Verschwörungstheorie der Youngtimer-Szene: Erinnerung an die Abwrack-Prämie

Eine populäre Verschwörungstheorie unserer Szene lautete: Die ganzen coolen Youngtimer wurden damals bei der Abwrackprämie gar nicht verschrottet – die haben sich Sammler für ein paar Euro gekrallt und die fein säuberlich weggestellt.

Gut – wie so viele Verschwörungstheorien klingt das natürlich erst einmal in großen Teilen absurd. Hey – wir reden von Deutschland (!) – da gab es doch bestimmt Formulare und so – ihr wisst schon: Verwaltungsakte, Stempel, Bunte Zettel mit kryptischen Nummern, all diese Dinge.

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so etwas schmeißt doch kein vernünftiger Mensch weg, oder?

Gab es doch, oder?

Hm… Wir haben immer mal wieder ein paar Gerüchte zu dem Thema gehört – also haben wir uns mal auf den Weg gemacht. Unser erster Weg führt uns zu einem Schrottplatz – hier sollte man sich ganz gut auskennen, oder? Wir kennen den Besitzer seit weit über 10 Jahren. Man setzt sich zusammen bei stilechtem löslichen Kaffee in einer Bude, die für diese Jahreszeit schon ungehörig kalt ist – in der Ecke steht ein historisch anmutender Heizkörper. „Muss ich noch bei,“ erklärt uns der Betreiber, „ist ja zum Glück noch nicht so kalt“ – klar, wer gewohnheitsmäßig Daunenwesten über Jeansjacken trägt….

Wir kommen ins Gespräch über dies und das, den Verfall der Youngtimer Szene als solches und die Abwrackprämie – lang lang ist’s her. Und natürlich die Frage, ob da damals auch Sachen gedreht wurden.

Bemerkenswert klare Antwort „Bei mir nicht“.

Opel Senator A

Achtziger-Charme erster Güte: Opel Senator A

Also – woanders schon…? „Puuhhh… da könnt ihr so dermaßen sicher sein… Ich meine: wir reden da vor allem von Autos älterer Herrschaften. Die kamen auch oft hier vorbeigefahren und wollten sich die Prämie holen – Leute jenseits der 70, denen ihr geleckter W124 einfach zu groß war. Glaubt ihr denn, der wäre irgendwo in die Presse gewandert? Jetzt mal ehrlich….“

„Na ja… Aber da gab es doch zig Verwaltungsakte und so Zeuchs, oder?“

„Ja, sicher, Papier…“ Ich weiß mindestens von einem, der einen Opel Senator allein 4 mal offiziell entsorgt hat, während die meisten von den vieren entweder hier noch fahren oder in der Schweiz“ Und da kann man uns auch durchaus Namen nennen – und nicht nur einzelne, sondern auch solche, von denen klar ist: Die haben damals Rosinenpicken gespielt. Da geht es um die Großen – W124. E34, Audi Typ44 – von denen gab es die guten Exemplare, gepflegt, sinnvoll zu erhalten – ob als Gesamtkunstwerk oder in Teilen. „Hier war damals auch hin und wieder mal der Zoll und hat geschaut, ob wir nicht plötzlich auffällig viele schöne Youngtimer rumstehen haben…“

nikon-shot_0770582Wir versuchen es bei insgesamt 5 Parteien, die natürlich nicht gerne über so etwas sprechen wollen, aber hier und da bekommst Du noch einen Hinweis und hier und da erzählt dir jemand was und dann hörst du was, was du noch nicht wusstest und dann erzählt dir einer die Geschichte von dem Mercedes-Friedhof, der es sogar auf Youtube geschafft hat.

Tatsächlich findet man Links auf den, aber das Video wurde gelöscht. Im Ruhrgebiet gibt es ein paar Hinweise, dass dieses „Lager“ in der Nähe von Herne gewesen sein soll. 2 Tage vor Ort und ein paar Tips weiter kommen wir schließlich auf den rechten Trichter und geben uns als Interessenten zu erkennen – da kommt ja doch noch der Journalisten-Urschlamm in einem durch. Das ist alles nicht ganz so, wie man sich das in US-Filmen der 70er vorstellte – keine Waffen, maximal Schäferhunde und Eckkneipen spielen hier eine Rolle.

Und schließlich finden wir 2, die uns ganz klar und unabhängig voneinander dieselbe Geschichte erzählen können. Nein, es sei kein Anglerlatein – dieses Lager habe es gegeben.

audischrottDas „Wo“ ist dabei auch identisch und über das „Wo“ finden wir zwei weitere Leute, keine Freaks, ganz ruhige Typen, die entsprechend ruhig nicken und sagen „Klar, das gab es – nicht nur Mercedes, auch Audis, die halten ewig – warum soll die einer wegwerfen? Die waren doch zum Teil richtig was wert. Da waren 126er dabei, die gingen 5stellig über den Tisch.“

Und was daraus geworden sei? Heute wäre das alles längst verkauft, da gäbe es nichts mehr. Wir haben so unsere Zweifel. Nur eine dieser Urban Legends unserer Szene?

Durch Zufall treffen wir einen älteren KFZ-Mechaniker in einem ganz anderen Kontext auf einem Oldtimer-treffen. Der will damals auch mal dort in dieser legendären Garage gearbeitet haben. Er hat die einzelnen Autos in Teile zerlegt – und die gingen dann vorwiegend nach Nordeuropa. Tatsächlich beschreibt er das „Lager“ sehr gut und eigentlich genau so, wie wir das schon kennen. Allerdings: Die Autos waren ausschließlich Volvos und Audis…s-klassig

Immer mehr Rückläufer kommen und immer sind die wirr und irgendwie glauben wir es nicht so recht, fehlen uns noch die richtig guten Beweise. Einen glauben wir dann schon: Unsere Polen-Connection sagt, dass zu Zeiten der Abwrackprämie in Deutschland und UK irre viele alte Mercedes Ersatzteile wieder zu bekommen waren – dasselbe gilt für Audi – bis hin zu kompletten Motoren. „Na und?“ fragt Zbigniew offen „War der Sinn nicht, die Deutsche Wirtschaft anzukurbeln und die ollen Karren von den Deutschen Strassen zu kriegen?“ und grinst. Ob er auch komplette Fahrzeuge gesehen hat? Er persönlich nicht – aber von dieser Werkstatt im Ruhrgebiet, hat Zbigniew sehr wohl gehört…




3 Gedanken zu „Verschwörungstheorie der Youngtimer-Szene: Erinnerung an die Abwrack-Prämie

  1. Hallo,

    Ich hab mein Auto selber zum Schrotthändler gefahren, dass mein B-Corsa verschrottet wurde, stimmt sicher, denn er wurde mit der Zange von meinem Hänger genommen.. also nur noch die Karrosserie, der Rest behielt ich…
    Was der Schrotthändler brauchte, er brauchte die Fahzeuggestellnummer, glaube die wurde rausgeschnitten und die Fahrzeugplakezten die viorne am Rahmen angenietet waren um das Auto als Abwrack zu klassieren…
    Intakte Autos hätte man schön sauber die Fahrgestellnummer rausschneiden können und den Rest brauch ich huer ja nicht zu schreiben
    LG

  2. Wieder ein Beweis dafür, dass die Politik nicht an den Bürger interessiert ist, sondern nur noch an ihren schönen Konzernen, die wiederum alles mögliche tun um die Regierung zu verarschen und steuern wo anders zu bezahlen oder gar komplette Werke nach China, Indien und co. verschieben.
    Ich bin 20 Jahre alt und studiere Elektrotechnik, trotzdem kann ich mit den ganzen neumodischen Schrottkarren nix anfangen. Mir tut es im herzen weh wenn ich an die Abwrackprämie denke. All die schönen Autos, die noch gebaut wurden um lange zu funktionieren und nicht um möglichst nach 2-5 Jahren kaputt zu gehen.

    Es lebe die youngtimer.

    Vielen Dank für diesen Blog

    Liebe Grüße
    Alex

  3. Wieder ein Beweis dafür, dass die Politik nicht an den Bürger interessiert ist, sondern nur noch an ihren schönen Konzernen, die wiederum alles mögliche tun um die Regierung zu verarschen und steuern wo anders zu bezahlen oder gar komplette Werke nach China, Indien und co. verschieben.
    Ich bin 20 Jahre alt und studiere Elektrotechnik, trotzdem kann ich mit den ganzen neumodischen Schrottkarren nix anfangen. Mir tut es im herzen weh wenn ich an die Abwrackprämie denke. All die schönen Autos, die noch gebaut wurden um lange zu funktionieren und nicht um möglichst nach 2-5 Jahren kaputt zu gehen.

    Es leben die youngtimer.

    Vielen Dank für diesen Blog

    Liebe Grüße
    Alex

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