Die Vergaser-Generation

Interessant: Die Rechtschreibprüfung unseres Blogs sagt bei der Eingabe des Wortes „Vergaser“ mütterlich, dass wir uns da wohl vertippt haben – es muss natürlich „Versager“ heißen… So wie die Rechtschreibprüfungen lange Zeit das Wort „Browser“ immer durch das deutlich alltäglichere Wort „Borwasser“ ersetzen wollten…

Das haben die Rechtschreibprüfungen schon gelernt mittlerweile – während aber Browser immer selbstverständlicher wurden, geraten Versager Vergaser bereits in Vergessenheit – und auch diverse Youngtimer haben längst keine Vergaser mehr – die sind zusammen mit dem ungeregelten Kat auf dem Altar der Abgasreinigung geopfert worden.

übermotorisierte frühe Fronttriebler machen mir bis heute irre viel Spaß - die kannst Du so kontrolliert untersteuern lassen - vor allem bei Regen ;-)

übermotorisierte frühe Fronttriebler machen mir bis heute irre viel Spaß – die kannst Du so kontrolliert untersteuern lassen – vor allem bei Regen 😉

Vor einiger Zeit hatte ich mal ein Fahr-Sicherheits-Training (was eine witzige separate Geschichte ist…). Dort erzählte mir der Trainer, ein Typ Anfang 30, dass er Leute, die auf Vergaser-Autos das Fahren gelernt haben, bei den ersten Fahrversuchen mit verbundenen Augen erkennen könne. „Die fahren alle falsch – innerlich haben die immer noch Angst, irgend etwas könne ‚absaufen‘ und fahren daher nie sauber niedrigtourig – obwohl Einspritzer das heute ausgezeichnet können.“

Wochenlang konnte ich im Anschluss nicht mehr Auto fahren ohne mich zu fragen, ob das eigentlich zutrifft – aber ja: Es stimmt. Auch in modernen Autos fahre ich bis heute so, wie ich es auf dem 76er Taunus gelernt hab. Tatsächlich trifft das auch für diverse andere Gewohnheiten zu. Ich schalte beispielsweise auch nicht gerne in den 6. Gang.

Die A-Klasse hat es final versaut. Weil die aufgrund ihres verückten Höhen-Breiten-Längen-Verhältnisses ohne fremde Hilfe nicht um Kurven fahren konnte, kam ESP. Gefühlte 3 Sekunden später galten Autos ohne ESP dann plötzlich als vollkommen unsicher und wurden schnell unverkäuflich. Heute ist es das Ding, das macht, dass Du auf der Strasse bleibst...

Die A-Klasse hat es final versaut. Weil die aufgrund ihres verrückten Höhen-Breiten-Längen-Verhältnisses ohne fremde Hilfe nicht um Kurven fahren konnte, kam ESP. Gefühlte 3 Sekunden später galten Autos ohne ESP dann plötzlich als vollkommen unsicher und wurden schnell unverkäuflich. Heute ist es das Ding, das macht, dass Du auf der Strasse bleibst…

Als ich neulich mit einem 19jährigen fuhr, wurde mir kurzfristig wirklich schlecht, bis ich begriff, dass ein 19jähriger 1997 geboren ist – das Jahr, in dem die A-Klasse umkippte und anschließend mit ESP wiederbelebt wurde (Dazu gibt es übrigens auch eine geile Geschichte…). Somit ist aber auch eins klar: Die Generation, die jetzt seit wenigen Jahren fährt, kennt keinen Grenzbereich – die kennen nur ESP, das ist für die Grenzbereich – und den planen sie ebenso dilettantisch wie wir als Jungs den Grenzbereich ins Fahren einplanten, in ihr heutiges Fahren ein.

Da bekomme ich das kalte Grausen: In meiner Welt brechen Autos noch aus (76er Taunus) oder schieben über die Vorderräder (77er Polo I) – in jedem Falle tun sie irgend etwas, was potentiell gefährlich für Fahranfänger sein könnte – daneben ist die falsche Bedienung der Einspritzanlage von der Versager-Generation wohl sehr verzeihlich.

Legendär: Die Generation der Fronschieber aus der Vergaser-Generation prägte ein Fahrverhalten. Den Scirocco hatten wir übrigens nicht nur mit Vergaser, sondern mit DOPPELVERGASER - das war das coolste damals :-)

Legendär: Die Generation der Frontschieber aus der Vergaser-Generation prägte ein Fahrverhalten. Den Scirocco hatten wir übrigens nicht nur mit Vergaser, sondern mit DOPPELVERGASER – das war das coolste damals 🙂

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So einen habe ich tatsächlich 2 Mal schlimm absaufen lassen und musste ihn dann anschließend anrollen – ohne fremde Hilfe…

Tatsächlich bestätigt uns ein befreundeter Fahrlehrer, dass das nicht nur ein Thema junger Kerle mit wenig Fahrerfahrung ist – „auch Mädels, die sich nicht so viel um Fahrphysik scheren, kennen ESP irgendwie vage als ‚das Ding, das macht, dass Du in  der Spur bleibst‘ oder so. Das ist für die ein Fangseil, ein Begrenzer – die haben irgendwie zu viele Computerspiele gespielt. Eigentlich müsste man mit denen allen ein Sicherheitstraining mit alten Autos machen, um denen mal klar zu machen, was da eigentlich passiert.“

Was tatsächlich auffällt: Die wirklich krassen Unfälle aus diesem Kontext nehmen dann auch wieder zu – denn wenn so ein auto mit ESP dann mal abhebt, dann richtig – da hatten wir noch die Chance, uns durch eine kleine heilsame Beule an so etwas heranzutasten, ohne gleich gegen einen Brückenpfeiler zu krachen – mit 110 wohlgemerkt…

Und das ist eine Spirale: Ich erinnere mich nämlich noch sehr genau, wie wir mit den frühen Fronttrieblern vom Schlage eines Golf 1 oder Kadett D fuhren. Die schienen auf der Strasse zu kleben – nur mein Vater neben mir, der noch auf einem Ponton-Mercedes groß geworden war….