Führerscheinklasse 1b: die 80er in den 80ern

Immer wieder bekommen wir mal Mails zu 80ern – nicht die 80er als Jahrzehnt, vielmehr die Leichtkrafträder, die zu Beginn der 80er Jahre die Kleinkrafträder ablösten. Letztere hatten 50 Kubik gehabt, waren irre schnell und autobahntauglich, während die neueren mehr Hubraum hatten aber nur maximal 10PS und eine maximale Höchstgeschwindigkeit von 80 KM/H – damals schon nicht so richtig cool, auf heutigen Autobahnen Selbstmord.

Und tatsächlich: Über 80er gäbe es viel schöne Geschichten zu berichten – schon allein deshalb, weil die meisten verjährt sind… 😉

Und natürlich – die Leichtkrafträder von damals wären heute im besten Youngtimer-Alter, könnte man meinen. Einerseits aber sind nicht viele übrig geblieben – such heute mal eine DT 80 LC2 (Ihr wisst schon – nix Cantilever, sondern die Verheißung von MonoCross….). Die sind mal wirklich ausgestorben. Da gibt es zwar noch einige, die in Garagen geerbter Einfamilienhäuser stehen – aber das sind Nostalgie-Stücke. Direkt daneben steht die Kiste mit den Matchbox Autos und dem Lego, das man vorsichtshalber für die Enkel aufgehoben hat…

Das ist bei den 80ern das eine Thema. Das andere haben ein paar Kumpels von uns kürzlich sehr schön zusammengefasst: Das Problem des rücksichtslosen Fahrens. Wir wagen uns mit keiner MTX80 mehr in den Strassenverkehr – sehr wohl aber tun wir das mit einem Kadett C oder einem Ascona B.

Aber dennoch: es waren wunderschöne Zeiten. Abgesehen mal von den unfassbaren Versicherungsprämien, die die Dinger damals kosteten. Tatsächlich war das einer der wesentlichen Gründe für die Einführung der neuen Klasse der Leichtkrafträder gewesen: Die alten schnellen 50er Kleinkrafträder waren einfach zu schadenträchtig. Und sie waren zu laut und zu schnell. Die Beschränkung auf 80KM/H und eine Nenndrehzahl von 6.000 Umdrehungen bei Höchstleistung sollten da Abhilfe schaffen.

Honda HD08 MTX 80 C

Die Honda MTX C – schon mit Mono-Schwinge aber viel zu wenig Federweg. Als die HD08 mit Wasserkühlung erschien, verschwand die MTX80C oft sehr unrühmlich. Aus Tuning-Gesichtspunkten ein Fehler: Luftgekühlte Motorräder nimmst Du dreimal so schnell auseinander 😉

Die 80 Kubik waren eine bizarre Idee der Deutschen Zweirad-Industrie gewesen, die zu dem Zeitpunkt schon lange nicht mehr konkurrenzfähig war – schon allein des Preisniveaus wegen. Deshalb entstand tatsächlich die beknackte Kappung auf 80 Kubik in der Hoffnung, Japaner und andere Hersteller würden den Markt dann meiden wollen, weil es sich nicht lohnen würde, einen 80 Kubik-Motor zu entwickeln, wo doch alle anderen Märkte entweder 50 oder eben gleich 125 Kubik verlangten.

Nichts davon traf ein. Vielmehr stellten Hersteller wie Honda, Suzuki, Kawasaki und Yamaha 80 Kubik Motoren einfach auch für andere Länder her. Nur, dass man sie dort nicht auf die Leistung und die Höchstgeschwindigkeit beschränkte, die in Deutschland der Gesetzgeber auf Wunsch der Industrie verankert hatte. Und dann klingelt da ein Begriff wie „Binnenmarkt“. Und plötzlich schwappten sie alle wieder rein – die Honda MBX mit 13PS, die MTX80R mit 12,5PS. Und beide sahen von außen vollkommen identisch zu den in Deutschland angebotenen Modellen aus und jeder Stümper wusste doch, wie man diese lächerliche Sperre…. Ach – lassen wir das.

Honda MBX80 – die musstest Du haben, wenn Du eine Strassen 80er wolltest. Sie galt als die Schnellste von allen und fuhr tatsächlich seriennahe 95KM/H

Tja – Ende der 80er Jahre war längst wieder Waffengleichheit hergestellt: 80er fuhren so schnell wie zuvor die 50er – schneller sogar teilweise, weil sie jetzt mehr Hubraum dafür zur Verfügung hatten. Das war das eine, was leider auch für das heftige Verschwinden vieler 80er sorgte. Hinzu kam: Die Industrie köderte die Jugendlichen mit den Köstlichkeiten von Wasserkühlung, Mehrleistung und all den Dingen. Und hey: Du hattest nur 2 Jahre Zeit… Und wenn du blöder Weise eine Luftgekühlte hattest und die verschwand durch einen unerklärlich Diebstahl an einem Samstag Abend innerhalb des ersten Jahres – ja, dann zahlte deine Versicherung den vollen Preis, wenn nicht innerhalb von 14 Tagen jemand den See fand, in dem… okay… lassen wir das auch (für den Moment).

Machten die Versicherer das ehrenamtlich? Natürlich nicht. 1986 schwappte die Versicherungsprämie, die Anfang der 80er Jahre bei rund 150 Mark gestartet hatte, über die magische Grenze von 1000 Mark und erreichte damit das Niveau der offenen 50er Kleinkrafträder. Die moralische Grenze sorgte für einen starken Einbruch am Markt. Und nun passierte etwas, womit selbst die Versicherer nicht so richtig gerechnet hatten: Durch die hohen Versicherungspreise verfielen die Preise für Gebrauchte 80er – bis ins uferlose. Eine MTX 80 R2 – eben noch 5.000 Mark beim Honda Händler wert, brachte nur noch 1600 Mark ein nach 15-20.000KM und weniger als 2 Jahren.

Da steckte designerisch eine Menge Honda MBX drin… Und gleich dabei: Die Bewerbung für die Umrüstung. Dann konntest Du Deinen Eltern sagen: Wenn ich 18 bin, kostet die Versicherung nix mehr…

Und das passierte dir genau in dem Moment, als Du den Führerschein Klasse 3 machtest und unbedingt einen Golf II haben wolltest, für den dir ein Kumpel schon den coolen Doppelvergaser aus dem Audi 80… Und ja… Was passierte dann mit den unverkäuflichen Motorrädern? Dort, wo die Waldseen noch nicht voll waren, stopften die Leute noch weitere 80er rein und meldeten sie der Versicherung. Parallel stieg der Verkauf von Rahmen mit Papieren an. So ein Rahmen war nicht teuer und wenn jemand in deinem Bekanntenkreis noch Teile von einem Motorrad hatte….

Keine Fahrzeug-Gattung ist je so schnell ausgestorben – flankiert vom Niedergang der Deutschen Hersteller, die mit ihren spießigen Motorrädern für Erwachsene nicht mit Honda MBX und RD LC2 mithalten konnten. Die Hercules RX9 war ein richtig gutes, solides Motorrad – aber sie sah aus, als hätte sie dein Opa für dich ausgesucht. Und ein Name wie Zündapp hatte für Kids in den 80ern, umgeben von Synthesizern und NDW, den verdächtigen Klang der Nachkriegszeit.

Die Anfänge waren irgendwie profaner: 6,8PS bei der Luftgekühlten RD 80 MX sorgten dafür, dass die 80 KM/H nicht ganz erreicht wurden – aber das Ding sah schon ganz schön gut aus – zumindest solange, bis die sündhaft teure RD 80 LC erschien…

Die späte KS80 war das wohl beste Imitat einer Honda MBX – aber cool wurde sie dadurch nicht – außerdem lag ihr realistischer Straßenpreis unfassbare 2000 Mark über einer Honda MBX oder Yamaha RD80 mit ihren schier verbotenen 9,8PS, die zudem so sehr nach RD 350YPVS aussah.

Im nächsten Schritt gab es dann eine sehr Deutsche Neuregelung und die neuen Leichtkrafträder durften 125 Kubik haben, jetzt, wo es keine Deutsche Motorrad-Industrie zum Schützen mehr gab. Es kamen neue Versicherungsprämien und neue…. Auch – ihr wisst schon…

Ich wurde an einem Dienstag 18. Mittwochs fuhr ich zum TÜV und zeigte denen das 17er Ritzel, mit dem ich schon seit einem Jahr durch die Gegend fuhr. Diese längere Übersetzung machte meine 80er zu einem 10PS Motorrad mit einer bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit von mehr als 80 KM/H, nämlich 85 KM/H, die nun in einen richtigen KFZ-Schein eingetragen wurden.

WHOW! Da blieb so manchem 16jährigen kurz das Herz stehen: Die LC sah so unglaublich erwachsen aus…

Und das bizarrste daran: 2 Tage vorher, als ich noch 2 Tage jünger war, galt die Kombination aus mir und meiner 80er als das schlimmste, was sich eine Versicherung vorstellen konnte. Ich zahlte 1331 Mark Versicherungsprämie, leicht zu merken. 2 Tage später durfte ich mit demselben Motorrad schneller fahren – und weil ich jetzt ja 2 Tage älter war, wollte die Versicherung für mein 10PS Motorrad, das zufällig 80 Kubik hatte, nur noch 95 Mark pro Jahr Prämie von mir haben – zuvor hatte ich im Monat schon mehr gezahlt!

So etwas gibt es irgendwie auch nur in Deutschland. Ich hatte mich zu der Umrüstung gezwungen gesehen, weil mir einfach niemand mehr als 1200 Mark hatte geben wollen für meine geliebte MTX80R2. Also fuhr ich das Ding noch zwei Sommer für praktisch kein Geld – und verkaufte sie dann beeindruckender Weise für knapp 2.000 Mark, mein 10PS Motorrad…

Schräge Zeiten.

Im Herbst gab es bei ebay mal eine MTX80R – Orange, blaue Sitzbank. Übler Zustand, kein Tüv, 45.000 Kilometer. Ging für fast 800€ über den Tisch. Mein Maximalgebot lag bei 466….



5 Gedanken zu „Führerscheinklasse 1b: die 80er in den 80ern

  1. Ähnliches passierte mit der Versicherung im Jahr 2013 da wurde die Höchstgeschwindigkeit für 125er ausgesetzt. Dadurch wurde auch die Versicherung anders eingestuft und kostete für kurze Zeit nur knapp 100€ mittlerweile ist die wieder bei weit über 700€. Mit 18 und dem A2 kann man dann jetzt auch schon Motorräder mit 48 Ps fahren die schaffen schon teilweise 220 oder mehr und auch wieder nur 100€ Versicherung.

  2. genau deswegen hab ich mir 2013 einen 300Kubik-Roller als Stadtfahrzeug gekauft, nachdem beim Vorgänger 125er der Rahmen erst durchgerostet und dann -gebrochen war 🙂

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