Der 8er BMW – Goldstandard der Premium-Coupés der 90er?

Jeder, der den 8er BMW fährt, läuft Gefahr, seiner ganz speziellen Magie zu verfallen – erhebliche Gefahr. Das ist ein wenig so, wie beim Mercedes W140. Vielleicht findest Du ihn anfangs bisserl groß und fragst dich, wie du wohl aus der Tiefgarage kommen sollst mit so einem Gerät, das gefühlt so breit wie eine Boeing sein muss… Aber, wenn Du ihn erst mal fährst, ändert sich dieses Gefühl erheblich.

Der legendäre Claus Luthe verlieh dem 8er BMW, intern BMW E31, seine ungewöhnliche Form, die nicht unabsichtlich an den legendären BMW M1 erinnerte, der quasi von der ersten Prototypensichtung an bereits im Sammlerwert stieg.

Bmw 850i e31

angemessen

Das schaffte der 8er BMW nicht – leider schaffte er auch sonst so einiges nicht, obwohl er aus damaliger wie aus heutiger Sicht sicherlich ein Meilenstein der ganz besonderen Art ist. Der 8er BMW – ganz gleich, welche der wenigen Motorisierungen er unter der Haube hat – ist einer dieser ganz wenigen Wagen, die den Begriff „GT“ wirklich verdienen, bis ins Mark. Der 8er BMW ist unzweifelhaft einer der besten Wagen für die beschleunigte Langstrecke. Wer Kilometer fressen will und dabei gerne mal stark jenseits der 200 KM/H operieren möchte: This is your car.

Der 8er ist auf eine sehr entspannte Weise schnell – die Kraft, die gelassen macht. Seine natürliche Schwere lässt ihn dabei jederzeit wirken, als sei er Herr der Lage, als müsstest Du dich nicht wirklich drum kümmern. Traktion und Lage sind herausragend, die Sitzposition die eines Tiefighters – du sitzt genau da, wo du den Wagen im Hintern spüren kannst – und dann mal nicht vergessen: ein BMW reinsten Wassers, der den Erwartungen hier vollkommen gerecht wird und eines der saubersten Fahrwerke seiner zeit bietet.

Liebevolle Innenausstattung, coole Kommando-Zentrale

Liebevolle Innenausstattung, coole Kommando-Zentrale

All das jedoch konnte dem 8er BMW nicht zum rechten Erfolg verhelfen – auch das hat er mit dem Mercedes W140 gemein. Wie auch dieser hatte der 8er BMW einen deutlich filigraneren Vorgänger gehabt, der eine etablierte Fangemeinde hatte – die ihm teils durchgängig die Treue hält. Die Art reichen Leute, die den Wagen einfach alle zwei Jahre zum BMW Fachmann zum Überarbeiten bringen und ihn ansonsten wie einen Neuwagen nutzen – findet man häufiger im 911er Lager – aber der 6er BMW hat den Status öfter als man meinen würde – auch und vor allem in den USA, wo er Kultstatus hat. Und genau für diesen Markt hatte BMW eigentlich den 8er Konzipiert – der sollte den Markt der Luxus Coupés aufrollen.

Im Gegensatz zu seinem legendären Vorgänger jedoch, von dem BMW in satten 14 Jahren Bauzeit mit einem sehr liebevollen großen Facelift knapp 90.000 Einheiten absetzen konnte, brachte es der 8er BMW nicht einmal auf 30.000 Stück in auch immerhin 10 Jahren Bauzeit… Das war nun wahrlich nicht das, was BMW bei der aufwändigen Entwicklung des großen Coupés im Sinn gehabt hatte….face850

Wo lag das Problem? Tatsächlich gilt auch hier: Mercedes und BMW machten die gleichen Fehler: Der 8er BMW wurde durch seine etwas fettleibige Form als deutlich dekadenter und vor allem protziger wahrgenommen als sein eleganter Vorgänger. Viele potentielle Kunden wollten sich den nicht auf die Auffahrt stellen. Wer mit dem auf dem Firmenhof erschien, signalisierte nicht gerade ein feines Gespür für wirtschaftlich stürmische Zeiten…

Hinzu kam: Das Modellprogramm startete mit einer 4 Liter großen Motorisierung, die er mit satten 1,8 Tonnen Leergewicht auch brauchte, um sportlich daher zu kommen. Der Vorgänger hatte schlanke 1400 Kilo gewogen und war auch mit der kleinsten 2,8 Liter Maschine flott unterwegs gewesen – so flott, dass man bei BMW in Zeiten der gefühlten Energieknappheit gar die Einführung eines 625i diskutiert hatte. Der jedoch hätte die moralisch wichtige 200KM/H Grenze knapp unterschritten und wurde daher verworfen.

850-1Der 2,8 Liter Motor war ein Thema: Lange Zeit galt diese Größe als die moralische Obergrenze des Bürgerlichen. Da endete der W123, da hörte lange Zeit der „normale“ 5er als 528i auf – auch Wagen wie den Opel Senator gab es noch mit 2,8 Litern – bei Vorgänger war das schon die kleine Motorisierung gewesen, eine Art gelernter Deutscher Standard. Über 3 Liter hätte man diskutieren können – 4 Liter gingen gar nicht… Und wirklich problematisch: Diese Motorisierung war zu Beginn der Bauzeit gar nicht verfügbar.

Effektiv war der eigentliche Planungsfehler somit, im Grunde keinen Nachfolger des 6er BMWs geschaffen zu haben, sondern vielmehr einen Super GT, den man vorher nicht im Programm gehabt hatte.

Die geringen Umsatzzahlen schmerzten – selbst in den USA, wo der Hebel in einem Land mit mehr als 250 Millionen Einwohnern groß gewesen wäre, verschmähte man den Wagen – Schwere große Sportcoupés bekam man notfalls auch aus heimischer Produktion – und das locker zum halben Preis…. Hinzu kamen in der Zeit spannende Alternativen aus Japan. Die Acuras etwa galten in den USA als sexy – sowohl der NSX als auch das bei uns als Honda Legend verkaufte Coupé waren an der Zielgruppe des BMW 6er oder auch des C126 ganz entschieden näher dran – preislich allemal und auch im Bereich von Motorisierungen und gefühlter wahrgenommener Sportlichkeit.8er-sync

So fristete der 8er BMW ein wenig erfreuliches Dasein – und wie so oft hilft ihm das heute. Tatsächlich ist der BMW 8er einer der Wagen, dessen zugelassenen Bestände steigen, was ja eigentlich normalerweise höchst unwahrscheinlich ist, wenn ein Wagen seit über 15 Jahren nicht mehr verkauft wird. Da werden eingemottete Wagen wieder zugelassen – aber noch weitaus mehr werden gut erhaltene Exemplare aus Italien importiert, zu linear steigenden Preisen innerhalb der letzten 3 Jahre. Hier nämlich kommt jetzt die Generation zum Zuge, die sich als Teenager die Nasen am BMW E31 plattgedrückt haben: Wir. 🙂




11 Gedanken zu „Der 8er BMW – Goldstandard der Premium-Coupés der 90er?

  1. Warum hat nicht jemand den Artikel geschrieben, der Ahnung von dem Auto hat? Der erste 8er kam mit 5.0 Liter V12 als 850i, dann der 850CSI mit 5.6l V12. Erst dann wurde 1994 der 840i mit 4.0l V8 nachgeschoben. In der Hoffnung, damit die in der Tat enttäuschenden Verkaufzahlen etwas zu pushen.

    1. Hm…. Da stellen sich uns die Fragen:
      a) Warum gleich pampig werden?
      b) Wo ist das Problem – genau so steht es da doch….

      1. Und vielleicht c) Warum solche unnötig pampigen Kommentare überhaupt veröffentlichen, wenn d) da ja offensichtlich Werbung für seinen 8er Shop machen will, von dem man dann doch wohl c) entsprechende Umgangsformen erwarten kann….

        1. Sorry, habe vielleicht etwas überreagiert. Es werden leider unglaublich viele Unwahrheiten über dieses schöne Auto in die Welt gesetzt.
          Im Blog steht „Hinzu kam: Das Modellprogramm startete mit einer 4 Liter großen Motorisierung,“ und das ist schlicht falsch.
          Mit Werbung für meinen Shop / mein Business hat es überhaupt nichts zu tun. Das machen nämlich zum Glück meine Kunden 😉

          1. ….nee- das ist nicht falsch – den Absatz muss man wahrscheinlich einerseits zuende lesen – hinzu kommt, dass das Starten an der Stelle nicht zeitlich gemeint ist. Das Modell*programm* startete tatsächlich bei 4 Litern 🙂

    2. — und genau so hab ich das auch verstanden: 4 Liter als kleinste Motorisierung – als start ins „Genre“ 8er …

  2. Kannst ja meinen Kommentar löschen und den Blog korrigieren. Ich bin auch gerne bereit, auf Wunsch korrekte Zahlen und eventuelle Zusatzinfos zu liefern.

  3. @ youngtimerblog:
    Ich habe diese Textstelle genau wie Wolf G. verstanden und als unzutreffend empfunden. Wie soll man erkennen, „dass das Starten an der Stelle nicht zeitlich gemeint ist“ ?
    Formulierungsvorschlag: „Das Motorenprogramm reichte von 4,0 bis 5,6 Liter.“
    Ansonsten bringt der Artikel viel Sympathie für den E31 herüber, und ich gehe jetzt zum örtlichen Pfarrer, um mir erklären zu lassen, was das Moralische an der 200 km/h-Grenze ist.
    Grüßle: B12-Armin

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