Was kann denn eigentlich der S4 – und würdet ihr 15.000 für den zahlen?

Die beste Mail, die wir dieses Jahr bekommen haben, las sich in der ersten Sekunde ganz einfach und wie eine dieser Mail, die wir in regelmäßigen Abständen bekommen

Was kann denn eigentlich der S4 – und würdet ihr 15.000 für den zahlen?

Intuitiv überlegst Du Dir Was kann denn der S4, was wissen wir über den, wer von uns hatte mal einen, welche Clubs kennen…. Moment mal –

Der S4?? Welcher denn??

Audi 100 C4 weiss

Vom Audi 100 gab es einen S4 – aber selbst bei Audi war und ist das keine wirklich eindeutige Modellbezeichnung…

In einer kurzen unterhaltsamen Diskussion kommen wir spontan auf sieben verschiedene S4:

  1. Porsche 928 S4
  2. Audi S4 B5
  3. Audi 100 s4
  4. Lancia Delta S4
  5. Lotus Esprit S4
  6. Iso Rivolta S4
  7. Lotus Elan S4

…und garantiert haben wir dabei auch noch welche vergessen, oder?

Lieber Absender, da Du uns auf Nachfrage nicht antwortest: Wir wissen jede Menge über ein Paar der S4s – vom Iso Rivolta mal abgesehen, über den wir schier gar nichts wissen, der aber geil aussieht…

Iso Rivolta

Was man über den Iso Rivolta wissen müsste, wissen wir nicht

Auffällig aber: Die Anfragen der Art häufen sich und auch ein paar Ex-Kollegen und Freunde aus anderen Redaktionen und den großen Oldtimer-Redaktionen bestätigen uns das Thema: Immer mehr Leute, die keinerlei Ahnung haben, interessieren sich plötzlich für Oldtimer – aber leider auf dem Niveau von „Was wisst ihr denn so über Wertpapiere?? Könnt ihr die empfehlen, taugen Wertpapiere was??“ – denn am Ende ist es oftmals genau das, worum es an der Stelle mal wieder geht – das sind nicht nur Pseudo-Hipster und echte Hipster, sondern in großem Umfang auch Leute, die nach Garagengold der neuen Art suchen – und wir hatten uns damals Gedanken über Youngtimer für Weicheier gemacht…

Die neuen Jäger suchen nach Garagengold als echtem Investitionsgut – abwaschbar, unauffällig, wertsteigerungstauglich. Kürzlich interviewten wir eine Oldtimergarage in Frankfurt. Die nehmen recht stattliche Gebühren für die trockene Unterkunft. „Früher war das mal der Abstellplatz über den Winter – dann kamen die Leute, die ihre Autos nur für 4 Wochenende im Jahr herausholen wollen – und seit zwei oder drei Jahren häufen sich die Anfragen derer, die die Wagen gar nicht fahren wollen. Die kaufen die Autos, lassen sie hierher transportieren und sagen ganz klar, dass sie sie die kommenden 3 Jahre nicht abholen wollen, eher vielleicht 4 oder 5 Jahre. Und das sind nicht mehr Flügeltürer und andere coole Exoten, eher mal ein 8er BMW oder auch ein E36er oder 46er M3 oder so. Mit den Autos wollen die aber nichts zu tun haben.“ Irgendwie klar: Du gehst ja auch nicht einmal im Jahr zur Bank und schaust Dir deine Wertpapiere an…

Deckt sich tatsächlich auch sonst mit den Anfragen, die bei uns eingehen – immer dann wenn es um Wertsteigerung dreht, geht es um die Top-Modelle und auffälligen Fahrzeuge der jüngeren Generationen. Hier ist der Werthebel, sofern es einen gibt, naturgemäß größer, die gepflegten Exemplare häufiger. Manche werden praktisch schon in erster Hand gesammelt, wenn auch nicht in größeren Maßen.

Ende letzten Jahres rief uns mal ein Vertreter der „seriösen Presse“ an und wollte ein Interview mit uns machen – nur, um dann nach 5 Minuten auf den Modus umzuschalten „mal so aus privatem Interesse – was würdet ihr denn empfehlen, wenn man so 10.000€ hat, die man in einem Youngtimer als Wert…“ Krck.

Das Thema hat eine neue „Qualität“ angenommen…




4 Gedanken zu „Was kann denn eigentlich der S4 – und würdet ihr 15.000 für den zahlen?

  1. Moin,
    es ist zwar traurig, aber wahr. Bei soviel Hype, wie in den letzten Jahren um das sogenannte Garagengold gemacht wurde – auch von der Presse befeuert – darf man sich nicht wundern, dass quasi eine Renecaince der Goldgräberstimmung des frühen 19. Jahrhunderts einsetzt. Ich hoffe, ihr bleibt euch treu und berichtet weiterhin so interessant und informativ wie bisher. Lese eure beiträge immer wieder gerne.
    Ach ja, ich besitze und fahre ein Audi Cabriolet, Typ 89 von 1993.
    Das ist für mich Kulturgut, damit habe ich unendlich viel Spaß und ich verschwende keinen Dedanken daran dieses Schmuckstück zu verkaufen. Sowas vererbt man.
    Viele Grüße, Ralf

  2. Naja, so ist die allgemeine Zinskrise auch auf dem Old/Youngtimermarkt angekommen. Natürlich interessieren sich die Typen nicht für schöne Autos. Hier ist allein die Dividende interessant. Denn es gibt derzeit nicht mehr viele Investitionen, die Geld abwerfen. So wird neben der Trinkwasserversorgung, dem Pflegebusiness, oder Bildungseinrichtungen eben auch der Automarkt nach profitablen Möglichkeiten abgegrast. Das nennt man dann Kapitalismus.

  3. Ist die ganze Garagengold-Geschichte nicht nur eine gewaltige Milchmädchenrechnung? Ich besitze ein 124er Cabrio, seit nunmehr 10 Jahren. Weil ich das Auto toll finde, seit er 1991 auf den Markt kam. Laut der “Oldtimer-Fachpresse” hat der ja eine serienmäßige Preissteigerung. Davon konnte ich trotz intensiver Marktbeobachtung nichts feststellen. Es trifft zu, dass der Wertverlust gleich Null ist: Ich würde jederzeit das zurück bekommen was ich vor 10 Jahren mal dafür bezahlt habe. Vielleicht sogar 2 oder 3k mehr. Wenn ich aber allein meine “Lagerkosten” von ca. 750 Euro pro Jahr dagegen rechne ist schon wieder Essig mit Rendite. Von Reparaturkosten mal ganz zu schweigen. Ich wage auch zu bezweifeln, dass ich in den nächsten 10 Jahren mit meinem “Investment” in die Gewinnzone komme. Ist mir auch schnurz. Ich hab das Ding ja zum Geniessen. Wenn man größere Mengen Schwarzgeld zu parken hat, oder so reich ist, dass einen sowieso alles egal ist, dann kann Auto-Investment bestimmt ein schönes Hobby sein.

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