Organhändler des Youngtimer-Zeitalters

#Fiat dürfte nach unserem Ermessen führend gewesen sein im Bereich der Zweitverwertung von Fahrzeugen – und irgendwo im Hinterkopf glauben wir außerdem, dass der Lada Niva eigentlich als Fiat konzipiert war – aber das ist sicherlich eine andere Geschichte. Aber ganz klar: Der Fiat 124, der Panda, der 126 und der Fiat 128 sind Legenden der Zweitverwertung, unter denen der 124er Fiat die unangefochtene Führerschaft besitzt.

Das war Fiat-seitig ein klares und überaus kluges Konzept – wenn Du einen Wagen nicht mehr auf dem ersten Markt verkaufen kannst, suchst Du dir einen, für den er noch gut genug ist. Abgeschrieben ist er dann – im betriebswirtschaftlichen Sinne war das für Fiat in Spitzenzeiten klassisches Geld drucken.

galt tatsächlich weltweit als heiße Nummer in seiner Klasse - auch in Deutschland, wo er das Eis für viele Japaner stellverstretend brach

galt tatsächlich weltweit als heiße Nummer in seiner Klasse – auch in Deutschland, wo er das Eis für viele Japaner stellvertretend brach

Einen etwas anderen aber ebenso effizienten Weg ist Mitsubishi eine gewisse Zeit lang gegangen – und dieser Weg wird heute aus vielerlei Hinsicht nicht mehr als ganz so klug angesehen. Mitsubishi betätigte sich eher als Organspender und bestückte heutige Wettbewerber mit Komponenten, halben Fahrzeugen und Know How.

Während GM das beispielsweise bei Daewoo tat, den Hersteller dabei aber vorsichtshalber internalisierte, baute Hyundai beispielsweise Autos, mit denen Hyundai aus dem Schatten der Industrie-Masse zur Marke aufsteigen wollte – und tatsächlich schafften sie das auch – und zwar schneller als erwartet.

Der Hyundai Sonata etwa, geboren als Ford Cortina-Klon, fuhr schon auf Ford-Basis mit Mitsubishi-Motor durch die Lande – das war ein Start, den es auch in anderen Bereichen gab. Der Hyundai Sonata vom Typ Y2 jedoch basierte bereits auf Komponenten des Mitsubishi Galant. Mit dem jedoch hatte er nicht nur Komponenten und Teile der Plattform gemein, sondern plötzlich durch die international schneller als erwartet voranschreitende Expansion der Marke auch auf vielen Märkten eine gemeinsame Zielgruppe, die keiner bei Mitsubishi so recht auf dem Schirm gehabt hatte.

Vielleicht der schärfste je gebaute Mitsubishi Galant - und mit einen Stück XXXX gesegnet. Dennoch: Hier ging es für die Marke in Deutschland bereits bergab

Vielleicht der schärfste je gebaute Mitsubishi Galant – und mit einen Stück Sigma gesegnet. Dennoch: Hier ging es für die Marke in Deutschland bereits bergab

Hier hatte Mitsubishi also in dem Willen, auf dem koreanischen Markt durch die Hintertür stärker Fuß zu fassen, am Ende auf anderen Märkten kostbar erkämpfte Marktanteile gefährdet. Und nicht nur das: Als 1998 Hyundai mit Kia fusionierte, erschien kurze Zeit später der Hyundai Sonata gleich noch on Top als Kia Magentis… Die Geister, die ich rief…

Stellte sich das in Europa und Japan nicht als großes Problem dar, waren die beiden annähernd identischen Limousinen in UK und vor allem in den USA, in denen diese Fahrzeuggröße im Jahr 2000 noch den Kernmarkt definierte, für Mitsubishi und Toyota Händler ein Schlag ins Gesicht. Vollausgestattet verkaufte sich der Sonata mit dem 3 Liter Motor ausnehmend gut… Aber auch in Deutschland ging es für den Plattformspender Galant bergab, für Hyundai und Kia bis heute bergauf. Während Hyundai i40 und Kia Optima auf dem Deutschen Markt in der Klasse noch relevant sind, verkauft Mitsubishi – einst Vollsortimenter – einen Haufen Nischenmodelle. Das ist sicherlich nicht nur auf die Organspenderfrage zurückzuführen – aber geholfen hat es Mitsubishi trotz Lizenzeinnahmen am Ende nicht – eher im Gegenteil.

Unerwartet international erfolgreich

Unerwartet international erfolgreich

Den Hyundai Galloper kann man in diese Rechnung übrigens nicht einbeziehen – dieser Lizenzbau des Mitsubishi Pajero hatte tatsächlich eine Menge Freunde und war ein Erfolg auf diversen Märkten, auch für Mitsubishi, die erkannt hatten, dass ihre aktuellen Pajeros vielerorts über die eigentliche Zielgruppe hinausgelaufen waren. Hier war der Hyundai Galloper eher eine Ventillösung, die witziger Weise nicht von Hyundai gefertigt wurde, sondern von einer Konzerntochter, die eigentlich ein klassischer Maschinenbauer mit einer starken Zug-Sparte ist.

Weniger erfolgreich war die Zusammenarbeit mit dem Malysischen Hersteller Proton, die die Modelle 300 und 400 hervorbrachte, die nichts anderes als ein zweites Leben von Mitsubishi Colt (300) und Lancer (400) waren. Immerhin brachte diese Kooperation ein dekoratives Coupé hervor – sonst ist sie eher eine Randnotiz der Geschichte.

Proton galt hierzulande als Luftnummer, wurde von Autozeitungen so laut und effektiv verspottet, dass sich niemand recht trauen konnte, einen zu kaufen. Wer über Schutzzölle nachdenkt, sollte sich das mal auf der mentalen Zunge zergehen lassen. Türken und Briten hatten solche Mechanismen nicht – speziell in der Türkei sieht man auch heute noch hier und da den 418er Proton, das einzige echte Schmuckstück aus dieser Zusammenarbeit – eigentlich auch ein Mitsubishi Mirage, den der Deutsche Markt jedoch nie zu Gesicht bekam, nicht einmal als Grau-Import.

Schon das heisseste Ergebnis dieser Organspende

Schon das heisseste Ergebnis dieser Organspende

Immerhin stellte sich in Ländern wie der Türkei heraus, dass speziell die Motoren der Proton-Fahrzeuge offensichtlich unzerstörbar waren – und die hatte Mitsubishi 1:1 gespendet, also immerhin hier ein echtes Denkmal gesetzt.

Immerhin zeigt das, dass Länder mit weniger Statusdenken schon die Qualität solcher Fahrzeuge begreifen, wie wir Deutschen das scheinbar nicht können – tatsächlich nämlich erhält der Kunde hier oft ausgereifte, einfache Technik mit hoher Haltbarkeit (Der Daewoo Espero ist die obligatorische Ausnahme zu dieser Regel…) zu einem fairen Preis. In Deutschland vermochte das keinen rettenden Effekt zu haben – wie fast alle Japanischen Marken musste Mitsubishi in Europa und den USA Federn lassen – im Falle von Mitsubishi nur eben etwas schneller und gründlicher – und das aus eigener Schuld. Bitter.



2 Gedanken zu „Organhändler des Youngtimer-Zeitalters

  1. Ich hab mich in den paar Ferientagen etwas in Euren blog eingelesen. Gefällt mir sehr gut. Bin halt nicht auf facebook dabei und schreibs halt old school mässig per email. Liebe Grüsse. Chr.

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