehen hätte – von den Weiten der UDSSR mal ganz abgesehen, wo es größere Strecken zurückzulegen galt.

Der Rekord C hatte eine ausgezeichnete Bodenfreiheit, die robusten Achsen und Federungen und eben Maschinen, die als signifikant belastbarer galten als die großen Motoren aus dem Hause Fiat. Opel hatte sogar einen Selbstzünder im Programm. Und diverse Komponenten würden im Rekord D weiterleben, soviel stellte das Gesetz der Großserie sicher. Mit Größen wie Schalck Golodkowski am Tisch konnte man nun auch ganz andere Ideen verhandeln – wer etwa sagte, dass nicht Motoren für den Rekord D zu günstigen Konditionen in der DDR hergestellt werden könnten? Musste ja nicht jeder wissen, klappte an anderer Stelle ja auch stillschweigend….

Die Geburt des Malkas

Das Coupé des Rekord / Commodore war entschieden zu dekadent und passte nicht ins Muster des Ostblocks

Das Coupé des Rekord / Commodore war entschieden zu dekadent und passte nicht ins Muster des Ostblocks

Der Name Malkas für die neue Gesamt-Ostblock-Luxusmarke fühlt sich historisch falsch an und tatsächlich beruht er auf einem historischen Fehler – der Auftrag an die Sprachwissenschaftler war gewesen, ein klangvolles Wort osteuropäischen Ursprungs zu finden, das für ein edles Material stand. „Malkas“ sollte das lettische Wort für Mahagoni darstellen, was sich erst signifikant später als stattlicher Irrtum erweisen sollte. Später wusste jedes Kind zwischen Ural und Frauenkirche, dass es sich dabei vielmehr um das lettische Wort für „Brennholz“ handelte… Peinlich – und leider nicht die einzige Peinlichkeit in der Geschichte des „Malkas Suur“ der ersten Generation. Zunächst sollte der Wagen auf den Namen Luksus hören, was dann aber doch viele Funktionären zu verdächtig erschien, während Suur leicht zu sprechen war und eben doch auf Größe hindeutete, die der Malkas schließlich verkörpern sollte.

Nachdem die ersten Verhandlungen zu dem Thema schon 1971 stattgefunden hatten, zogen sich die gesamten Bestrebungen hin. Sozialistisch lange Zyklen, zu viele Verhandlungsführer, keine klare Strategie der Sowjetunion, die zwar den Bedarf anerkannte, jedoch nicht recht willens war, die Millionen in die Hand zu nehmen. Erst 1975 fand sich eine Lösung der diskreten Verhandlungen, nachdem General Motors den westlichen Verhandlungsführern freie Hand gegeben hatte. Nun kam man sich näher und schnell zu der Vereinbarung, dass das Rekord Coupé doch zu sehr Rock N Roll war – die Limousine und der Kombi jedoch in Ordnung. Der Kombi sollte als Vierzylinder entstehen, die Limousine mit einem 4 Zylinder und dem Sechszylindermotor aus dem Commodore B – nach Abstimmung auf osteuropäische Spritqualität und mit Vergaser (Die Einspritzung schien einerseits zu teuer und war gleichermaßen zu kompliziert in der Wartung) brachte es der 6 Zylinder nur noch auf die bekannten 108PS des Serienmodells – Kein Highlight, jedoch gleichermaßen robust und leicht zu Warten.

Im direkten Vergleich erstaunlich, was ein bisschen geschickte Schminke ausmachte. Der Malkas hätte im sozialistischen Umfeld sicherlich 2 Jahrzehnte durchgehalten

Im direkten Vergleich erstaunlich, was ein bisschen geschickte Schminke ausmachte. Der Malkas hätte im sozialistischen Umfeld sicherlich 2 Jahrzehnte durchgehalten

Am anderen Ende fand sich eine Art 1,9N ein, der es auf 78PS brachte – ausreichend für einen großen, doch im Verhältnis zu sowjetischen Modellen erfreulich leichten Wagen.

Holprig: Der Start des Malkas Suur

Nachdem sich die Verhandlungen tatsächlich nicht  herumgesprochen hatten, ließ sich der Transfer einer Transportstrasse nun kaum noch verheimlichen. Tatsächlich jedoch hielt der damalige Pressefrieden, wie ihn selbst Springer bis zu den Ausschreitungen auf dem Platz des himmlischen Friedens einhielt, durch – und erst mit dem Aufbau der Fabrik in der Nähe von Eisenach, wo die  Karosserie des Malkas gefertigt werden und mit den restlichen Teilen verheiratet werden sollten, bekam die Öffentlichkeit vom Malkas Wind. Als schließlich dann kurz darauf erstmal der peinliche Übersetzungsfehler publik wurde, türmten sich die sozialistischen Witze. Erstmals galt das Projekt als vergiftet.

malkas-innen

Später sollten die moderneren Sitze des Rekord D zum Einsatz kommen – es gab jedoch 1975 keine Produktions-Anlage hinter dem Eisernen Vorhang, die die Vollschaumausspritzung beherrschte

Ebenso schwierig gestaltete sich die Tatsache, dass Teil der Verhandlungen nun tatsächlich die Fertigung von Opel Motoren war, die unter der Hand diskret zu rund dem halben Preis an Opel geliefert werden sollten. Stillschweigend waren die Deutschen Verhandlungsführer davon ausgegangen, dass diese ebenfalls in Eisenach gefertigt werden sollten – jedoch baute man die Fertigung im heutigen Kasachstan auf – ein Affront gegenüber dem westlichen Abnehmer. Tatsächlich zeigten sich die ersten Maschinen, die ihren Weg in den Ascona B finden sollten, auf einem solch scheußlichen Verarbeitungsniveau, dass nach Abhilfe gesucht werden musste, wollte Opel nicht einen Ruf verlieren.

Derweil verzögerte sich der Anlauf der Malkas-Fertigung ebenso. Fehlende Devisen und hohe Toleranzen in den in Sibirien und Ungarn gefertigten Fahrwerksteilen machten den Wagen in den ersten Modellen der Vorproduktion im Frühjahr 1977 praktisch unfahrbar. Der Ruf nach Starthilfe wurde zwar laut, hinter dem eisernen Vorhang aber nicht gerne gehört. Die Tatsache, dass Opel nahe 100% der gelieferten Motoren nicht abnahm, verschärfte die Situation und war nun auch vor der Presse nicht mehr einfach zu verschweigen.

Schließlich tauchten auf dem Weg über Ungarn Nahaufnahmen von Vorserien-Malkas auf, die schließlich im April 1977 in einer legendären Ausgabe der AUTO ZEITUNG veröffentlicht wurden, für die auch heute noch bei eBay Höchstpreise bezahlt werden. Gleichzeitig tauchten die ersten Erlkönig Fotos des Opel Rekord E in der Presse auf.

Eines der wenigen lebendigen Modelle des Malkas tauchte kurz nach der Wende in Zschopau auf. Klar erkennbar: Das Modell wurde von seinem Besitzer über Umwege mit Teilen aus Westdeutschland auf den Look des Opel Rekord C umgebaut. Nur die fehlenden Chromleisten enttarnen den Malkas Suur. Der Wagen war 2015 wieder 8 Wochen lang im Rahmen einer Sonderausstellung zum 25jährigen Jubiläum der Einheit Haus der Geschichte in Bonn zu sehen

Eines der wenigen lebendigen Modelle des Malkas tauchte kurz nach der Wende in Zschopau auf. Klar erkennbar: Das Modell wurde von seinem Besitzer über Umwege mit Teilen aus Westdeutschland auf den Look des Opel Rekord C umgebaut. Nur die fehlenden Chromleisten und der entschärfte Hüftschwung enttarnen den Malkas Suur. Der Wagen war 2015 wieder 8 Wochen lang im Rahmen einer Sonderausstellung zum 25jährigen Jubiläum der Einheit Haus der Geschichte in Bonn zu sehen

Die jetzt entstehende Situation war nicht mehr zu halten. Während der Westen den Rekord D als „alt“ zum empfinden begann, brachte der Ostblock nicht mal einen Klon des Vorgängers auf die Räder, der nun zum VorVorgänger des aktuellen Opel Rekord werden sollte, bevor er auf sozialistischen Strassen zu finden sein würde.

Der Rest ist große Politik: Wie so viele Projekte des Sozialismus starb der Malkas, bevor er lebendig wurde. Gerade einmal 30 (eventuell auch 33) Vorserienmodelle wurden gefertigt, bevor das Projekt sehr diskret versenkt wurde. Erst 1991 sollten in Eisenach wieder Opel-Teil gefertigt werden…

Nicht alle sind erhalten, die Sechszylinder-Limousinen werden im Umfeld des Kreml vermutet. Über den Malkas hat sich zu Unrecht der Schleier der Deutsch-Deutschen Geschichte gebreitet – ganz so, als hätte es ihn nie gegeben.



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