Renault R18 – Spießertraum ohne Spießer-Gene

Den Renault 12 zu beerben, war unzweifelhaft kein leichtes Unterfangen – der Renault R12 war Legende zu Lebzeiten – und, in den 60er Jahren vorgestellt, schaffte er ein sattes zweites Leben bis immerhin 2004 (!), was den Wagen sicherlich in seiner eigenen Weise unsterblich machte.

Renault R18

Die Linie des Renault 18 orientierte sich streng an der des R12, obwohl sich bereits herum sprach, dass abfallende Hecklinien bei Limousinen nicht der Weisheit letzter Schluß waren. Dennoch: 1978 galt der Wagen zweifellos als elegant

Bei unser Wahl zum Standard-Auto der Eu gewann derRenault R12 vollkommen unerwartet. Warum? Der Renault R12 hatte alle typischen Qualitäten, die es genau dazu brauchte: Eine durchaus simple Konzeption und Konstruktion, einen substanziellen Innenraum und Steher-Qualitäten: Der R12 gilt in vielen Regionen der Welt bis heute als ähnlich unkaputtbar wie der Peugeot 504 oder gar der Mercedes W123.

Und dann kam 1978 der Renault 18.

Er sollte das Lebenswerk des Renault 12 fortführen, die Qualitäten des Renault 12 in die modernen 80er Jahre tragen – und scheiterte.

Renault 18 – Beste Gene zum Start

Als der Renault R18 im Jahr 1978 debütierte, da hätte eigentlich vieles richtig laufen können: Renault war in vielen Ländern Europas einer der beliebtesten Importeure, der R12 und der R16 waren gut gelaufen, der R5 heiß geliebt, der R4 Legende.

Schatten lagen auf dem Golf-Konkurrenten Renault R14 – und die sollten so schnell nicht verschwinden: Der R14 wurde ein Stachel im Fleisch, ebenso der Renault Fuego. Beide waren qualitativ übel und sollten binnen kürzester Zeit den Ruf von Renault in Germanien versauen – und das nachhaltig.

Renault 18 Kombi

Der Kombi des R18 war nicht ganz so groß, wie man vermuten würde – und seine Kofferraumauskleidung war in den ersten Herstellungsjahren unglaublich schlecht und zudem schlecht verarbeitet. Nach typischen Verschleißfahrern billiger Gebrauchtwagen sind vom R18 als Kombi so gut wie keine Exemplare mehr üblich

Dabei sah zunächst alles gut aus: Der R18 führte die Linie des Renault R12 fort, nur eben mit mehr Rundung, besserer Aerodynamik und mehr Kunststoff, was damals als absolut zeitgemäß galt.

Der R18 war auf seine weise konservativ gestaltet worden – in seinem Heimatland sollte der teilstaatliche Konzern mit diesem Auto auch die wichtigen staatlichen Dienstwagen stellen – Beamte im ganzen Land warteten auf den neuen Renault, der etwas stattlicher daherkam als der Renault 12.

Soweit hatte Renault also alles richtig gemacht.

Globalisierung üben: Renault R18

Wie so viele Hersteller experimentierte auch Renault in dieser Zeit mit der Internationalisierung des Geschäftes. Die Herstellung von Komponenten in Brasilien und ehemaligen Kolonien in Afrika versprach schier unfassbare Kostenvorteile gegenüber der Fertigung im eigenen Land. Leider unterschätzte man bei Renault, welches Mehr an Qualitätskontrolle hierfür notwendig war – wie bei Fuego und eben schon zuvor beim R14. Wie diesen hatte Renault auch den R18 interdisziplinär entwickelt, was damals als revolutionär eingestuft werden musste. Dabei waren jedoch diverse signifikante Fehlentscheidungen getroffen worden, die sich nun plötzlich im Alltag zeigten.

Innen irgendwo zwischen schlicht und schön: Renault 18

Innen irgendwo zwischen schlicht und schön: Renault 18

Ebenso hatte man die Erprobungszyklen des Renault R18 signifikant verkürzt, weil das interdisziplinäre Team den Wert dieser Übung nicht ausreichend nachvollziehen konnte – ein kategorischer Fehler.

Speziell im Bereich der Elektrik zeigten sich diverse Fehler, ebenso war die Karosserie weder ausreichend korrosionsfest, noch taugte die Lüftung in Herbst und Winter. Ebenso hatte Renault gleichzeitig eine technisch neue Generation von Schaltern eingeführt, die allesamt den Ansprüchen des Wagens nicht gerecht werden konnten. In allen Punkten musste Renault nicht nur im laufenden betrieb nachbessern, Renault musste auch diverse Fahrzeuge zurücknehmen, wandeln, abwickeln oder kostspielig qualitativ aufwerten.

So waren im Renault R18 beispielsweise relativ komplexe Zentralverriegelung verbaut worden, auf die das Marketing im letzten Moment gedrängt hatte – deren Erprobung war zum Zeitpunkt des Fertigungsbeginns bei Weitem noch nicht abgeschlossen und ausreichend getestet. Die Folgen waren – wie auch beim Fuego – legendär: Oft empfing der Renault seinen Besitzer mit offenen Türen….renault_18_gtl-4

Effektiv war so kaum ein Gewinn zu erzielen, was Renault idiotischer Weise dadurch zu kompensieren versuchte, dass bei gesteigerter Qualitätskontrolle ein noch größerere Teil der Produktion ins Ausland verlagert wurde. Dort wurde nicht pauschal schlechtere Qualität gefertigt, die Fertigungstoleranzen, die sich aus diversen Ländern ergänzten, machten den Wagen schlicht krumm und klapprig, so profan das klingen mag.

Mitte der 80er Jahre war der Renault 18 schließlich das Mittelklasse-Auto mit dem mit Abstand höchsten Wertverfall, was selbst wohlmeinenden Autozeitschriften einen gehässigen Artikel wert war. Und nicht nur das: Das gerade in Mode kommende Leasing machte den Renault R18 dadurch schier unerhört teuer, da das ja nichts anderes macht, als den verzinsten Wertverlustüber die Laufzeit zu verteilen. Erneut musste Renault also die Finanzierungen und das Leasing sponsoren, was den Wagen alles in allem nur nochmals  wirtschaftlich kritischer machte.

War der Wagen im ersten Jahr noch von der Presse gelobt wurden, wandelte sich der Renault R18 zum Stammtischversager erster Klasse und wurde dadurch vor allem als Gebrauchtwagen final unverkäuflich.r18linea

Dass es sogar technische Leckerbissen wie einen Kombi mit Allrad-Antrieb gab oder einen R18 mit Turbo-Motor und stattlichen 125PS war noch Artikel in der Fachpresse wert, konnte aber am Ende nicht helfen. Der Renault R18 blieb weit hinter den Verkaufs-Erwartungen zurück und wurde anschließend schnell verramscht.

Hinzu kam beim Renault 18 die Tatsache, dass er sich maximal langweilig fuhr – komfortabel durchaus, aber eben ohne irgendwelche richtigen Highlights. Einfach ein mittelklassiges Mittelklasse-Auto. Das sollte sein Nachfolger besser können – wie sich später herausstellen sollte, war das leider so ziemlich das einzige, was er besser konnte…

Als Youngtimer taugte der Renault 18 nur in engen Grenzen und heute ist er im Grunde verschwunden, wie manch ein Franzose, nur schlimmer. Taucht hier und da mal ein Exemplar auf, sind die Preise des raren Franzosen hemmungslos überzogen und starten auch für übelste Qualität selten unter 4.000€, was oftmals schier lächerlich ist. Selbst in Frankreich, Belgien und Skandinavien, wo der Wagen graduell erfolgreicher war, gilt er als ausgestorben – und es findet sich auch kaum mal irgendwo ein liebevoller Club, der den Wagen erhalten möchte und Ersatzteile besitzt.

Ausnahme: Südamerika, wo der Renault 18 bis 1994 gefertigt und bis 1996 verkauft wurde und scheinbar qualitativ besser aufgestellt war…

In Deutschland ist der Wagen tatsächlich nur noch etwas für echte Fans, die in diesem Auto groß geworden sind und ihre emotionale Bindung daher beziehen.



2 Gedanken zu „Renault R18 – Spießertraum ohne Spießer-Gene

  1. Mein Opa hatte sich Anfang der 1980er einen neuen Renault 18 gekauft. Eine weiße Limousine. Das war sein zweitliebstes Auto, das er je hatte, hat er immer gemeint. Gleich nach dem Peugeot 309 GRD, der danach kam.

    Dass der R18 nach 5 Jahren an Türen und Kotflügeln durchgerostet war, hat er stets für sich behalten. Nur konnte sich Oma an die Rostkiste stets gut erinnern. 😉

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