Nach wem drehst Du dich morgen um? (Nein, kein Garagengold….)

Machen wir uns nichts vor – der Newtimer ist ein Phantom – und wir sind ja die letzten, die etwas gegen Nachwuchs an der Stelle hätten. Aber wir bekommen von Euch immer wieder Mails zu der Frage, wie wir mit unserer Erfahrung den Markt einschätzen auf der einen Seite und auf der anderen Seite, welche Autos sich entwickeln und vielleicht die Hingucker von Morgen sind. Na gut – schauen wir doch mal auf die Newtimer, die heute eher 15 bis 20 Jahre alt sind und vielleicht noch in der Entwicklung sind oder schon einen gewissen Coolness-Status haben.

Wir reden hier in etwa von den Jahren 1997 bis 2002 – gab es da Autos, die heute schon so nachgereift sind, dass sie cool geworden sind?

Hm… Wir reden hier von den Jahren, als in der Oberklasse Technikpaläste wie der 7er BMW vom Typ E65 auf den Markt kamen oder bei Mercedes die S-Klasse vom Typ W220 – alle qualitativ nicht durchgängig ruhmreich. Am anderen Ende der Skala machten sich Marken wie Daewoo, Kia und Hyundai in der kleinen Klasse zunehmend breit – die Autowelt in Deutschland veränderte sich – besser wurden sie dadurch nicht direkt – genau in dieser Zeit nahm die schlimmste Pest der 90er Jahre Überhand – mit Ausnahme vielleicht von Marken wie Toyota. Die Autos trugen mehr und mehr Uniform – es brach die Zeit an, in der Leute Sachen sagten wie „Er fährt einen Japaner – oder Koreaner… Oder Chinese?“

A-Klasse W168

Lieb ihn oder hass ihn – die erste A-Klasse ist ein Original der Neuzeit

Und aus der Zeit soll es Autos geben, die man irgendwann demnächst mal cool finden könnte? Hm…

Wir haben uns noch einmal gezielt umgesehen – und ja: ein paar gibt es schon; und das ist unsere handverlesene unsortierte Top 15 der Fahrzeuge, nach denen man sich nicht heute umdrehen wird – aber irgendwann demnächst… (und wehe, irgendwer sagt jetzt „Garagengold“).

  1. Rover 75
    Der Rover 75 ist nicht nur irgend ein anglophiles Auto – er ist in vielerlei Hinsicht das Ende des Automobil-Landes mit den meisten Autoherstellern, der einst tatsächlich größten Auto-Industrie der Erde. Heute schwer vorstellbar. Aber der Rover 75 hat etwas durchaus spezielles an sich und war eigentlich zu jeder Zeit seines Lebens ein guter Hingucker (mit Ausnahme des letzten Facelifts vielleicht).
    Erstaunlich: Selbst die Ersatzteilsituation ist verhältnismäßig gut – und das würde man ja nun wirklich nicht glauben. Ein echter Tip für Understater.
  2. Mercedes A-Klasse (W168)
    Zuerst mochte den ja keiner so richtig, aber Elch-Geschwätz beiseite: Die erste A-Klasse sehen wir genau vor uns als Kultobjekt großer Fan-Treffen. Die A-Klasse hat das, was die frühen Vespas hatten, was der Käfer und die Ente hatten: Entbehrung. auf einem sehr neumodischen Niveau – aber das schweißt zusammen. Die A-Klasse wird definitiv ein Sammler Hit; vor allem das Modell mit dem Lamellen-Dach, das sich praktisch über das ganze Dach erstreckt und eines der sachlichsten Cabrios der Welt aus der A-Klasse macht. Und ganz am Rande: Die A-Klasse erschien 1997 – vor ZWANZIG Jahren.

    Der Rover 75 – kein Hingucker auf den ersten Blick, britisch diskret vielleicht

  3. Mini 1 der BMW Ära
    In vielerlei Hinsicht gar kein so gutes Auto – rostanfällig, weit vom erwarteten Verarbeitungs-standard entfernt – aber eben auf eine abziehbildhafte Weise ein Original – und natürlich nicht nur mit einer Kult-Strassenlage gesegnet , sondern von Beginn an mit dem großen Programm des Individualismus. Wenn Du mit dem auf ein Treffen fährst, haben zwar alle dasselbe Auto – aber alle werden vollkommen unterschiedlich aussehen. Das wird ein Sammler-Auto
  4. MCC Smart I
    Diskutiert als das Swatch-Auto, gelauncht unter der Herrschaft des Daimler-Konzerns und vielleicht die krasseste Form der Entbehrung seit der BMW Isetta. Der Smart fährt sich übel. die bizarre Halbautomatik ist trotz aller Updates unerträglich – aber auf seine schrullige spätzneunziger Weise hat der Smart eben Kultpotential – und deshalb werden die Leute ihn sammeln, werden sich bis in den letzten Winkel mit ihm auskennen und werden ihm Bücher widmen…
  5. Alfa 156
    Der Wagen, dem die hinteren Türen zu fehlen scheinen… Aber eben nicht nur das. Nach langem langweiligem Allerweltsgetue und Einheitsbrei der kantigen Sorte allerorts launchte Alfa den 166 und den 156 – und sie taten es in der richtigen Reihenfolge. Und der Alfa 156 zeigte, dass man emotionale Autos in Großserie herstellen konnte, was hier und da schon in Vergessenheit geraten zu schien. Und hey: Er hat Alfa wieder nach vorn gebracht – ohne diesen Wagen würde es Alfa nicht mehr geben – und ein Hingucker ist er geblieben.
  6. Hyundai XG30
    Der Wagen gehört zu den großen Unbekannten – und das nicht nur, weil er schlicht kein Markenlogo auf der Motorhaube trägt, was schon irgendwie schrullig ist. Dann ist da diese eigenartige Form: Der Wagen biedert ich dem US-Publikum an – aber einem, dass es zu diesem Zeitpunkt eigentlich schon nicht mehr gab, gespickt mit historischen Design-Zitaten der 80er Jahre. Dazu ein Cruiser-Motor mit 3 Litern Hubraum, später dann sogar 3,5 als Hyundai XG350. Der XG ist eine echte Ausnahme-Erscheinung.

    Eine britische Edelmarke….? Könnte man aus manchen Perspektiven glatt meinen

  7. Jaguar S-Type
    Der Jaguar S-Type war der Unauffällige. Der XJ war ja immer cool – dann kam der S-Type als Mittlerer Jaguar -in der Mitte, weil kurz darauf der X-Type erschien, sozusagen der 3er BMW im britischen Sortiment, der dem S-Type die Show stahl – schon des Preises wegen. Aber der S-Type ist gediegen, luxuriös, britisch, diskret, ist alles, wofür Jaguar eigentlich steht – und das im Darreichungsformat eines echten Jaguar, wie er sein sollte. Wenn das nicht mal cool wird. Und auch schon 18 Jahre her, dass der auf den Markt kam. Im Übrigen: erschwinglich und technisch im Detail weit weniger komplex, als man vermuten würde.
  8. Lancia Thesis
    Als Lancia schon im Prinzip dem Untergang geweiht war, kam der Lancia Thesis, der derartig cool war, derartig individuell, derartig… So eben, dass ihn keiner kaufte….
    Wirklich schade, denn der Thesis hat schon seinen Charme. Der liegt vielleicht nicht unbedingt in der detailverliebten Verarbeitung, sondern eher in der Liebe zur Leder-Auswahl und ähnlichen Themen – und in einer Karosserie, die beim Erscheinen ein Hingucker war und immer einer bleiben wird.

    Renault Avantime – – Geile Linie – aber versuch mal, mit diesen Türen, in einer engen Parklücke aus dem Wagen zu kommen…

  9. Peugeot 607
    Der 504 war cool, der 505 war cool – 604 und 605 waren besondere Autos der Oberklasse, wie man sie außerhalb Deutschlands definiert – und der 607 hatte eigentlich das Zeug, wieder durchzustarten. Eine ausladende Karosserie mit einer sehr coolen Linie, einem sauberen Fahrwerk, teilweise toller Innenausstattung und ausgezeichneten Langzeitqualitäten – und einer leider in Teilen sehr französischen Verarbeitung, auf die der böse Germane nur gewartet zu haben schien. Dennoch: Ein tolles Auto. Retten, bevor es zu spät ist, denn ein cooler Hingucker ist er jetzt schon.
  10. Renault Vel Satis / Avantime
    Vielleicht das letzte Mal, dass irgendjemand Mut bewiesen hat und ein Auto auf den Markt brachte, das wirklich nicht den vorgefertigten Standard-Maßen der Klasse entsprach, sondern so aussah, wie die Jungs bei Renault sich das überlegt hatten. Avantgardistisch, exotisch, bis ins Bizarre – und ein echter Hingucker, erst recht dann, wenn man den Avantime mit einbezieht, sozusagen das Coupé und in diesem Segment wohl das abgefahrenste, was man in den letzten 20 Jahren überhaupt kaufen konnte.
  11. Volvo S80
    Nach der Kante läutete der Volvo S80 die neue Formensprache bei Volvo ein – mit seinen breiten Schultern, den Rundungen – das hatte damals niemand so recht auf der Rechnung gehabt. Technisch nicht in allen Dimensionen gut – aber dennoch irgendwie ein ziemlicher Volvo auf seine Weise, sieht man einmal von den teilweise schrägen Inneneinrichtunsgdetails ab und natürlich von der Klimaautomatik, die sich normaler Bedienlogik zu entziehen scheint und einen starken eigenen Willen hat. Der Volvo S80 wird seinen Weg machen.
  12. Mazda RX8

    Portaltüren… und das ist nur eine der Abweichungen vom Mainstream

    Der RX7 war ja schon ein ziemlicher Killer mit seinem Wankelmotor. Geerbt vom Ro80, dem vielleicht exotischsten Deutschen Großserienauto überhaupt, zur Blüte gebracht durch japanische Perfektion… lässig. Und dann kam der RX8, der leider das Ende des Experimentes werden wollte. Gesegnet mit 4 Türen, von denen die hinteren praktisch geheim waren und portalartig öffneten – kann man mehr an Gegen-die-Strömung in einem Wagen unterbringen? Nur Citroen hätte das gekonnt.

  13. Mercedes SLK
    Im Grunde ist der Mercedes SLK aus heutiger Sicht gar kein so besonderes Auto – ein Blechdachcabrio eben. Aber das ist der Punkt: Das ist so, wie heute mit Deinen Teenager Kindern „Alien 1“ zu schauen – die werden sich langweilen. Aber der SLK war eben der Wagen, der es möglich gemacht hat. Sein Fahrwerk mit dem kurzen Radstand kann was und Wertverlust hat der SLK schon lange hinter sich. Wie bei guten Mercedes der Vergangenheit zählt einzig der Zustand. Und das wird auch so bleiben.
  14. Der frühe Boxster
    wie so viele Fahrzeuge, die eine Marke nach unten erweitert haben, ist der Porsche Boxster von Tag 1 an von geringem Wertverlust geprägt gewesen. Das war bei 190er Mercedes sicherlich am extremsten, aber beim Boxster kommen die Porsche Gene hinzu, die ja immer für geringer Wertverlust liegen. Das Fahrwerk ist auch nach heutigen Maßstäben ausgezeichnet, das Cabrio Feeling toll. Der Wagen ist ein bisschen wie 911 mit weniger Kompromissen. Sogar der Kofferraum schafft eine Kiste Wein oder zwei.

    Flach, klein, leicht, erfolglos: Der Smart Roadster – ein Wagen aus der Rubrik „Autos, die keiner kennt“

  15. Smart Roadster
    EInes der individuellsten Fahrzeuge, die es in jüngster zeit gab – in nichts richtig gut aber dafür irgendwie einer dieses Hingucker, nach denen man sich eher aufgrund ihrer Schrulligkeit umschauen muss. Technisch bizarr und sicherlich nichts für Anfänger – auch fahrerisch sicherlich alles andere als eine Offenbahrung – ein echter Dickkopf mit Mut, weit außerhalb des Mainstreams zu surfen. Hätten sie ihm einen Zweitakter oder einen Dreizylinderboxer eingebaut – niemand hätte sich gewundert. Wie so oft: Der Markt belohnte es nicht – nach zwei Jahren und knapp über 30.000 verkauften Einheiten war Schluss.

Und wem das alles zu alltäglich ist – den Bentley Continental gibt es hier und da auch schon für unter 30.000€ – und selbst der Maybach ist schon für 45.000 gesehen worden – soviel wie ein gut ausgestatteter Golf… aber einen Tod musst Du sterben: Für das Geld gibt es nur die kurze Version…



9 Gedanken zu „Nach wem drehst Du dich morgen um? (Nein, kein Garagengold….)

  1. ich fahre momentan als Alltagsschlampe einen Mercedes S210. Der hat Rost an allen üblichen Stellen. Aber wenn ich drin sitze, sehe ich den ja nicht. 😉
    Zu euerer Top 15:
    Nr. 1, Rover 75: passt in mein Beuteschema, von den Dingern (mit Land davor) hab ich ja schon ein paar (ja, andere Firma, ich weiss)
    Nr. 2, 4, 15: umdrehen? Ja, mit grausen. Und zwar in die Richtung, in der man die Geschwüre nicht sehen muss. Schlaglochsuchgeräte per excellence. Mit dem Kram findet man auf dem ebensten Strassenbelag ein Schlagloch. 100%ig.
    Nr. 3.: Mini? Nicht wirklich, aber Maxi Heavyweigt wäre ein doofer Name gewesen.
    Nr. 7,, Jaguar S-Type hat dasselbe Problem wie Nr. 9, Peugeot 607 – tolle Autos, gibts aber nicht als Kombi. Daher leider sinnlos.
    Nr. 11, Volvo S80: das was doch das Auto mit der komischen Karosserieform, dass es in sinnvoll auch als V70 gab…?
    Nr. 13, Mercedes SLK: die Daimler-interne Bezeichnung für SLK war „Schlampen Laster Klein“. Noch Fragen? 😉

  2. Bliebe noch neben meinem Smart Roadster – im wesentlichen ein munteres Gokart mit Nummernschild und rudimentärem Wetterschutz – mein Honda Insight 1 zu nennen, meines Wissens der erste Hybrid hierzulande. Allerdings wurde er nur in homöopathischen Dosen verabreicht. Ein Hingucker ist er aber erfahrungsgemäß auf jeden Fall.

  3. Den Audi A2 würde auch dazuzählen. Technisch und vom Design her seiner Zeit weit voraus – nur haben das damals nur 150.000 Käufer gemerkt.

  4. Ich würde auch noch das BMW Z3 Coupé dazunehmen. Von dem wurden nur 17.815 Stück gebaut, vor allem, weil wohl das „Turnschuh“-Design ziemlich polarisiert hat.

    Mittlerweile aber durchaus begehrt.

  5. Wonach UMDREHEN?! Natürlich nach Jaguar, Rover und Mazda. Als Schrulliger Exot noch der Hyundai oder Lancia. Aber der Rest?
    Entweder lange in Abwandlungen ähnlich gebaut oder nicht wirklich die Hingucker (noch nicht mal zum wundern). Und absolute „Stangen“-Autos wie der Volvo, Porsche (sehen sowieso alle gleich aus – frag‘ Jeremy!),Peugeot oder die A-Klasse sind in 20 Jahren auch nicht die Rausreißer.

    1. @Hansen : Auch wenn es nicht jedem gefällt. Jeder Porsche hat es bisher „rausgerissen‘. Mittlerweile fährt einer unserer Geschäftsführer zum Spaß einen 944 in rot mit Fuchsfelgen – vor 10 Jahren undenkbar. Wer sich nicht jetzt ( oder in den letzten 2 Jahren ) einen gepflegten Boxter aus erster Hand für weniger als 10.000 Euro weggestellt hat wird die Autobörsen in Zukunft wohl mit tränenden Augen durchsuchen. Den Rest der LIste kann man mit weniger Kalkül betrachten – nachvollziehen oder innerlich den Kopf schütteln – ich persönlich hatte 9 Jahre eine A-Klasse als Firmenwagen, empfand ihn als Elend – und werde mich wahrscheinlich in einigen Jahren danach umdrehen 🙂

  6. Zu den skurrilen französischen Wagen der gehobenen Mittelklasse zählt auf jeden Fall auch der Citroen C6. Der wird mal ähnlichen Status wie CX und XM erreichen.

    Daneben sind quasi alle jüngeren Modelle der untergegangenen Marke Saab nicht zu vergessen. Die beginnen schon zu verschwinden.

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