日本を尊重!

Einer der Sätze, die uns immer massiv annerven – und das wirklich schon seit Jahren – ist: „Aber Du willst Doch nicht so viel Geld für einen Japaner ausgeben, oder?“

Woher kommt das eigentlich? Und vor allem: Ist das eigentlich ein Deutsches Phänomen?

Unser eigener Blick über den Zaun zu Leuten wie Alltagsklassiker.at oder Lukas Wieringer, zeigt uns immer wieder, dass das in Österreich genauso Thema ist wie hier. Schweizer hingegen zeigen älteren Autos gegenüber einen weit grundlegenderen Respekt – und wenn sie gut gepflegt sind, dürfen es auch gerne Japaner sein, vor allem dann, wenn sie einen Boxermotor unter der Haube haben.

Gilt vielen als der König der Langläufer, anderen als der König der Langweiler – aber: Kaum ein Auto wird so lange besessen wie der Subaru Legacy als Kombi, obwohl Subaru auch regelmäßig neue Modelle auf den Markt wirft
Muss wohl doch eine Geisteshaltung sein – und das scheint sich bei den Händlern zu reflektieren: Ersatzteile sind vorhanden.

Problematisch nur: Japanische Youngtimer gibt es in der Schweiz praktisch nicht, Als wir Deutschen begannen, die zu kaufen, weil sie billig waren, kauften die Schweizer noch US-Autos, weil die Währung sie billig machte. Als wir Deutschen Japaner kauften, weil sie solide waren, kauften die Schweizer vorwiegend Toyotas, während die anderen Marken wie Mazda, Nissan, gar Datsun oder Mitsubishi nie so recht den Grip auf dem Markt fanden.

Heute ist der Toyota Prius ein gern gesehenes Taxi bei den Eidgenossen (ja… bei den Österreichern auch – nur bei uns in Daimler-Country nicht…)

Aber die Japaner haben es naturgemäß immer noch schwer, in der Szene Fuß zu fassen. In Aller Fairness: Nicht jeder Mazda 626 ist ein Hingucker und Youngtimer-Anwärter – aber die Preise ziehen in anderen Ländern witziger Weise teilweise stark an – in Nordeuropa etwa, in den Niederlanden, da zählt der „Reiskocher“ was. In UK sind bei den dort als practical classics bezeichneten Fahrzeugen die Japaner entschieden weiter vorne als bei uns. Waren sie übrigens auch damals, als sie neu waren, schon – vielleicht auch, weil die britische Autoindustrie in den 80er Jahren eher damit beschäftigt war, zu streiken als mal ein komplettes Auto sauber zusammenzuschrauben.

Der 6262 GC und seine beiden Nachfolger verkauften sich in Deutschland hervorragend – ist den Mazda Händlern von heute jedoch scheinbar ziemlich wurscht

Auf der anderen Seite gilt: so viele Leute kaufen sich die langweiligsten Deutschen Pseudo-Youngtimer, nach denen sich niemand je umdrehen wird. Das hingegen ist bei vielen der älteren Japaner mittlerweile komplett sichergestellt. Vor allem: Wenn Du die jetzt nicht rettest, dann sind sie schier für immer weg, ganz sicher.

Aber die Deutschen Autozeitschriften haben doch schon in den 80er Jahren immer geschrieben, dass die Ersatzteilversorgung bei Autos aus Japan so übel sei – wie mag das heute bei Japanischen Youngtimern aussehen?

Wir machen die Probe aufs Exempel und rücken mit einem 88er Mazda 626, einem 91er Subaru Legacy und einem Mitsubishi Galant von 1990 bei einem regionalen Händler an. Anfragen nach Standardteilen, die kaputt gehen im Alltagsbetrieb: Bremsscheiben vorne, Fensterheber-Schalter Fahrerseite, Scheinwerfer vorne rechts mit Blinker und der Kondensator der damals eher raren Klima-Anlage.

Erster Eindruck: Da musste Du tapfer sein.

Vielleicht der schärfste je gebaute Mitsubishi Galant. Dennoch: Hier ging es für die Marke in Deutschland bereits bergab, die Verkaufszahlen verschoben sich zunächst auf die Vans und die Kleinwagen, dann auch auf die nicht mehr so richtig. Heute werden dieses Modelle noch supported, ältere sind dem Mitsubishi-Händler leider auch ziemlich egal

Mazda versagt nahezu vollumfänglich bei 3 angefragten Händlern – und beim 626 reden wir von einem der meistverkauften Modelle der Marke. Die Bremsscheiben sind zu haben bei einem Händler, bei den beiden anderen kann das etwas dauern.

Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Mitsubishi. Der Galant hatte nicht ganz die Umsatzzahlen eines Mazda 626, dennoch war das ein Massenauto in Zeiten da Mitsubishi noch Vollsortimenter war. Dennoch: Klima-Anlagen-Kompressor: Fehlanzeige. Der Händler verweist uns an ebay, was schon irgendwie schräg ist – aber in aller Fairness: hier werden wir fündig. Interessant jedoch: Hier werden vollkommen realitätsferne Preise aufgerufen, während beispielsweise der Mazda 626 bei Pkwteile.de nicht nur komplett versorgt wird, sondern zu allem Überfluss auch noch deutlich günstiger als bei ebay – und da reden wir von Neuteilen. Das ist schon leicht bizarr.

Auffällig auch: Der Subaru-Händler wirft die Maschine an, tippt ein paar Tasten und nickt – alles da, kein Problem – bei den Fensterhebern mit etwas Lieferzeit. Hier funktioniert also alles und 2 Händler versichern uns auch, dass Motoren für den ersten Legacy ebenfalls kein Problem seien. Beeindruckend.

Für echte Exoten kannst Du die Ersatzteilversorgung im Japanischen Lager mittlerweile größten Teils vergessen 🙁 Das ist wirklich schade, da uns andere Länder zeigen, wie lange diese unterschätzten Fahrzeuge wirklich halten. Diesen Datsun etwa durften wir bereits Probe fahren und der schlägt sich noch sehr sehr wacker

Dennoch: Alles in allem ist man schon erstaunt, wie desinteressiert sich wieder einmal die Händler Zeigen – kfzteile, Autodoc, wie sie auch alle heißen mögen, sind bereits deutlich besser sortiert, wenn auch in Teilen nicht ganz in Erstausrüster-Qualität. Kürzlich erhielten wir eine Mail von einem Toyota-Fahrer, der uns erzählte, dass drei Toyota-Händler ihn nicht mit dem passenden Heckscheibenwischer für seinen Youngtimer versorgen konnten – OBI hingegen konnte (!) – da fällt einem nicht viel zu ein. Insgesamt scheint eigentlich in all unseren Erfahrungen nur Mercedes richtiggehend auf Fahrzeuge dieser Art ausgerichtet zu sein. Die Japanischen Importeure kennen das Problem. Zeitweilig hatten sich da mal ein paar Auslieferungslager zu klugen Logistik-Ketten zusammengeschlossen. Heute ist davon leider nicht mehr viel zu sehen – und am Ende ist das ein relevanter Aspekt.

Also: habt ein wenig Respekt vor den Besitzern Japanischer Youngtimer, sie haben es in mehrfacher Hinsicht schwerer.




Interessanter Gegentest übrigens: Der nächstgelegene VW Händler scheitert auf gewisse Weise am Klima Kondensator für den 89er Passat. Er kann ihn uns verkaufen – aber nur zusammen mit der kompletten Anlage – und dann sind wir dicke Vierstellig – in einem Bereich, der den Wert des Wagens deutlich überbietet.

3 Gedanken zu „日本を尊重!

  1. Ich hab vor einigen Tagen auch die Probe aufs Exempel gemacht und beim Mitsubishi-Händler nach Karosserieteilen für den Pajero L040 gefragt. Stoßstangen-Ecken aus Plastik für vorne und hinten, ein Frontblech, so Zeugs.

    Große Überraschung: Gibt es alles noch neu! Gut, eine (!) Stoßstangenecke kostet 265 Euro inkl. Steuern, aber man kann sie wenigstens noch kaufen. Und dass Pajero-Fahren ein billiges Vergnügen für Schnorrer wäre, galt ja wohl noch nie. 😉

    Lukas

  2. Das immer wieder gebrachte Argument, das „sich keiner nach dem Youngimer je umschauen würde“ lässt leider ausser Acht dass es Menschen gibt, die ein Auto gerade deswegen kaufen und sich an den inneren Werten freuen. Ist ja nicht jeder ein Poser – und ihr eigentlich auch nicht, oder? Wo bei das Nichts-darstellen-müssen ja auch wieder eine Art (Anti)-Statement ist.
    Ausserdem ist es ärgerlich genug, wenn schon was kaputtgeht, da braucht man gerade bei einem Daily Driver keine nervenaufreibende Ersatzteiljagd.
    KS
    @Lukas: Dass es die Ecken noch gibt, ist ja auch eher eine theoretische Sache, oder willst die > 1k ausgeben? Was wegen exorbitanter Preise nicht gekauft wird, ist halt verfügbar, bis es mal ausgelistet wird.

  3. Meine Frau hatte vor über 25 Jahren einen 80/81er Toyota Crown Saloon 2.8i, von dem sie heute noch schwärmt. Der sah aus wie ein Oldsmobile 88/98, nur etwas kleiner und eben mit Sechsender. Ein tolles Teil und das einzige Exemplar weit und breit- ein Granada 2.8i Ghia war ein geklonter Waisenknabe dagegen. Und wo sind eigentlich die ersten Honda Prelude SN, die aussahen wie der Mustang II, abgeblieben? Gerne mehr vom Japan- Barock im blog!

Die Kommentare sind geschloßen.