Gewusst? Youngtimer Blogger verdienen mehr als Investment-Banker

Da es ja nun so aussieht, als müssten wir das Versprechen eines Bilderwettbewerbes dieses Jahr eventuell doch schnell einlösen als erwartet, haben wir wieder lange Diskussionen über ein neues Abstimmungsverfahren und wie wir das diesmal organisieren. Tatsächlich hat uns ein cooler Stammleser hier vor einiger Zeit mal den interessanten Gedanken zugeworfen, doch einfach mal ein paar Leute aus der Szene als Jury zu laden – das fanden wir eigentlich mal eine geile Idee und haben uns ein paar Gedanken gemacht.

Irgendwann war die Idee geboren, hier vielleicht eine gemischte Jury zu haben und das ganze irgendwo in einem Live-Stream durchzuziehen, bei dem alle an verschiedenen Orten sind und wir sie virtuell als Jury zusammenschalten. Ja, das klingt lässig – youngtimer-blog.TV – also schreibst Du mal ein paar Blogger an. Den einen oder anderen hast Du hier und da schon getroffen, die meisten kennst Du zumindest mal schriftlich – ein paar Köpfe haben da doch einen ganz coolen Eindruck hinterlassen. Also: Mal ein paar Adressen und Kontakte heraus gesucht und dann schreibst Du einfach mal ein paar von denen an, die Geschmack und Meinung haben.

Falls Du sie nicht kennst: Einfach mal Teenager im näheren Umfeld befragen – die kennen sie immer

Jetzt sind wir ja Menschen von eher simplen sozialen Zuschnitt und denken, dass die Leute das doch wegen des Spaßes machen und wegen des Kontaktes mit der Szene und wegen verschiedener anderer gute Gründe oder sei es einfach nur, um einen Vorwand zu haben, sich mit dem Thema intensiv zu beschäftigen.

Blogger bist du ganz sicher jedenfalls mal nicht des Geldes wegen.

Relativ quick trudeln die ersten Antworten ein. Gleich die Erste gestaltet sich abweichend von dem, was wir uns vorgestellt hatten.

„Hm… Ja… wie schätzt ihr denn den Zeitaufwand dafür ein? So einen Livestream muss man doch vorbereiten und wenn ich in der Jury sein soll, dann möchte ich da nicht einer unter vielen sein – maximal drei Leute. Und ich will vorher die Blogs von denen intensiv […] lesen, um zu wissen, ob die auf meiner Linie liegen – damit ich da nicht in falsches Fahrwasser gerate. Vorher kann ich das nicht mit meinen Sponsoren abstimmen.“

WHAT??

Das ist einer dieser Blogger, die gänzlich anders klingen auf ihrem Blog… Und wir sind ja noch in der Phase, wo wir einfach nur mal die Idee mit ein paar Leuten ausloten wollten – so wie du mal in den Raum wirfst „Wir könnten doch mal wieder ins Kino gehen…“

Naja – sicher ein Ausrutscher… Während wir uns gerade noch wundern, was mit unserem Planeten nicht stimmen mag, trudelt eine ähnliche Mail ein, am Morgen drauf dann schließlich der Killer: Kurze Mail, Zweizeiler, 2 PDFs im Anhang.

Ein PDF mit Titel „LOI-basis-2016-november-unsigned“ und ein PDF mit dem klangvollen Namen „Tantiemen-rahmenbedingungen_2017“. Du überlegst, ob Du es dir leisten kannst, die PDFs anzuklicken oder ob Du vorher einen erfahrenen Wirtschaftsjuristen in die Sache einbeziehen solltest… Klick ich da jetzt drauf?

Der „Letter of Intent“ beinhaltet tatsächlich mehrere Referenzen auf das zweite Dokument. Darüber hinaus finden sich hier Begriffe wie „Vertraulichkeits-Vereinbarung“ „Stand der Verhandlungen“ oder „Partei 2, Im folgenden als ‚Youngtimerblog“ bezeichnet“…

??? Wir brauchen Verstärkung…. auf einem geteilten Skype Screen schließlich öffnen wir gemeinsam „Tantiemen-rahmenbedingungen_2017“ Kurzfristig kommt die Frage auf, warum wir eigentlich keine amtliche Preisliste für Teilnahme an Live-Events haben und längst einen Maybach fahren. Die Frage stellt sich umso mehr, als wir einen gemeinsamen Blick auf die Summen werfen, die da aufgerufen werden.

Guys, are we kidding? Is there a hidden cam somewhere in the back?

Kollektive Spontan-Wahrnehmung: Da muss es sich doch um einen Fehler handeln…. Kann den jemand ernsthaft….?

Lassen wir uns hier vielleicht mal einen Benchmark finden. Bibi, eine der erfolgreichsten Social Acts, verdient irgend etwas zwischen 80.000 und 120.000 Euro. Manch einer ist froh, wenn er das in zwei oder drei Jahren verdient – Bibi verdient das im Monat. Gerechnet auf 22 Arbeitstage liegen wir da also unter Freunden bei 4.000€ – und nochmals – das ist ein Spitzeneinkommen einer ungemein prominenten Youtuberin, die sich mit irren Reichweiten und eine sehr spezifischen Zielgruppe in eine Top-Liga gespielt hat – upper end Highcalss.

Wie wir lernen müssen, gestattet sich der feine Herr Youngtimer-Blogger, den wir angeschrieben hatten, einen Tagessatz von 3.200€ aufzurufen – eine Abrechnung kleinerer Einheiten wie Stunden sei aus verwaltungstechnischen Gründen nicht möglich, wie klein geschriebener Text auf Seite 3 der PDFs erklärt. Klar: Das ist natürlich ohne Spesen und so.

Klar, sagen wir uns, das versteht sich ja wohl von selbst…. von 3.200€ am Tag kann ja wohl kaum noch jemand seine Spesen decken – wir leben in einem echten Hochpreisland – und da soll unseretwegen niemand verhungern müssen, nur, weil wir ihn 15 seiner kostbaren Minuten in einem Livestream sehen möchten. Für einen Livestream, so erklärt Paragraph 21 des PDFs, sind die Aufwandsentschädigungen immerhin klar geregelt – hier fällt eine „Infrastrukturpauschale“ von 30€ als Setup-Gebühr an, sowie 10€ pro angefangener 5 Minuten (Wir reden hier von der Nutzung eines Internetverbindung, nur zur Sicherheit).

Das ist dann so der Moment, wo dir langsam klar wird, warum abgehalfterte Stars aus der Schwarzwaldklinik immer noch so ein dümmliches Grinsen hervorbringen, wenn sie irgendwo einen Baumarkt eröffnen oder den Weihnachtsmann auf einer C-Level Firmenparty geben, denn die waren wirklich mal bekannt. Was mag Gaby Dohm heute noch als Tagessatz aufrufen können, wenn sie zwischen ihren Uta Danella-Verpflichtungen irgendwo aus einer Torte hüpft?

Wir wollen diesen Gedanken aus verschiedenen Gründen nicht weiter vertiefen… Klar ist: Wir können uns offensichtlich nicht mal einen semiprominenten Blogger leisten, dessen Zielgruppe so spitz ist, dass er nicht mal in Erniedrigungs-Kochshows minderbemittelter Privatsender auftreten darf. Wird dringend Zeit, dass wir unseren Agenten feuern…

Immerhin: 2 Leute haben sehr freundlich zugesagt, das wollen wir mal nicht verheimlichen. Vielleicht hat die Welt doch einen guten Kern, irgendwo…



2 Gedanken zu „Gewusst? Youngtimer Blogger verdienen mehr als Investment-Banker

  1. Ist doch schön, wenn jemand mit seinem Hobby Geld verdienen kann.

    Oder anders ausgedrückt: Da wird dem extrovertierten Ego mit ausgeprägter Profilneurose auch noch Vorschub geleistet, indem man ihm ordentlich Geld in den Rachen wirft.

    Ich hab den Blogger-, Youtube-Hype auch komplett verschlafen. Blogs gibt es schon lange und genauso lange lese ich auch den ein oder anderen. Aber das sich damit derartig viel Geld verdienen lässt und dass sogenannte „Youtube Stars“ von der Teenie Generation mittlerweile wie Popstars gefeiert werden, kann ich nicht verstehen. Ich ging bisher immer davon aus, dass produzierter Content in irgendeiner Weise bildend, spannend, gemeinschaftsstiftend, etc. sein müsste, um Geld zu bringen. Aber häufig ist nichtmal ein inhaltlicher Mehrwert vorhanden, der die Beiträge über einem gewissen Bullshitlevel hält. Wenn ich mir überlege, dass es mittlerweile gesellschaftsfähig ist, anderen beim Konsolen-/PC spielen zu zusehen und der Spieler allein damit seinen Lebensunterhalt locker bestreiten kann, kommen in mir arge Zweifel hoch.

    PS:
    Wenn ich in dieser Form ein- bis zweimal pro Woche meinem Unmut Luft mache und das Machwerk öffentlichkeitwirksam bei Youtube hochlade, könnte ich mir ein evtl. ein nettes Sümmchen dazuverdienen… 😉

  2. Schon mal folgende Leute gefragt:
    Bernd Frank, alias KLE?
    Sandmann von Sandmanns Welt?
    Lukas Wieringer?
    Olaf Steenbock, alias OST?
    Und die Jungs von Alltagsklassiker.at?
    Grüsse aus der Schweiz
    Domi

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