Youngtimer im Fokus: Mazda 626 GC

Der Mazda 626 GC erschien 1982 als erster 626er mit Frontantrieb. Sein heckgetriebener unauffälliger Vorgänger hatte sich in Deutschland als Limousine und Coupé anständig verkauft, wenn auch nicht gerade spektakulär – aber zu Beginn der 80er Jahre war die Zeit für den Erfolg der Japaner gekommen. Die heutigen Japanischen Youngtimer zeichneten sich durch die Bank aus durch gute Ausstattung, ungemein vernünftige Preise, Bodenständigkeit, brutale Verlässlichkeit – und Unauffälligkeit.

Schlichter als schlichtm vielleicht auch ausgewogen zu nennen: Mazda 626 GC

Schlichter als schlicht vielleicht auch ausgewogen zu nennen: Mazda 626 GC

Kaum ein anderes Auto vertrat das so wie der Mazda 626 GC. Wenn dich jemand beauftragen würde, ein unauffälliges Auto zu entwerfen, würde vermutlich trotzdem etwas Spektakuläreres herauskommen. Aber so war Mazda in dieser Zeit – und damit fuhren sie gut. Der Mazda 626 heimste trotz seiner unauffälligen Art Preise ein, noch und nöcher. Er war der typische Vertreter der inneren Werte: Velourpolster, elektrische Fensterheber – die Luxury Goodies der frühen 80er Jahre.

Dazu kam ein nun relativ narrensicheres Fahrverhalten – hier war der Vorgänger noch etwas schwächer gewesen. Man gewinnt Herzen oftmals eben dauerhafter mit den inneren Werten und den kleinen Dingen des Alltags – und so war es auch hier: Der Mazda 626 überzeugte langfristig und unauffällig. Irgendwann hatte der 100.000 Kilometer drauf und du konntest Dich nicht erinnern, wo die zeit geblieben war – der Mazda wirkte immer noch wie neu.

Die Russland-Connrction

Die Russland-Connection

Vielleicht gelang es Mazda auch deshalb, ein Zweites Leben für den 626GC zu erwirken: Kia kaufte die komplette Fertigung, nachdem Mazda den 626 durch seinen Nachfolger 626GD ersetzt hatte, komplett auf und produzierte den Wagen weiter – und das immerhin noch bis 1996 – da war der Wagen schon 14 Jahre alt – Respekt.

In Deutschland brachte es der 626 zum beliebtesten Japanischen Auto und verkaufte sich tatsächlich besser als der 323, der in seiner Größe etwa dem Golf entsprach – ein ungewöhnlicher Erfolg – und einer, der sich in Zahlen ausdrückte: über 1,2 Millionen konnte Mazda von diesem Modell absetzen – und das in etwas mehr als 60 Monaten. Zahlen, die Mazda später so nie mehr erreichen sollte – der Toyota Carina II übernahm hier kurze Zeit später das Erfolgsruder.

Innen herrscht die Sachlichkeit der Japaner aus den 80er Jahren. Unschlagbar übersichtlich, narrensicher und aufgeräumt

Innen herrscht die Sachlichkeit der Japaner aus den 80er Jahren. Unschlagbar übersichtlich, narrensicher und aufgeräumt

Interessant daran auch: Mazda schaffte die erfolge in Deutschland, obwohl es den Mazda 626GC nicht als Kombi gab – in einer Zeit, in der sich der Passat Kombi gerade zum „Quasi-Standard“ dieser Klasse in Deutschland aufschwang. Dafür gab es 3 Karosserievarianten: Die Limousine, das Fließheck und das Coupé – wobei letzteres exakt so sportlich aussah, wie es war: Es fuhr sich faktisch so wie die Limousine und das Fließheck…

Die Fließheckvariante des Mazda 626GC schluckte eine Menge Ladung weg und kam einem Kombi bereits erfreulich nahe, sprach aber eben alles in allem eine etwas konservativere Zielgruppe an, als ein Kombi getan hätte. Dennoch: Mit dem Nachfolger legte Mazda den Kombi nach – die richtige Entscheidung für den Deutschen Markt.

Ausreichend groß und gut gepolstert - der Mazda 626 war langstreckentauglich. Obwohl seine Motoren etwas brummig sind

Ausreichend groß und gut gepolstert – der Mazda 626 war langstreckentauglich. Obwohl seine Motoren etwas brummig sind

Da müsste man doch eigentlich meinen, dass von diesem Wagen in Deutschland noch ein paar schöne Youngtimer Exemplare erhalten sein sollten…?
Hm… Dem ist leider nicht so. Der Mazda 626 ist den Weg gegangen, den wohl die Japanische Mittelklasse komplett in dieser Zeit gegangen ist. Der 626 Kombi wurde in den 90ern als Umzugswagen in linken WGs durchgerockt – er war einfach zu billig und zu gut. Er brachte es darüber hinaus zu einem echten Kultauto in den Ostblockstaaten – lange Zeit gab es einen Fanclub in Riga. Nach Russland verschwanden viele Exemplare, die im heutigen Dashcam-Russland ein hartes Leben führen müssen, das aber scheinbar verkraften, wie wir kürzlich erstaunt feststellen konnten.

Wer wirklich einen haben möchte, hat auch in den skandinavischen Ländern noch ganz gute Chancen – und findet dort sogar noch signifikant gepflegtere Exemplare als in Rußland…

Mazda 626 GC Coupe

Das einzig wirklich coupegafte am Mazda 626 GC ist der Mangel an Türen…

Die wenigen vorhandenen guten Exemplare in Deutschland erzielen teilweise schon wieder stramme Preise – kürzlich wechselte ein Coupé auf ebay für über 8000€ den Besitzer – mit etwas über 20.000 Kilometern auf der Uhr, somit sicherlich auch eine Seltenheit – aber 5000€ werden schnell aufgerufen. Und mechanisch betrachtet, sind die Wagen es ohnehin wert.

Auffällig ist der Wagen immer noch nicht – auch nach über 30 Jahren auf dem Markt nicht. Zu einfach, zu schnörkellos die Form. Der Innenraum wirkt heute angenehm schrullig mit seinen Materialien und der lustigen Betätigung von Heizung, Lüftung und Gadgets. Die Velours-Sitzer erweisen sich über die Jahre als erstaunlich haltbar, die Bezugsstoffe des Armaturenbretts sind für Sonneneinstrahlung nur begrenzt geeignet – die lustigen Farben bleichen oft aus und hin und wieder treten Risse auf. Die Idee, die Farben von Seitenteilen und Armaturenbrettern den Sitzen anzupassen, ist später aus guten Gründen ausgestorben.

Der beste Motor, den man im Mazda 626 fahren kann, ist der 2 Lieter mit seinen 101PS, der 1.6er ist etwas schwach auf der Brust, der Diesel ist Mist – aber eine wirkliche Auswahl besteht auf dem Markt ohnehin nicht mehr – somit ist diese Frage heute beinahe gegenstandslos.

Dass der Wagen tatsächlich bei Hipstern in Berlin gesichtet wird, spricht kurzfristig für Wertsteigerung – die wird sich vermutlich aber auch langfristig realisieren. Der 626 repräsentiert einfach ein Stück der normalen, heilen Welt der 80er Jahre.



6 Gedanken zu „Youngtimer im Fokus: Mazda 626 GC

  1. Ich habe einen der letzten Guten erwischt. Ich kann aber nur jedem, der sich einen alten Japaner kaufen möchte raten einen gleichen nochmals als Teileträger zu erwerben.

    1. Hallo, ich fahre einen 85er 626 Diesel (eigentlich zwei davon). Ja, den „Mist“ aus dem Text oben ;-). Der ist zwar kein Ausbund an Fahrdynamik, aber mit das zuverlässigste was jemals auf unsren Straßen unterwegs war.
      Kommt immer an, egal ob bei -20 Grad oder +40 Grad.
      Der RF Motor hat viele interessante Details die genau das ermöglichen: Haupt- und Nebenstromölfilter, einen riesigen Kraftstoffilter mit Abscheider, vollgekapseltem Zahnriemen, usw.
      In Russland und Afrika laufen die GC noch 50 Jahre, deshalb sind sie auch hierzulande kaum noch anzutreffen.
      Meine machen einfach Spaß, entschleunigen wunderbar, und bleiben deshalb in der Familie. 🙂

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