Stammtischsieger #SechszehnVau – weisste noch?

Wenn Du nach Dingen suchst, die Autos heute serienmäßig haben und damals nicht, dann fallen Dir die Ventile garantiert nicht ein. Heute weiss das schlicht niemand mehr und es steht seit ewigen Zeiten auch auf keiner Heckklappe mehr und am Stammtisch kannst Du auch nicht mehr damit protzen.

Das ist ein wenig wie jüngst beim Diesel. Der hieß früher einfach „D“, dann kamen TD, TDI, TDS, CDI, TDCI, QWERTZ – und dann war BMW so gnädig und nannte sie einfach wieder 530D und machte dem Wettrüsten ein Ende – vermutlich in der Angst, sonst breitere Heckklappen bauen zu müssen.

Aber 16 Ventile – die waren mal eine kurze Zeit lang das Heißeste, was Du haben konntest. Mercedes hatte 1983 den 190 2.3 16V präsentiert – in unerschwinglichen 50.000 Mark Regionen und von da aus steil aufwärts.

Für Mercedes-Verhältnisse ging das damals schon als Kriegsbemalung durch - 16v rechtfertigte alles - wenn auch nur für einen kurzen Moment in der Automobil-Historie

Für Mercedes-Verhältnisse ging das damals schon als Kriegsbemalung durch – 16v rechtfertigte alles – wenn auch nur für einen kurzen Moment in der Automobil-Historie

Aber das war eben exotisch. Der wahre Kampf fand in der Klasse darunter statt: 1986 brachte Volkswagen den Golf GTI mit 16 Verntilen, wenige Monate später legte Opel mit dem Kadett E nach – und schuf damit nicht nur Legenden, sondern auch Autos, die Jahre später noch praktisch unversicherbar waren…

Der „normale“ GTI hatte 112PS, was damals schon ein Pfund war und beispielsweise mehr, als ein Rekord E zu bieten hatte, um das mal ins Verhältnis zu setzen. Der GTI 16V brachte es auf 139PS oder 129PS mit Kat – aus heutiger Sicht schwer zu glauben, dass das einen Volksaufstand gerechtfertigt hätte, oder? Aber im Rahmen der klassischen Feindschaft zwischen Golf und Kadett, legte Opel nicht nur ein bisschen nach, sondern ganz und gar heftig: Der Kadett GSI 16V schlug auf mit 150PS – und die schaffte der legendäre C20XE auch MIT Katalysator, hatte also realistisch 21PS mehr als der wichtigste Konkurrent (!) – ja…. das ist der Stoff, aus dem die Träume in den 80ern waren.

Sorry, Wolfsburg: Hier muss man ja historisch korrekt sein - gegen den GSI 16V war der Golf ein ziemlicher Loser...

Sorry, Wolfsburg: Hier muss man ja historisch korrekt sein – gegen den GSI 16V war der Golf ein ziemlicher Loser…

Auch hier noch einmal zur Einordnung: Ein Porsche 944 hatte mit Kat EXAKT die gleiche Leistung für der Kadett GSI – was Opel hier auf die Strasse genagelt hatte, war die Kampfansage der 80er Jahre.

Dass Opel dem Kadett GSI ein paar neckische und im Grunde sinnlose Lufthutzen auf die Motorhaube zimmerte, war frech und selbstbewusst, reichte echten GSI-Fahrern aber nicht. Auf der folgenden Essener Motorshow wurde der Aufkleber GTI-Öse, gerne in modischen Neon-Farben, den sich GSI-Fahrer über den Abschlepphaken klebten, die Kampfansage für Vorstadtstraßen – was den Wagen später eben auch unversicherbar machen sollte: Die 16Vs waren was für charakterfeste Fahrer.gsi16v

Man kann sich den Unterschied heute nur noch schwer vorstellen, denn es ging da nicht nur um die „paar PS mehr“ – die Leistungskurve eines Sechszehnventilers ist vergleichsweise satter und fülliger – und das über das gesamte Drehzahlband und eben nicht nur mit irgendeinem blöden Turbo-Kick.

16V – das spürtest Du in Deinem Sportsitz, das spürten auch Deine Mitfahrer(innen)….

Dabei war das ganze sozusagen „aus der Not geboren“. Die Hersteller hatten verzweifelt nach Möglichkeiten gesucht, auf engem Raum die Leistung der Fahrzeuge zu steigern und hatten zu dieser vergleichsweise aufwändigen und teuren Methode gegriffen – denn alle hatten sie in den Hatches der Golf-Klasse gelernt, dass man die Motoren quer einbaute – und da konntest Du nicht mal eben noch ein paar Zylinder dran nageln – und auch für Turbos wurde es hier oder da mal schnell eng, wenn nicht rein physisch, so doch spätestens thermisch.

Lancia Thema 8.32 - Ansage, Word!

Lancia Thema 8.32 – Ansage, Word!

Und dann zogen sie alle nach – selbst Peugeot legte einen 309er mit 16 Ventilen auf und ebenso kam der Renault 19 mit einer 16V Variante… Dabei war das gar nicht so risiko-arm. Unter VW Fahrern beispielsweise sprach sich schnell ein Klassiker herum: Wer mit einem 4 Ventiler das Öl messen wollte, der sollte das bei kaltem Motor tun oder den Wagen zumindest ein paar Minuten stehen lassen – bei warmem Motor war das Öl, das nun eine etwas komplexere Schmierung mit kleineren Kanälen sicherstellen musste, oft noch irgendwo unterwegs – der Messstab zeigte dann korrekter Weise zu wenig an. Wer dann nachfüllte, opferte oftmals einen ganzen Katalysator für 2000 Mark und mehr…

Also heuerte man mehr Juristen an, die dafür sorgten, dass dieses Thema in schönen großen Lettern in die Betriebsanleitungen von Golf und Scirocco und später auch allen anderen aufgenommen wurde….

Bald schon erfolgte jedoch die Demokratisierung der ehemaligen Rennsport-Technologie, deren Kern-Vorteil ja darin lag, einen größeren teil der Zylinderkopffläche zu verwenden. Das ermöglichte neben mehr Leistung nämlich auch eine sauberere Verbrennung und auch die gleiche Leistung bei geringerem Energie-Einsatz. So nutzte Toyota die Technologie bei seinen Magermixmotoren – und plötzlich war so ein Carina E nicht nur weit unanfälliger als ein Passat – er brauchte auch 2 Liter weniger…

Der erste Turbo war BMW beim 2002 auch noch bizarre Kriegsbemalung in Spiegelschrift (!) wert...

Der erste Turbo war BMW beim 2002 auch noch bizarre Kriegsbemalung in Spiegelschrift (!) wert… Man stelle sich das heute mal vor, wo jeder 3 Zylinder Kleinwagen einen Turba hat

Zuvor gab es natürlich noch die Übertrumpfer: Opel rechnete die Ventilzahl bei seinem 6 Zylinder hoch und kam zum 3000-24, Mercedes beim 300er ebenfalls. Und Lancia gab ganz den Italiener und zeigte mit dem Lancia Thema mit dem Kürzel 8.32 den eingeweihten, wo bei diesem ferrari-Motor der Hammer hing: Im Zylinderkopf.

Kurze Zeit später war der Spuk dann vorbei und 16V war Mainstream – oder eben Vierventilige Zylinderköpfe, wie man wohl richtiger Weise sagen müsste. Audi und Yamaha bauten 5Ventilige Zylinderköpfe – aber es hätte schon jemand mit 6 oder 8 Ventilen pro Zylinderkopf um die Ecke kommen müssen, um hier noch einmal substanzielle Aufmerksamkeit zu erregen. Mannesmann soll ja beim legendären beim 3,4Liter R10 mit einem 60V Modell experimentiert haben – aber das müssen wir noch genau recherchierten…. 😉




4 Gedanken zu „Stammtischsieger #SechszehnVau – weisste noch?

  1. In der Aufzählung der 16-Ender darf aber der Saab 900 Turbo nicht fehlen ! War immerhin 1984 der erste 16-Ventiler mit Aufladung! 175 PS.

  2. Wass die 16V’s von damals auch heute noch begehrenswert macht, ist für mich immer noch futuristischen Zusatzausstattungen. Ein 16V war vielfach auch mit digitalem Tacho bestellbar. Der Kadett und der Monza hatten das ja serienmässig. Der Senator 3.0i 24V bessas den auf Wunsch ebenfalls. Aber auch beim Fiat Uno, war er durchaus bestellbar, sogar im Alfa Romeo 90 2.5V6… Vom Traumhaften Digifiz im Urquattro und natürlich im 2Golf, ist für mich bis heute eine grosse Faszination geblieben. Immerhin darf ich heute solch einen 2er mein eigen nennen und fahre ganz nebenbei noch das erste Fahrzeug der Mittelklasse, mit Inspektionsanzeige.
    Wie so oft, hatte bei den Digitaltachos Opel mal wieder die Vorarbeit geleistet und Vw hat das ganze dann perfektioniert…
    Grüsse aus der CH

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