Alfasud: Genie und Wahnsinn….

Auf die Frage, die Alfasud Fahrer gerne lästernden Opel Besitzern in den 70ern stellten „Bist Du eigentlich je einen Alfasud gefahren??“ lautete die gängige Antwort „Ich wollte ja – aber immer wenn ich es versucht hab, war er gerade in der Werkstatt….“

LOL… Siebziger-Stammtischhumor vom Feinsten.

Italienische Autos der 70er standen und stehen in einem schlechten Ruf – mehr noch als Britische, die das sicherlich aus verschiedenen gründen ebenso verdient hätten – im Falle des Alfasud ist der schlechte Ruf berechtigt und hausgemacht, leider…

Alfasud: Konzeptionelles Mega-Highlight

Italienische Youngtimer

Lächerliches Werbephoto eines unfassbar coolen Wagens: Alfa Romeo Alfasud… Der konnte was. Boxermotor!

Der Alfasud wurde von Deutschen Automobilzeitschriften beim Erscheinen gerne schlecht geschrieben – dabei hat die eine Hälfte ihn zunächst einmal nicht verstanden, die andere sagte sich „Wenn ich schreibe, wie geil der sich fährt, dann flieg ich hier raus….“

Tatsächlich nämlich war der Schrägheck-Alfa so etwas wie ein fahrerischer Meilenstein. Liest man einmal Autozeitschriften aus anderen Ländern – nicht nur italienische, britische beispielsweise, französische oder niederländische – dann kommt der Alfasud dort ausnehmen gut weg, allem voran aufgrund seiner fahrerischen Qualitäten, im Zweiten wegen seines ebenso coolen Innenraums, der vor allem aber durch seine luftige Weite auffiel. Steig aus einem Alfasud und setz Dich in einen Käfer, einen Escort oder einen C-Kadett und auch entspannte Menschen empfinden etwas Klaustrophobisches…

Innen war der Alfasud viel cooler als zeitgenössische Mitbewerber

Der Alfasud spielte hier mehrere Vorteile gleichzeitig aus: Einmal die Schrägheck-Konzeption mit Frontantrieb, die in Deutschland erst noch kommen sollte, wo man bis dahin lieber kleine Limousinen in dieser Klasse fuhr, die dank dieser Konstruktion praktisch ein Drittel des Innenraums verballerten, gemessen an der Konzeption die in Folge die „Golf-Klasse“ prägen sollte. Hinzu kam beim Alfasud: Boxermotoren waren signifikant kompakter und Teile des Innenraums konnten deutlich nach vorne verlagert werden – ein luftiger, heller Innenraum mit viel Platz war die Folge. Im Grunde war der Alfasud eine Blaupause erste Güte, die zeigte, wie man künftig Autos in dieser Klasse bauen würde.

Historisch allerdings komplett idiotisch: Der Alfa hatte keine Heckklappe, um diesen Raum wirklich zu nutzen… Die reichte Alfa erst kurz vor Ende der Alfasud-Karriere nach.

Aus heutiger Sicht: Unfassbar…

Aber nicht nur die Karosserie war besonders. Getrieben vom niedrig liegenden Schwerpunkt konstruierte der Meister des Alfasuds, Rudolf Hruska, den Wagen auch in vielen wichtigen Details auf Sportlichkeit: innen liegende Scheibenbremsen – und das vorne und hinten – eine kluge, wenn auch starre Hinterachse, Aufhängungen, Gewichtsverteilung und Sturz mit einer Ausrichtung, die den Wagen auch bei hohen Geschwindigkeiten auf die Strasse nagelten – das hatte schon was. In der Summe seiner Eigenschaften war der Alfasud fahrerisch daher ein echter Meilenstein, den man der Groß-Serie so kaum zutrauen mochte – erst recht nicht dann, wenn man von der Deutschen Motorpresse zu einer anderen Sicht auf den Alfasud gedrängt wurde…

Ein Steiler Abstieg: Der Bärendienst des Alfasud

Giorgio Giugiario hatte sich alle Mühe gegeben, ein sehr schönes, ein rassiges und auch sportlich daher kommendes Auto zu gestalten; der Österreicher Rudolf Hruska hatte es als echtes Lebenswerk mit hoher Eigenverantwortung konstruiert – from scratch, wie der Brite sagt – und Alfa baute es… und verbockte es auf schier legendäre Weise – in einer Verkettung historischer Fehler, wie man sie sonst wirklich nur in der britischen Geschichte des Automobilbaus zu finden vermag.

Einmal die Substanz: Übelste Bleche kamen beim Alfasud zum Einsatz – wenn auch nicht immer… Historisch bizarr: Alfa setzte hier tatsächlich – und da waren sie nicht die einzigen – Recyclingbleche der ersten Generation ein. Die waren schlicht und ergreifend massiv rostanfällig. Diese wurden dann im Bereich der Dämmung so verarbeitet, dass sie sich mit Wasser voll saugten, das ohne die Einwirkung großer Temperaturen nicht wieder entweichen konnte. Im Süden Italiens kein richtiges Problem – nördlich davon schon…

Alfasud Sprint

Irgendwas zwischen Scirocco, Audi und italienischem Charme – der Alfasud Sprint

Durch gleichzeitige Streiks im verantwortlichen Werk und in der Lieferkette wurden Teile des Alfasuds tatsächlich mit anderen Blechen gebaut. Alfa Romeo stritt auf dieser Basis auch lange Zeit ab, dass der Alfasud aus sowjetischen Recyclingblechen gefertigt worden war, was man ja praktisch mit einigen Modellen der Serie beweisen konnte. Legenden hielten sich, die besagten, man können an bestimmten Kombinationen der Fahrzeugidentnummer erkennen, welches Blech verwendet wurde – Ammenmärchen, die sich auch vor dem Internet schon bildeten und kolportiert wurden…

Die Streiks stellten sich als eine weitere schlimme Qualitäts-Bremse dar. Je nach Zählung waren es zwischen 590 und 1120 – abhängig davon, was man als Streik, Auszeit, Produktionsstop und ähnliches wertet und ob man nur die internen Streiks oder auch die der zuliefernden Betriebe mit rechnet – da müssen selbst Mitarbeiter von British Leyland sich die Augen reiben… 😉

Am Ende wurde der Alfasud, dessen Konstruktion eigentlich Feinschliff in der Verarbeitung erforderte, dann von einem Haufen zusammengeschnorrter Mitarbeiter aus anderen Industrien zusammengeschraubt, die beispielsweise den doppelten Schott zwischen Motorraum und Fahrgastraum gewohnheitsmäßig falsch zusammen bauten – so, wie es eben einfacher war. Die korrekte Montage erforderte am Band 3 Mitarbeiter zur gleichen Zeit – wenn man es falsch machte, ließ sich diese Partie auch mit einer einzigen Person montieren – führte in Folge jedoch nicht nur zu einer unangenehmeren Geräuschentwicklung, sondern auch zu folgenschwerer Nachhilfe in Sachen Rost und Karosserie-Instabilität.

Die Fehler des Alfasud, der das meistverkaufte Modell der Marke war, färbten massiv auf die Gesamtwahrnehmung der Marke ab und wirkten sich nachhaltig darauf aus.

Die Deutsche Motorpresse

Viele der Probleme wurden durch Alfa Romeo wissentlich und wiederholt verschwiegen und entschärft. Die Deutsche Motorpresse (und das war lange vor der Autobild) gab sich Mühe, den Wagen stets im schwärzesten Licht erscheinen zu lassen – man muss kein Anhänger absurder Verschwörungstheorien sein, um zu verstehen, dass hier durchaus etwas Protektionistisches drin lag: Der Wagen war derartig viel fahraktiver als alle Deutschen Fahrzeuge dieser Klasse, hatte einen größeren Innenraum, sportlichere Motoren und war innen ganz entschieden sexier als ein Kadett B oder Kadett C, vom Golf mal ganz zu schweigen – und der Ford Escort hatte damals noch gar kein Innenraumdesign im verwertbaren Sinne.

So war der Alfasud unzweifelhaft von diversen Qualitätsproblemen übersät, die in verschiedensten Häufungen auftraten – das war leider kein Stammtischgerede. Die Alfasud, die angeblich schon beim ersten TÜV wegen Durchrostungen durchfielen… leider auch kein Ammenmärchen, sondern dokumentiert, wenn auch sehr sehr selten. In etwas über 10 Jahren entstanden – das Sprint Coupé eingeschlossen – ein bisserl über eine Million Alfa Romeo Alfasud. All die schlechte Presse konnte den Alfasud also nicht umbringen.

Die Besitzer jedoch konnten es. Die einen ließen die Wagen verrotten – die anderen reizten die Strassenlage des Alfasud aus – und überreizten ihr Blatt.




6 Gedanken zu „Alfasud: Genie und Wahnsinn….

  1. Pingback: Alfa 33 Youngtimer
  2. Wie der Fiar 127 auch war der Alfasud konzeptionell weitaus besser als sen Ruf – wie auch die germanische Konkurrenz jener Zeit. Die eischlägige Motorpresse, nicht zufällig mitten im süddeutschen Herz ds deutschen Automobilbaus beheimatet, tat ihr übriges.
    Aber wie erwähnt, machte der Alfasud dennoch seinen Weg und seine Stückzahlen. Wenn man sich die Mühe macht, bei seinem Nachfolger 33 Türen und Hauben zu öffnen, stellt man fest, dass darunter noch immer der Alfasud wohnt, nur eben in neuem Gewand.
    Und mit dem Wissen ist der Erfolg dann noch umso beeindruckender., kommt der Alfasud doch damit auf ein Vierteljahrhundert in Produktion und war unterm Strich alles andere als ein Misserfolg. Hruskas Krönung seiner Karriere, „seine“ eigenerantwortete Idee eines Autos, hat das Leben der Menschen mehr als dreißig Jahre begleitet.

  3. Hör mir auf mit der deutschen Auto-Presse…..Selbst wenn ich heutzutage beim Arzt wieder mal die AMS durchblättere (ich gebe kein Geld für das Schundblatt aus), dann habe ich das Gefühl das die Journalisten direkt bei den deutschen Großherstellern angestellt sind. Bester Satz “Der Audi/VW gewinnt den Vergleich in der Summe seiner Eigenschaften”, deutsches Journalisten Wischiwaschi.
    Der Alfasud war in meiner Jugend der Hingucker, dass war Italien, das war aufregendes Design, das war 5 Minuten vor Ferrari….Und dann stieg man doch wieder in seinen biederen Golf ein und fuhr nach Hause. Alfa Romeo kanns aber auch nicht lassen. Die bauen heute noch Autos die es irgendwie schaffen sich aus dem ganzen cw-Wert Einheitsbrei mit ihrem Design hervorzuheben. Würde die Qualität dazu passen, wäre das auch heute noch meine favorisierte Automarke.

  4. Man war mein Alfasud geil,das beste an Fahrwerk und Motor,der brubbelige Sound des 1,3 ers mit 88 PS,selbst Manta GTE und Golf GTI waren schlappe Kisten,das sportliche Ambiente voll gelungen,wie oben erwähnt der Rost,Ersatzreifen hatte ich keins mehr,den verlor ich mit der Wanne irgendwann,Nachteil Bremsen vorne,da der Motor immer leicht ölte gings auf die Bremsscheiben und man hatte zweischendurch Probleme beim Bremsen,ansonsten immer wieder Alfa,geileres gibts nicht

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