Prägende Youngtimer Designer: Bruno Sacco

sacco-in-schwarz!Als der Mercedes W124 erschien, sagte mein Vater angesichts der Lektüre der grausigen ADAC Motorwelt damals „Jetzt haben sie es geschafft – jetzt sehen alle Mercedes gleich aus.“ Alle Mercedes waren alle Limousinen – alles andere galt in den frühen Achtzigern in unserem Haushalt als neumodisches dummes Zeug. Wir fuhren damals einen /8er, EZ 1978, was eine Rarität in sich war – und angesichts des W124 entschloss mein Vater sich tatsächlich, noch schnell einen W123 zu erwerben, 230E, vielleicht der beste Mercedes, den unserer Familie je hatte – aber das ist eine Geschichte für sich. Aber in aller Fairness: Der 190er und die S-Klasse W126 sahen sich schon plagiativ ähnlich für damalige Verhältnisse.

Der Mann, der für die Gleichgesichtigkeit der Mercedes Modelle verantwortlich war, gilt in weiten Kreisen automobiler Fachleute als einer der größten Designer überhaupt in diesem Segment des Designs. Tatsächlich sah das auch sein nahezu lebenslanger Arbeitgeber Mercedes Benz so und ließ ihm über die Jahre schier unglaubliche Freiheiten. Dass Bruno Sacco handfestes handwerkliches Konstruktions-Knowhow hatte, spielte dabei sicherlich eine Rolle und machte ihn auch in den Kreisen der Fahrzeugentwickler beliebt. Sacco war keiner, den ein bodenständiger Schwabe als spinnerten Künstler abgetan hätte – Sacco hatte eine Design-Philosophie für Mercedes definiert, die nahe an ein Lastenheft der echten Heavy-Metler des Konzerns herankam – das erzeugte Respekt.

Kontinuität at its best

Kontinuität at its best

Hinzu kommt: Brunos Sacco spricht ausnehmend gut Deutsch – was ihn gerade im Ländle weniger exotisch machte, als er im Grunde hätte sein müssen – immerhin reden wir hier ja in Teilen von den 60er Jahren, als es noch Worte wie „Gastarbeiter“ gab. Der Millionste Gastarbeiter, der Portugiese Armando Rodrigues, wurde 1964 gefeiert – da war „Gastarbeiter“ Bruno Sacco schon sechs Jahre da.

Sacco kam bereits 1958 zu dem schwäbischen Autobauer und sollte dort satte 41 Jahre (!) bleiben – immer bei der einen Marke – also gänzlich anders als etwa ein Giorgio Giugiaro, der Fahrzeuge für so ziemlich alle wichtige Marken seiner Zeit designerisch prägte.

Späte Spätfolgen

Späte Spätfolgen

Sacco prägte etwas, das vielleicht zu einem wesentlichen Faktor bei der Beliebtheit der Autos als Youngtimer heranreifte. Seine Überlegung war, dass ein Auto nicht nur mehrere Jahre entwickelt wurde, sondern ein Wagen eben auch 8 Jahre gebaut wurde und anschließend rund 20 Jahre lebte – alles in allem musste somit seiner Auffassung nach das Design „Zeitlos“ sein. Und tatsächlich ist sein Meisterstück, ganz gleich wie subjektiv Design hier empfunden werden mag, sicherlich der Mercedes Benz W126, der bei Erscheinen Zeitlos war und auch heute nicht so recht angestaubt wirken mag, sondern immer noch elegant und stilprägend. Nicht umsonst schaute Lexus sich den Wagen unzweifelhaft genau an, als sie mit dem LS400 ihren ersten Oberklassewagen auflegten.

Na, wenn das mal nicht zeitlos ist

Na, wenn das mal nicht zeitlos ist

„Gutes Design erkennt man durch das Fehlen von Schnickschnack und klare, einfache Aussagen“ hat Sacco gesagt, als man ihn nach der magischen Formel gefragt hat. Und sein Job war doppelt schwer – Stets musste er frisches Design auflegen, ohne das Vergangene zu negieren – eine Qualität, die gerade bei einem Konzern wie Daimler in dieser Zeit zu hoher Kunst reifte – was passiert, wenn man hier kein Fingerspitzengefühl hat, zeigt Audi zurzeit mit seiner brachialen Konsistenz. Der Audi A3 sieht seit knapp 20 Jahren so aus, dass man ihn nur noch mit der Lupe von Vorgängern oder Nachfolgern unterscheiden kann. Die verschiedenen Erscheinungsformen des Kadett / Astra zeigen, was passiert, wenn keinerlei Konsistenz im Design vorliegt.

All das: Sacco konnte es tatsächlich besser.

Und wie der R129 zum W140 und schließlich W202 überleitet, ohne dabei den R107 in Frage zu stellen (und das ist schon große Kunst) – das hat eine Klasse erreicht, die man wirklich selten im Automobilbau findet oder gefunden hat.

Ja, Sacco war einer der ganz ganz großen.




4 Gedanken zu „Prägende Youngtimer Designer: Bruno Sacco

  1. Wunderbarere Beitrag über Bruno Sacco.

    So ein Mercedes Benz 260 SE, Baujahr 1986 habe ich noch. Den habe ich mir 2008 zur bestandenen Prüfung „Fachmann im Finanz- und Rechnungswesen mit eidg. Fachausweis gekauft.

    Mein Mercedes Benz hat so SACCO-Bretter, wie man sagt.

  2. Genau, man darf aber auch nicht vergessen, dass Sacco den fahrenden Führerbunker w140 zumindest mit verbockt hatte 😉

Die Kommentare sind geschloßen.