Prägende Youngtimer-Designer: Claus Luthe

Claus Luthe war der Mann der klaren Form, der GANZ KLAREN Form.

VW K70 – da mögen sich manch einem ja die Fußnägel aufrollen – aber hatte der Wagen Klarheit in der Form…? Oh ja – und auch eine Linie, die sich offensichtlich weiterverfolgen ließ – Audi 50, Audi 80 und Audi 100 tragen ein klar gestrafftes Kleid im Box-Design, bei dem jeder weiß, was Sache ist.

Claus Luthe

Der Designer der klaren Linie mit seinem größten Wurf: Der NSU RO80 ist mehr als nur irgendein Meilenstein – mit ihm prägte Luthe die stilistische Grundform, die das Ende des Box-Designs im Automobilbau ablösen sollte und schließlich zum Formkörper-Design führte

Claus Luthe startete seine Karriere technisch gesehen als Designer von Bussen, war mit dieser vergleichsweise industriellen Arbeit jedoch nicht glücklich und wechselte zu kleineren Fahrzeugen.

Zunächst einmal sehr viel kleineren Fahrzeugen: Er durfte den NSU Prinz upgraden – ein ziemlicher Schritt – aber ein sehr klares industrielles Design für diese Zeit. Bei NSU folgte noch der Wankel Spider und dann schließlich der ganz ganz große Wurf: Der NSU RO 80, der unter unglaublich vielen Blickwinkeln als Meilenstein des automobilen Neuzeit-Designs gekten darf. Die Tiefe Front, der hochgezogene Kofferraum, die dem CW Wert untergeordnete Form, die dennoch elegant wirkt und einen ebenso sachlichen wie modernen Touch hatte. Der Audi Typ44 – ganz speziell auch der vorgelagerte Prototyp, zeigen ganz klare Anleihen bei der Form des Ro 80 – und der Audi Typ44 wirkte in seinem letzten Baujahr 1991 noch nicht veraltet – während Claus Luthes RO 80 bereits 1967 auf der Strasse zu finden war. Hammer.

Es folgte der K70, den Luthe noch für NSU designte – der aber praktisch am Vorabend seiner Präsentation zurückgezogen wurde und schließlich kurze Zeit später als Volkswagen K70 zur Welt kam.

Beinahe wäre der K70 ein NSUgeworden, wie dieses Bild zeigt. Retrospektiv war der Grad an Rettung, den er Volkswagen oder gar dem ganzen Konzern brachte, gigantisch - nicht nur designerisch

Beinahe wäre der K70 ein NSU geworden, wie dieses Bild zeigt. Retrospektiv war der Grad an Rettung, den er Volkswagen oder gar dem ganzen Konzern brachte, gigantisch – nicht nur designerisch. Mysteriös: Was macht eigentlich der Mann auf diesem Motiv?

In vielerlei Hinsicht fand sich Claus Luthes Linie in den folgenden Jahren an vielen Audis wieder – aber auch VW nahm diverse Teile der Linie mit zu Giorgetto Giugiaro Entwürfen – Der Passat, der Golf – sie tragen naturgemäß Züge des K70 aus Gründen der Produktionseffizienz.

Als Claus Luthe 1976 zu BMW wechselte, war er in dem Kreisen Automobilen Designs längst ein Star – und das war zu dieser Zeit noch eine Seltenheit in diesem Segment. Die Automobilindustrie brauchte diese neuen Designer, die auch etwas von industriellen Zusammenhängen verstanden und nicht nur kamen, um lustige Schleifchen an die Autos zu binden oder Heckflossen mit Chrom zu überschütten.

Linie, Linie, Linie

Linie, Linie, Linie: Der BMW E28 war signifikant schöner und ausgewogener als sein Vorgänger – und das mit wenigen handwerklichen Tricks

Claus Luthe war so einer, Uwe Bahnsen war so einer – Bruno Sacco ebenfalls. Sie prägten die nun folgenden sachlichen Automobile und ließen die Aerodynamik in Formen entstehen, die ästhetisch waren.

Star Luthe löste bei BMW keinen geringeren ab als Paul Braq, womit er sicherlich ein schweres Erbe antrat. Für BMW designte er emotionalere Fahrzeuge, rassigere, gemessen am K70 – was sicherlich in Teilen auch an seiner Zusammenarbeit mit dem Italiener Ercole Spada, der später wiederum kantige klare Linien für Alfa Romeo entwerfen sollte. Zusammen stellten sie als Dream-Team dem BMW E32 und den BMW E34 auf die Beine. Luthe zeichnete hier jedoch ebenso verantwortlich für den E28 und den ungemein großen Wurf des BMW E30, der sicherlich auch wegen seines ebenso klaren wie feinsilbigen Designs einer der erfolgreichsten BMW werden sollte.nsu_ro80_vani

Mit 57Jahren, auf der Höhe seines Schaffens, trat Claus Luthe schließlich durch eine familiäre Tragödie auch für die Leute in die Öffentlichkeit, denen automobiles Design grundlegend gleichgültig war: Im Streit tötete er seinen stark alkoholabhängigen Sohn.

Aufgrund verschiedener hier mildernder Umstände kam Luthe vollzugstechnisch zwar sozusagen mit einem blauen Auge davon – jedoch zerrte die Presse jede Menge Häßlichkeiten aus seinem Privatleben hervor und ließ am Ende einen gebrochenen Mann zurück. Der hatte zwar später noch mehrere Jahre lang einen Vertrag über designerische Beratungen mit BMW – ein Auto gestaltete er jedoch nie mehr.