Behalt’s doch einfach, wie wär das denn?

Man muss nicht ständig mit neuem Experimentieren und seitenlange Gebrauchsanleitungen lesen, wenn man das Fahrzeug gefunden hat, das zu einem passt

Man muss nicht ständig mit neuem Experimentieren und seitenlange Gebrauchsanleitungen lesen, wenn man das Fahrzeug gefunden hat, das zu einem passt

Wenn Du in den Niederlanden oder in der Schweiz Dein altes Auto verkaufen willst, dann gibt es dafür ebenso professionelle Ankäufer wie in vielen anderen Europäischen Ländern und man könnte sich das Leben wirklich leicht machen und ein neues kaufen – das übrigens tun die Liechtensteiner am ehesten – wir Deutschen sind gar nicht die Schlimmsten.

Und dennoch gilt in Deutschland die „Währung Auto“ was. Kürzlich erzählte mir ein Vorstand eines großen Deutschen Unternehmens, er habe die neue Dienstwagenregelung per Mail verteilt und nach recht kurzer Zeit das Feedback einer weiblichen Führungskraft, dienstwagenberechtigt, bekommen, dass diese ganze Dienstwagengeschichte eine Männergesellschaft widerspiegle – sie hätte lieber eine schöne Wohnung.

Früher noch weit häufiger als heute: Schweizer, die US-Autos fahren und diese durchaus lange behalten

Früher noch weit häufiger als heute: Schweizer, die US-Autos fahren und diese durchaus lange behalten

Schon interessant. Ein internationales Beratungshaus veröffentlichte kürzlich eine interne Studie, die besagte, dass die Dienstwagenquote rückläufig sei. Beides zeigt Strömungen, aber beides zeigt Strömungen, die in Deutschland einfach nicht die Masse sind. Mit einem alten Auto wirst Du immer noch irgendwie komisch angeschaut – und der Anteil der Dienstwagen war nie so hoch wie heute und ist in keinem Land vergleichbar hoch wie hier – der Hang zum großen neuen Auto bleibt, denn kaum eine Firma hält ihre Wagen länger als 4 Jahre und kaum eine macht sich die Mühe, Verträge mit Marken wie Dacia zu schließen.

Schweizer und Niederländer sind hier eine krasse Ausnahme, Nordeuropäer sind es in Teilen, wenn auch aus teilweise anderen Gründen. So gibt es ja beispielsweise Länder, in denen Autos, die älter als 20 Jahre sind, von der Steuer befreit werden… Dieses Zeichen würden wir mal gutheißen… 😉 Vielleicht könnte man dann Youngtimer auch endlich bei der Steuer wieder als „Pflege erhaltenswerter Kulturgüter“ ansetzen.

Gilt vielen als der König der Langläufer, anderen als der König der Langweiler - aber: Kaum ein Auto wird so lange besessen wie der Subaru Legacy als Kombi, obwohl Subaru auch regelmäßig neue Modelle auf den Markt wirft Muss wohl doch eine Geisteshaltung sein

Gilt vielen als der König der Langläufer, anderen als der König der Langweiler – aber: Kaum ein Auto wird so lange besessen wie der Subaru Legacy als Kombi, obwohl Subaru auch regelmäßig neue Modelle auf den Markt wirft
Muss wohl doch eine Geisteshaltung sein – eine, die man speziell bei Allrad-Fahrer weit häufiger findet

Wir hatten dazu kürzlich eine interessante Unterhaltung mit einem Deutschen, der seit über 10 Jahren bei einem großen Autohaus in Zürich arbeitet. Der erzählte uns, dass tatsächlich selbst in einer Hochglanzstadt wie Zürich die Autos entlang des Mythenquais älter sind als in Deutschland. „Und das hat auch kein Gschmäckle oder so – wenn man sich ein werthaltiges Auto kauf und das liebevoll auf den eigenen Bedarf hin kalibriert – warum sollte das dann nach 3 Jahren nicht mehr gut genug sein?“ tönt es mit beginnendem Schweizer Akzent und durchgedrungener eidgenössischer Einstellung.

1988_Toyota_Land_Cruiser_HJ60_FJ62

Man muss Autos nicht alt kaufen, um sie zu Youngtimern zu machen – ein guter Freund von uns fuhr den Heavy Duty von Beginn an und behielt ihn einfach – bis weit über 500.000 Kilometer

An dieser Haltung reden wir uns nun seit Jahren den Mund fusselig, könnte man sagen. Ein Niederländischer Freund von uns geht noch weiter „Ich sehe gar keinen rechten Grund, mir ständig neue Autos zu kaufen – wenn mir eins behält, kann ich es doch behalten, warten und Pflegen – Autos werden ja mit den Jahren nicht schlechter – sie haben nur im Vergleich zu neuen weniger Schnickschnack.“

Der Durchnittsdeutsche hingegen gibt den Gegenwert von 392.000 Euro für Autos in seinem Leben aus – selbst wenn man da jetzt noch großzügig 180.000 für Verkaufserlöse abzieht – was ist das denn für eine irre Summe?

Die Queen, immerhin Jahrgang 1926, soll angeblich noch einen „frischen“ Landrover bestellt haben, kurz, bevor die Fertigung dieses Wagens nach gefühlten 100 Jahren eingestellt wurde – weil sie keine andere Art Auto mehr haben möchte… Hochvernünftig. Unser Mercedes Händler erzählt immer, dass er drei Kunden hatte, die genau das 1984 getan haben. Die haben sich noch einen reichlich ausgestatteten W123 bestellt, weil sie keine der neumodischen W124 haben wollten… Es gibt also durchaus alternative Kaufmodelle zu „Schatz – es sind schon wieder 33 Monate rum – wir müssen uns mal um einen neuen Wagen kümmern…“



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