Audi Typ81: Dem-Berufsschullehrer-sein-Liebling

Von 1978 bis 1986 hatten Berufsschullehrer beim Auto nur eine Wahl: Den Audi 80 B2. Ein paar Exoten kauften auch einen Passat oder einen im Verhältnis eher existenzialistischen Simca 1307 – aber im Kern musste es schon der Audi 80 sein – am besten in der Farbe mit dem schrägen Namen Inari-Silber, die ein sehr helles grün metallic darstellte, an dem nichts besonders silbern war. Ausserdem bleichte es gerne aus und war schwer nachzulackieren – eigentlich eine blöde Farbe…

An sachlichen Autos wirkt es irgendwie bescheuert: Das Vinyldach – in dieser Zusammenstellung mega-selten und nix für Berufsschullehrer

Die eigenartige Farbe zog sich aber wie ein ansteckender Pesthauch durch den gesamten Konzern – von VW Golf Typ17 bis hoch zum Audi 200 vom Typ43 – mit dem Typ 81 in der Mitte der Palette. Und das war zu einer Zeit, da Audi noch eine ziemlich bürgerliche Marke war, die entschieden näher bei Opel lag als bei BMW oder Mercedes, wo man Audi heute sieht.

Dennoch steckte im Audi etwas von „Aufstieg“. Die Stufenhecklimousine Audi 80, technisch sehr nah am Passat, war weniger familiär, sah mehr nach Seriosität aus, als der Passat, der dem Berufsschullehrer eher den Eindruck vermittelte, als könne er in seinem Schrägheck notfalls auch einmal dreckige Fahrräder unterbringen. Der Passat war Daunenjacke, der Audi 80 schon in der Nähe von Anzug – zumindest mal Bundfaltenhose. Den wirklichen Durchbruch sollte der Audi 80 erst in der Folge-Generation erreichen. Bis dahin war dann auch der Kombi hip und Audi baute einen – der war damals zunächst noch dem Passat vorbehalten.

Puuuhh… das war schon der Hammer. 135PS und Allradantrieb – da bekamen viele Fahrer des 323i plötzlich schwitzige Finger. Auch nichts für Berufsschullehrer…

Der Audi 80 B2 oder Typ81 zeigte aber bereits ganz klar den Weg nach oben auf: Bis zu 110PS konnte man im Audi 80 erwerben – das war in dieser Klasse schon was – soviel hatte der Opel Rekord E auch als Spitzenmotorisierung zu bieten. Und das war nicht alles. Ab 1982 kamen dann noch die unfassbaren Zutaten dazu: 5 Zylinder und Allradantrieb und das dann bei über 130PS – hier musste sich der 3er BMW E21 dann auch schon ziemlich warm anziehen. In aller Fairness: Den kauften Berufsschullehrer nicht, der war zu teuer.

Was man sich heute kaum noch recht vergegenwärtigen kann, ist die unfassbare Raumfülle, die der Audi 80 bot – er war weit größer als etwa ein Ford Taunus oder ein Opel Ascona, wenn man im Innenraum Platz genommen hatte – und nicht nur das: Er wog auch bis zu 200 Kilo weniger! Die kleineren Modelle blieben hier deutlich unter einer Tonne – für einen Wagen, in dem Du auf den Rücksitzen die Beine stattlich ausstrecken konntest – das war schon was – und ein enormer Schritt nach vorn gemessen am Vorgänger. Der Typ81 war richtig groß und lag zu allem Überfluss enorm satt auf der Strasse – weit weniger nervös als ein zeitgenössischer Jetta beispielsweise, ohne so arg viel mehr Gewicht auf die Waage zu bringen – der längere Radstand erwies dem Wagen hier einen guten Dienst.

Gewann zunehmend an Stil: Facegelifteter Audi 80. Nicht so viel schwerer wie er aussieht

Gegenüber dem Vorgänger gab es zudem eine ganz wesentliche Neuerung, die den Audi in die Presse brachte: Der Dieselmotor mit seinen aus heutiger Sicht zunächst schier lächerlichen 54PS, wie man ihn auch im Golf kaufen konnte. Die Kombination aus geringem Verbrauch und dem gigantischen Tank des Audi Typ81 ermöglichte Fahrleistungen von deutlich jenseits der 1000 Kilometer mit einer Tankfüllung. Mit diesem Wagen musste der Durchschnittsdeutsche nur ein einziges Mal pro Monat tanken – das war schon wirklich großes Kino.

Dass sich der Audi 80 jenseits der üblichen VW Krankheiten zudem als haltbar und zuverlässig erwies, ließ ihn lange Zeit im Alltag laufen, wie bei den meisten Verbrauchsautos der Zeit üblich. Den Audi 80 himmelte noch niemand so an, wie einige BMWs oder gar einen vergleichbaren Mercedes 190 W201, der in den besten Phasen seines Lebens praktisch vollkommen wertverlustfrei betrieben werden konnte.

na endlich: So kauft ihn der Berufsschullehrer

Im Anschluss passierte etwas erstaunliches: Der Audi 80 wurde unerwartet zu einem großen Tuning-Opfer. Noch bevor die Treser Rückleuchten allgemeine Großstadt Folklore wurden, hielten ATS CUP Felgen Einzug – und so ziemlich alles, was man bei Golf und Scirocco der ersten Generation verbauen konnte, frisierte notfalls auch den Audi 80 – Baukasten sei dank – nur: der Audi 80 hatte das leistungsfähigere Fahrwerk. Und was es hier nicht gab, wurde durch das Coupé beigesteuert.

Während der Original Typ81 tiefer, breiter und schneller wurde, wurde der Audi 80 für seine letzten Baujahre noch einmal geliftet und deutlich näher an den Audi 100 Typ44 herangerückt. Das machte den Wagen seriöser, graduell luxuriöser – trug aber nicht wirklich zum erhofften Verkaufserfolg bei. Zu diesem Zeitpunkt war der Audi schlicht schon in die Jahre gekommen und wirkte neben einem W201, so kantig der einem heute vorkommen mag, nicht mehr zeitgemäß. Erst der Nachfolger brachten den Verkaufsboost und platzierte den Wagen final und endgültig in der Premium-Liga.
Was haben Berufsschullehrer eigentlich danach gekauft…?



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