Youngtimer im Fokus: Renault Fuego

Renault und die Coupes…. das war keine so recht glückliche Paarung in den 80er Jahren – dabei hätte es den Markt durchaus gegeben – die Sportler von der Stange waren ja überall präsent und erfolgreich: Scirocco, Manta, Prelude, Capri…. Was für Zeiten!

Allerdings auch Zeiten, die Renault bei der Entwicklung und Planung des Renault Fuego massiv überschätzt hatte. 80.000 Stück im Jahr hatte der französische Hersteller geplant – und das ging durchaus schief… in 6 Jahren stellte Renault rund die Hälfte der geplanten Fahrzeuge her – und stellte den Wagen für den Europäischen Markt nicht nur ein, sondern erst mal ersatzlos ein. Punkt, Aus, kein Coupé mehr.

Wie konnte das passieren?

die schwarzen Einlagen gaben dem Wagen etwas sehr individuelles - leider alterten sie überproportional schnell

die schwarzen Einlagen gaben dem Wagen etwas sehr individuelles – leider alterten sie überproportional schnell

Eigentlich hatte der Renault Fuego sicherlich gute Anlagen – der Wagen war in seiner Form und vor allem Formensprache schon mal seiner Zeit ganz entschieden voraus – was leider nicht immer ein Vorteil ist, wie NSU schon beim Ro80 schmerzlich erfahren musste oder Ford beim Sierra.

renault-fuego-innen-dashUnd hier muss man sich mental vor allem mal kurz in eine andere Zeit versetzen: Renault war einer der erfolgreichsten Autohersteller Europas, der Renault 30 konnte zur Oberklasse gezählt werden und die „Premium-Autos“ waren in der Art noch nicht als Dreigestirn auf dem Vormarsch. So ein Renault Fuego stellte durchaus etwas dar. Tatsächlich verglichen Zeitschriften im Ausland den Wagen oft eher mit dem Porsche 924 als mit den Sciroccos dieser Erde – speziell der Turbo mit seinen 132PS – auch das muss man sich kurz vergegenwärtigen – lag auf dem Leistungsniveau des kleinen Porsche, auch wenn 132PS heute niemanden mehr so recht beeindrucken wollen – der Scirocco hatte damals 112 als Obergrenze, der Manta 110 – nur der Ford Capri traute sich weit darüber hinaus.

galt damals als cool

galt damals als cool

Die Form des Renault Fuego schloss dort an, wo Renault kurz zuvor mit den Modellen R15 und R17 eine ziemlich erfolgreiche Duftmarke gesetzt hatte. Diese legendären knackigen und vor allem erschwinglichen Coupés auf Basis des als unzerstörbar geltenden Renault R12, waren kernig und klein gewesen und konnten was auf der Strasse. Die Dinger waren wendig, knackig und eben auch bezahlbar – und hatten sich auf den gewundenen Strassen Südeuropas einen Namen gemacht. Der Fuego trat an, um das noch breiteren Märkten zugänglich zu machen.

Dass Renault gleichzeitig versuchte, Produktionskosten zu sparen und Teile des Wagens in Spanien und Argentinien fertigte, erwies sich als Schnapsidee. Viele Modelle wiesen unglaubliche Fertigungstoleranzen auf. Nach einem ersten Hype des fraglos cool aussehenden keilförmigen Coupés gingen die Verkaufszahlen daher nach der offiziellen Markteinführung im Jahr 1980 bereits 1981 zurück, 1982 nochmals und 1983 erheblich. Als Renault den Wagen nach nur knapp 6 Jahren Bauzeit einstellte, mochte den Wagen in Europa kaum noch jemand haben, selbst in Frankreich waren die Absatzzahlen praktisch zum Erliegen gekommen.

Renault Fuego schwarz

bei dunklen Farben wollte der Design-Effekt der Intarsien nicht recht entstehen – die meisten orderten daher Rot, weiss und silber

Nach etwas über 260.000 Einheiten in 6 Jahren wurde der Wagen vom Markt genommen, in Deutschland hatten sich rund 10% davon verkauft – Opel verkaufte vom Manta gut doppelt so viel, VW vom Scirocco in Spitzenzeiten rund das Dreifache. Heute verzeichnet das KBA kaum noch 100 angemeldete Renault Fuego, was eine traurige Bilanz ist. Aber in der Tat war der Fuego ein sehr berechtigter Sargnagel für das Renault Image im Bereich Qualität. Der R18 schwächelte hier auch, aber der Fuego war wirklich schwer zu ertragen. Darüber hinaus neigte der Wagen mit seinen für damaligen Verhältnissen zahlreichen elektrischen Helferlein hier und da zu Schwelbränden, die kostspielig behoben werden mussten – das machte selbst in Zeiten vor der Autobild schnell die Runde – der Fuego wurde zum Kassengift. Sein coolstes Feature, die Fernbedienung für die Türen, die damals als Science Fiction galt, neigte ebenfalls zu hemmungslosen Funktionsstörungen jeder Art. Die schrulligste davon: Die Türen öffneten zuweilen von selbst…

Die letzten Modelljahre aus Argentinien sind kaum wiederzuerkennen

Die letzten Modelljahre aus Argentinien sind kaum wieder zuerkennen

Qualitativ zeigten sich außerdem die schwarzen Elemente der Seitenlinie, die einen Großteil der coolen Linie des Wagens ausmachten, als nicht besonders haltbar. Das machte den Wagen oft nach kurzer Haltedauer optisch älter als er wirklich war. Renault Händler schafften Abhilfe… Aus gutem Grund wurde dieser an sich interessante Design-Gag später, als der Fuego noch mehrere Jahre in Argentinien weiter produziert wurde, abgeschafft – vermutlich eine gute Idee. Auch die Getriebe neigten zu problematischem Verhalten – ebenso waren die Turbo-Motoren nicht Vollgasfest, die Nockenwellen der größeren Maschinen ebenso wenig. Die ganz kleinen Maschinen galten als enorm haltbar, wurden jedoch in Deutschland gar nicht erst angeboten, weil sie mit etwas über 60PS kaum in die angepeilte Zielgruppe gepasst hätten.

In Europa passierte schnell, was in solchen Fällen immer passiert: Die Gebrauchtwagenpreise fallen, fragwürdige Halter kaufen die billigen Sportwagen und behandeln sie wie billige Sportwagen…fuego-front

Das war umso tragischer, als der Renault Fuego in Tests oftmals überdurchschnittlich gut abschnitt. Sein komfortabel ausgelegtes Fahrwerk schaffte den Spagat,  sportliches Fahrverhalten zu erlauben, die nötige Härte zu haben, ohne hart zu sein. Die Lenkung des Fuego schien unglaublich präzise zu sein, der Wagen ließ sich wirklich traumhaft präzise um Kurven zirkeln und wies einen enorm hohen Grenzbereich auf, oberhalb dessen er jedoch auch ein sehr spontanes Ende des Grenzbereiches zeigte, mit dem nur routinierte Fahrer sauber umgehen konnten. Dennoch: Mit dem konnte man auf der Landstrasse mal einen 280C stehen lassen, wenn man es drauf anlegte.

Hatte man das hinter sich, war man im Fuego traditionell schweißgebadet – nicht aufgrund von Angst, sondern aufgrund der Tatsache, dass die Fensterflächen zwar eine unglaublich gute Rundumsicht erlaubten, im Gegenzug dafür aber den Preis der Erhitzung des Innenraumes einforderten. Heute, wo C Säulen Häuser tragen könnten, fühlt man sich im filigran gestalteten Fuego wie in einem Aquarium – die Rundumsicht ist ein Traum, trotz der flach verlaufenden A-Säule.

Renault Fuego Cabrio

wäre ohne den erheblichen Rucksack im Serientrimm sicher eine Augenweide gewesen

Wie bei so vielen ungewöhnlichen Autos war es wieder einmal die Auto Motor Sport, die von vornherein am Renault Fuego kein gutes Haar lassen wollte. So macht die ams stets einen Punkt daraus, dass der von Renault „behauptete“ CW Wert von 0,34 bei Messungen nicht erreicht wurde. Aus akademischer Sicht mag das ein Problem sein – dem reellen Nutzen des Wagens tat das keinen Abbruch. Aber auch so funktionieren die Mechanismen von Germany first in dieser Branche…

Dass der Wagen wohl der erste dieser Klasse mit einem Turbodiesel war, erfuhr man in Deutschland nicht – in Italien und Frankreich, wo der Diesel längst eine ganz andere Rolle hatte, gab es dem Fuego durchaus noch einmal Pfeffer. Was die Fangemeinde über all die Jahre übel nahm, war die Tatsache, dass Renault nie ein Cabrio auflegte, obwohl die Form des Wagens dafür unzweifelhaft wie geschaffen war. Es gab Umbauten – für stattliche 12.000 Mark. Aber am Ende des Tages hätten auch die zusätzlichen Verkaufszahlen des Cabrios den Renault Fuego nicht retten können – etwas legendärer hätten sie ihn gemacht.



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