Fast schon Niva-Status: Neuwagen und Youngtimer Suzuki Jimny

Suzuki Jimny – Als junger Journalist hatte ich das Glück bei der legendären Presse-Premiere des Suzuki SJ-Nachfolgers teilzunehmen. Das waren Zeiten, als Wörter wie „Compliance“ noch nicht nach Deutschland vorgedrungen waren. Du nahmst Einladungen an, die dich in Schlösser im Ausland führten – nur keine Fragen stellen….

Suzuki Jimny

Gerade bei unseren Ausflügen ins Friesische haben wir den kleinen Suzi immer zu schätzen gewusst

Die Zeiten haben sich massiv geändert seitdem – der Suzuki Jimny nicht.
Unter uns Journalisten war das damals eine komische Situation: Wir fanden den Wagen allesamt spontan sympathisch, keine Frage. Aber irgendwie war auch klar: Gefühlt hatte Suzuki hier einfach zu wenig getan – der Jimny sah aus wie ein facegelifteter Suzuki Samurai – und der war unter dem Namen „Suzuki SJ“ bereits 1981 erschienen… Puuh – was sollte man da jetzt als junger Journalist schreiben.

Ich kann mich outen: Ich wählte einen faulen Kompromiss und schrieb einen ausgiebigen Artikel über Kei Cars, in die ich den „neuen“ Suzuki einordnete. Na gut – das war feige, aber ich erhielt eine Menge Lob. Und wie gesagt: Das Hotel war toll – was sollte man da böses schreiben? Etwa, dass der Wagen entschieden zu teuer geraten war, ohne dafür den rechten Fortschritt zu bieten? Also bitte

Klar – aussehen tut auch der neue Suzi wieder wie ein Jimny…

Heute schaust Du auf den Suzuki Jimny ganz anders. 2018 soll der Jimny ersetzt werden – nach satten 20 Jahren Bauzeit. Und natürlich wird man ihn nicht vollständig ablösen: Für diverse Schwellenländer bleibt er natürlich im Programm. Warum? Weil es einfach keine Alternative gibt, die man irgendwo kaufen könnte.

Wer bei uns Tests des Suzuki Jimny liest, der erfährt stets, dass der Wagen zu hoch ist bei gleichzeitig zu schmaler Spur und zu kurzem Radstand – das kommt der Germanen-Fahrstil nicht entgegen – Querbeschleunigung, Höchstgeschwindigkeiten und ähnliches sind hier irrelevant.
Andernorts ist der Wert des kleinen Suzuki Allraders ein gänzlich anderer. Der Suzuki ist brutal geländegängig (und da spielen Querbeschleunigungen und Höchstgeschwindigkeiten eben keine Rolle….) und zudem auch noch brutal robust, haltbar und leicht zu warten. Würden wir heute noch in den 80er Jahren leben, wäre eins klar: Osteuropa würde sich schon seit Jahren um die Lizenzrechte des Suzuki Jimny reißen, um ihn noch 30 Jahre zu bauen…. Immerhin haben die den Lada Niva.

Suzuki Jimny innen

Innen natürlich auch eher schlicht – aber eben so, wie es in den Japan-Innenräumen auch schon Ende der 80er aussah

Und das ist auch gut so, denn eins ist klar: Wenn der neue Jimny kommt, dann wird der natürlich irgendwie hip aussehen und sicherlich irgendwelche Retro-Design-Zitate haben, die ihn in die Zeitreihe mit seinen großen Vorfahren stellen. Es wird einen quirligen 90PS Motor aus dem Suzuki Ignis geben und jede Menge kruder Assistenz-Systeme. Und ja: Es wird keinen einfachen simplen Jimny mehr für die Entwicklungsländer geben, keinen technisch einfachen Wagen mehr, in dem selbst das ESP grotesk wirkt.

Der Jimny ist – wie auch seine Vorgänger – eines dieser idealen Umbau-Objekte: Zusammengehalten von Schrauben, die jeder versteht; übersichtlich verschraubt, leicht zugänglich, nachvollziehbar. Und all das wird fehlen – und das werden wir vermissen.