Barockhintern und andere Narreteien des US-Managements – Irrwege der 90er Jahre

Was war nur los bei Ford, als sie das Design des Facelift-Scorpio intern präsentierten, hm?

Wie hat man sich das vorzustellen – ist da niemand aufgesprungen und hat gerufen „Der sieht doch zum Kotzen aus!“

Das ausgewogene und absolut wegweisende Design des erste Scorpio machte sich am Markt nicht bezahlt. Vielleicht Bahnsens meist unterschätztes Werk.

Das ausgewogene und absolut wegweisende Design des erste Scorpio machte sich am Markt nicht bezahlt. Vielleicht Bahnsens meist unterschätztes Werk. Aber war das ein Grund, den Wagen hässlicher zu machen, so, dass er einem Ami gefallen kann, der ihn nicht einmal kaufen könnte….?

Gab es da nicht Händler, die den Design-Chef zu Seite nahmen und sagten „Du – nimm Deine Drogen woanders – die Kiste verkaufen wir nicht, basta.“

Ein uns sehr gut bekannter Mitarbeiter der Kölner Fordwerke, der von 1983 bis 2001 dort tätig war, erzählte uns mal „Klar gab es die Leute – wir waren doch nicht komplett hirnamputiert auf einmal – aber es war auch die Zeit der US-Herrschaft. Wenn Du da dagegen warst, konntest Du das sagen und es wurde auch gehört – es war nur einfach maximal irrelevant und hat Ford voll in die Grütze geritten….“

Der Ford Scorpio hatte es in vielerlei Hinsicht nicht leicht gehabt, obwohl er durchaus erfolgreich war. Zunächst sollte er eigentlich unter dem Namen Ford Lugano erscheinen – damals durchaus noch die übliche Diktion bei Ford. Dann jedoch setzte sich das internationale Marketing durch, dass nach Sierra einen einheitlichen Namen wollte, der nicht mehr nach Capri oder Taunus klang. „Scorpio“ wurde von einer italienischen Branding Agentur entwickelt und getestet. Soweit, so gut. Dass auf Stufenhecklimousine und – ebenso idiotisch wie Opel beim Ascona – auf den Kombi verzichtet wurde, war unverzeihlich und wurde nur umso unverzeihlicher, als solche Karosserie-Versionen nun plötzlich auch bei Mercedes und BMW aufgetaucht waren.

Nightmare-Rider - das ging mal gründlich schief - entsprach aber Mitte der 90er Jahre durchaus dem Geschmack des US-Publikums, das für den Europäischen Markt maxinmal irrelevant war

Nightmare-Rider – das ging mal gründlich schief – entsprach aber Mitte der 90er Jahre durchaus dem Geschmack des US-Publikums, das für den Europäischen Markt maxinmal irrelevant war

Erst 1992, als man den Scorpio eigentlich hätte durch den Scorpio II ersetzen müssen , kam ein Facelift und mit dem Facelift die Limousine und der lang ersehnte Kombi – nur Monate, bevor der Omega B erschien, die signifikant modernisierte Version des wichtigsten Mitbewerbers…. Eigentlich also nur ein verzögerter Todesstoß?

Wie verfehlt die Modellpolitik des Scorpio zu diesem Zeitpunkt war, zeigt die Tatsache, dass beim desaströsen Fettarsch Facelift nur 2 Jahre später die Schrägheckversion eingestellt wurde.

Das hatte 2 Gründe. Grund 1 war nachvollziehbar: Die Version verkaufte sich nicht mehr. Grund 2 war idiotisch: Das US-Management hatte entschieden, dass Fahrzeuge oberhalb der Mondeo-Plattform zentral unter US-Maganement gestellt wurden – und da ging Schrägheck gar nicht – maximal bei Saab – und da nur ungern. Den amerikanischen Managern, die für 2 Jahre rüber kamen, um Karriere zu machen, erschloss sich das Konzept einfach nicht – sehr wohl jedoch das Design eines amerikanischen rundgelutschten Hinterns, wie es in Detroit gerade angesagt war.

Deutschen Käufern entlockte das nicht mal ein Lächeln, sondern eher eine Schockstarre. Und damit erlebte der Ford Scorpio nicht nur seinen Untergang, sondern auch eine US-Amerikanische Unsitte am eigenen Leib, die viele Fahrzeuge zunichte machen sollte.

Das spätere letzte Facelift des Opel Omega B war sicherlich auch keine Glanzleistung – wie auch das gesamte Management des letzten Fahrzeuges der gehobenen Mittelklasse bei Opel zurecht Bücher und Doktorarbeiten füttert…. Der Import des GM-Vans, der als „Opel Sintra“ herhalten musste, gilt als vollständig verfehlt. GM zeigte sich vor 20 Jahren nicht nur als der größte, sondern sicherlich auch als der dümmste Konzern von allen.

Sicher auch nicht jedermanns Sache - aber doch deutlich Europa-kompatibler als der Scorpio

Sicher auch nicht jedermanns Sache – aber doch deutlich Europa-kompatibler als der Scorpio

Die Hybris des damals noch größten Auto-Konzerns erreichte hier sicherlich den größten Level an Alltagsferne in seiner Mischung aus Ignoranz und Unkenntnis des Europäischen Marktes. Während Ford sich die Idiotie leistete, zu prüfen, ob nicht ernsthaft der Ford Taurus den Scorpio ablösen können – und später nach dem Totalversagen des Barockhecks gar der D3 Ford 500, ruinierte GM schier systematisch alles, was andere für sie aufgebaut hatten: Opel in großen Zügen, Subaru und Suzuki zu einem hohen Grad und als unfassbares Gesellenstück schließlich Saab, als sie überall ungefragt darauf hinwiesen, dass der Saab 9-3II eigentlich ein Opel Vectra sei. Einerseits stimmte das technisch nur eingeschränkt, andererseits war das so klug, als hätte Versace behauptet, seine Klamotten basieren auf H&M Resten….

Schlimmer konnte man Saab-Fahrer wohl kaum beleidigen – und auch die Subaru Fahrer finden mit dem umgebauten Chevy SUV nichts an, ebensowenig mit dem Impreza in Saab-Gestalt.

Der Saab 9-7x - so schwedisch wie KFC

Der Saab 9-7x – so schwedisch wie KFC

In Folge dererlei Narreteien sah sich die Deutsche Automobilindustrie plötzlich einer Premium-Übermacht in der gehobenen Mittelklasse ausgesetzt, unnötig erzeugt durch dilettantisches Produktmanagement US-amerikanischer Konzerne, die hier und da mal einen jungen Famulus platzieren wollten, der sich in Europa die Sporen verdienen sollte. Um die Scherben aufzukehren, schickten sie dann schließlich in den darauf folgenden Jahren US-Controller – und der Rest ist Geschichte: Opel fast vor die Hunde, Saab den Bach runter, Subaru noch rechtzeitig geflohen, GM Europa als Idiotien-Experiment mit Rekordgehältern für US-Amerikaner in der Schweiz, dem teuersten Land Europas, mit einer Konzernzentrale in der teuersten Stadt des teuersten Landes Europas….

Kurz durchatmen.

…..WELCHER VERDAMMTE VOLLIDIOT……??????

Am Ende muss man wohl festhalten, dass die idiotische Idee, junge US-Manager in Europa auszubilden Ford und Opel wohl die Existenzberechtigung in der gehobenen Mittelklasse geraubt hat.

Nächstes Jahr könnte der Opel Omega E auf dem Markt erscheinen, der Scorpio V käme gerade in die Jahre und es gäbe Alternativen in der gehobenen Mittelklasse – vermutet Qualitätsmängel eines Omega A von 1986 wären ebenso vergessen wie der Bonanza-Effekt des W124 und der Rost des W210 – Die automobile Welt wäre eine andere, Opel eine respektiertere Marke, die vermutlich den Omega E mit cooler moderner Hightech versehen würde – der Kombi hätte um die 2000 Liter Laderaum und wäre 6000€ billiger als die E-Klasse. Und Mannesmann würde keine Premium-Autos bauen müssen… 😉

 




5 Gedanken zu „Barockhintern und andere Narreteien des US-Managements – Irrwege der 90er Jahre

  1. Schlimmer als den Hintern des Scorpio fand ich die Scheinwerfer. Die waren wirklich häßlich, das Heck nur ungewöhnlich.

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