Der Youngtimer-Van vor dem Van: VW Bus T3

Wenn Du mit mehr als 5 Personen auf Reisen gehen wolltest, konntest Du früher nicht einfach einen Sharan kaufen – entweder Du kauftest einen US-Wagen mit durchgehender vorderer Sitzbank, einen der W123er oder Volvos mit Bank für 2 Personen im Heck, einen Transit, der stark als Nutzfahrzeug galt – oder ja: Du kauftest einen VW Bus.

Die Sachlichkeit des VW T3 hat schon beinahe etwas Vorwurfsvolles. Neben der sachlichen Promo-Fotografie von VW wirkt ein zeitgenössischer Ford Transit schier verspielt

Der heutige Youngtimer T4 war da schon sehr Passat-nahe und sprach auch die Leute an, die sich heute einen Sharan kaufen würden – der T3 hingegen war noch aus anderem Holz geschnitzt und ein echter Abenteurer.

Technisch stammte der T3 noch aus der Phase der Käfer-Philosophie – Motor hinten, Luftkühlung (später dann Wasser), Boxermotor – in vielerlei Hinsicht vielleicht die schwachsinnigste Herangehensweise an das Thema Laderaum – beim VW Bus T3 aber selten exzellent gelöst. Der Motor verschwindet beeindruckend flach unter der Ladefläche, ist dort zumindest in wesentlichen Teilen noch bemerkenswert zugänglich und gibt Raum für eines der quaderartigsten Autos, die es je gab. Der VW Bus T3 ist die Reinform des umbauten Raumes – kein Laderaumverlust durch Windkanal oder Knautschzonen und ähnliche Dinge – das gab es später nie mehr und wird auch nie mehr machbar sein. Neben dem T3 wirkt der betont sachliche Vorgänger T2 regelrecht verspielt. Beeindruckend in dem Kontext: Der Luftwiderstandsbeiwert des T3 ist mit 0,40 in der Grundausstattung nicht schlechter als etwa der eines zeitgenössischen VW Jetta – und auch der Nachfolger, der gefühlt bedeutend windschnittiger daher zu kommen scheint, liegt zwischen 0,36 und 0,39.

VW T3: Deutsche Ingenieurskunst….

Whow – Exemplare wie dieses findest Du heute viel zu selten – und wenn, dann kosten sie schnell auch mal 12.000€ – der Fantasie scheinen hier im Moment keine Grenzen gesetzt zu sein, was die Preisgestaltung angeht.

Darüber hinaus zeigt sich diese Art der Kunst sicherlich auch in den verbauten Fahrwerkskomponenten, die den Bus mit einer erheblich besseren Strassenlage ausstatteten, verglichen mit dem direkten Vorgänger. Das rüstete den T3 für eine Bauzeit von guten 14 Jahren – im Kern von 1978 bis 1992, zum Teil mit Überlappungen zu VW T2 und VW T4. In dieser Zeit reifte der Bus und wurde so eine Art kleines Epi-Zentrum der damals sogenannten „Freizeitgesellschaft,“ die in den 80er Jahren bereits als Realität propagiert wurde. Nicht im grundsätzlichen wissenschaftlichen Sinne – in der Realität ging es eher darum, nach Feierabend, der mit der 35-38,5 Stunden-Woche ja immer früher kam nicht faul auf dem Balkon zu sitzen, sondern vielmehr seine Freizeit aufwändig durch das Mitnehmen von Fahrrädern aufzuwerten…

Nicht gerade mega-komplex – aber Du musst erst mal eine gute Position finden, um dran zu arbeiten

Da kam der VW T3 gerade recht. Der T2 schien den Spät-Hippies und Studenten zu gehören – aber der T3 erlebte durch die gesellschaftlichen Anforderungen einen echten Höhenflug. Mit dem Herzen eines Nutzfahrzeuges gestartet, etablierte sich der T3 weit stärker noch als sein Vorgänger als Familientransporter erster Güte und gewann dabei gleichzeitig Dinge wie Velourspolster und ähnliche Annehmlichkeiten hinzu, gar Carat-Ausstattungen, die in der Wahrnehmung der Wolfsburger Ausstattungs-Geizhälse schon als schier unanständig luxuriös eingestuft werden müssen – zumindest rückblickend betrachtet…

Der T3 wandelte sich auf diese Weise zunehmend zu einem Transportmittel, das in breiten Gesellschaftsschichten Anerkennung fand – was in den 70er und 80er Jahren bei Fahrzeugen dieser Art noch vollkommen unüblich war und beispielsweise dem Ford Transit, damals der einzig relevante Mitbewerber in Deutschland, so nicht gelingen konnte – der blieb primär den Feuerwehren und ähnlichen Nutzern vorbehalten, die Transporte organisieren mussten, aber nicht eben Urlaube an die See mit 3 Teenagern an Board oder Kurztrips nach Amsterdam ohne Campingplatznutzung.

VW T3 innen

Kein „Luxus“ im herkömmlichen Sinne – eher das, was man sich in Wolfsburg darunter vorstellte. Die Preise jedoch zeigten bereits steil Richtung Oberklasse

Und VW presste diesen stärker werdenden Trend aus bis zur Neige: als bezahlbares Nutzfahrzeug gestartet, drang der „Bulli“ gegen Ende seiner Laufbahn in Preisregionen vor, die bis dahin oft Fahrzeugen der gehobenen Mittelklasse oder Oberklasse vorbehalten waren. Starteten die Basisversionen zu Beginn der Achtziger Jahre noch deutlich unter 20.000 Mark, konnte man am Ende für einen Caravelle Carat auch mal 65.000-80.000 Mark investieren – ein paar Tausend Mark darüber fing der Mercedes W140 an…

Ebenso stabil: Die Youngtimer-Preise des VW T3. Waren die Preise des T2 teilweise schon absurd – die Preise des T3 heben derzeit an, das locker zu übertreffen… Ohne Gesichtsröte werden da heute wieder dicke fünfstellige Summe aufgerufen… und das nicht nur für die Spitzenexemplare – der VW Bus T3 ist ganz klar eines der Fahrzeuge, deren Hype bei vielen gezielt genutzt wird, um Kasse zu machen, ganz speziell mit den luxuriösen Caravelle Modellen und Umbauten mit Hochdächern und Wohnmobil-Charakter verschiedener Tiefe und Breite.

Freizeitgesellschaft – zeitgenössisch in Szene gesetzt

Dabei ist der T3 pauschal nicht einmal ein ganz so unproblematisches Auto. Oft deuten schräge Biografien genau auf die Probleme hin -und da gilt es, hellhörig zu sein.

Der T3 ist Rost gegenüber nicht abgeneigt – und der zeigt sich oft in nicht so leicht zugängliche Höhlen. Sichtbar ist das immer leicht an den Karosseriefalzen – hier wird aber auch viel mit „Lässigen Neulackierungen im Stil der Zeit“ geschludert, die nichts anderes tun sollen, als den schlimmsten sichtbaren Rost zu verdecken. Wir kennen diverse Fälle, in denen die Historie dieser Neulackierungen schnell zeigt, dass die schlicht notwendig waren, um den Wagen zusammenzuhalten – ein Anruf beim Lackierer wirkt hier oft Wunder. Tatsächlich gibt es Hipster-Exemplare, die tatsächlich mit viel Liebe und Geldeinsatz zum perfekten zustand gebracht wurden – aber die werden eben nie nach nur 2 Monaten verkauft – da ist bei so einem Fahrzeug immer Misstrauen angesagt. Immer.

Fortschritt

Die Camping-Exemplare neigen generell durch Umbauten und Art der Nutzung zu Rost – die bemerkenswerte Dichtigkeit der VW aus diesen Jahren tut hier bei Mobilen, in denen geschlafen wird, oft schon ihr übriges. Anfällig auch: Die Schiebetüren, die Wagenheberaufnahmen, die Radläufe und alle Schweißnähte – und das ist nur der eindeutige Karosseriebereich – weiter geht es mit Stabilisatoren, mit Getrieben und vor allem mit den Dieselmotoren, die zu Problemen mit den Zylinderköpfen und Dichtungen neigen – Repartur: stets teuer und aufgrund der Einbau-Lage sind hier manche Dinge nicht ganz so einfach „mal eben so“ zu machen wie bei normal platzierten Motoren – und zu allem Überfluss kennen sich viele Mechaniker mit den Wagen nicht mehr gut aus. Die durchgängig verbauten Boxermotoren (Ausnahme: Die Diesel) sind hier für viele schon eine reichliche Hürde.

Häufig finden sich auch in diesem Bereich lustige Umbauten – so passt beispielsweise der 1.8er R4 aus dem Konzern durchaus in den VW Bus – der Motor aus Passat, Golf I GTI und Golf II also. Der Umbau erfordert neben Liebe, Geschick und Nerven auch thermische Kenntnisse, die nicht jeder besitzt. Auch hier ist grundlegend Vorsicht geboten. Gut gemacht ist die Paarung ein Traum – der ohnehin sehr ausgeglichene Motor geht eine sehr harmonische Paarung mit dem Fahrzeug ein – Die Leistung, die irgendwo zwischen 90 und 110PS liegt, ist schier ideal.

Nichts für schwache Nerven…. 😉 [https://www.youtube.com/watch?v=mrOtMLchwjo]

Die normalen T3 liegen in der Leistung deutlich darunter – die luftgekühlten Boxer müssen mit 50-70PS auskommen, die Wasserboxer bringen es bis auf damalige GTI Werte: 112PS maximal – bei gut 1400 kilo Grundgewicht sind die kleineren Motoren nicht mehr das, was man heute gerne für die Fernreise verwendet… Dennoch: Sie sind nicht im klassischen Sinne langsam. Schon allein deshalb, weil die gefühlte Geschwindigkeit im T3 immer extrem hoch ist, oft schon im 2. Gang.

Die ersten paar Abbiege-Vorgänge wollen darüber hinaus ebenfalls wohl überlegt sein: Da man auf der Achse sitzt, neigt man dazu, weit früher einzulenken, als wirklich notwendig ist. Anfänger rammen da schon mal das eine oder andere Hindernis auf der rechten Seite und sind dann überrascht…

Diese Art Nutzfahrzeug-Feeling macht auf der anderen Seite viel des Charmes aus, den der VW Bulli der dritten Generation auch heute noch ausstrahlt – das hat noch viel vom Captain’s Feeling, mit dem gehst Du auf große Fahrt, der will beachtet und beherrscht werden – und dazu braucht es den Chef am Lenkrad. Hier schmeckt Fahren noch Handwerk, Können und Abenteuer – hier wirken ferne Länder noch fern. Sieht man mal davon ab, dass ein VW Caravelle in Handwerker-Ausstattung nicht mehr unter 36.000€ zu bekommen ist – das Gefühl kann man neu so nicht mehr kaufen, für kein Geld.



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