Fiat Tipo – Fiat was?

Alles hätte so schön sein können: Der Fiat Tipo erschien 1988, legte Europaweit einen ausgezeichneten Verkaufsstart hin und wurde im Italien-kritischen Deutschland Auto des Jahres – Hooka-Hey: Was sollte jetzt noch schief gehen?

Fiat Tipo innen

Einmal langweilig….

Der Vorgänger, der Fiat Ritmo, hatte auch gut gestartet und war dann in ein schlimmes Loch gefallen mit dem Ruf eines schlimm unzuverlässigen Rosters mit unangemessenen Reparaturkosten pro Reparatur und zu vielen Reparaturen als Multiplikator, um das Drama perfekt zu machen.

Der Tipo sollte alles besser machen. Der Wagen war geräumig und lag verhältnismäßig satt auf der Straße. Satt auf der Straße… Wo findet man das noch…? Richtig, bei großen, schweren Wagen – und da schlich sich das erste Problem ein. Fiat hatten den Tipo nicht nur als Auto konzipiert – sie hatten ihn auch als Speerspitze eines Plattformkonzepts aufgebaut. Das jedoch ging mit seinen Kompromissen klar zu lasten des Erstlings und machte den Tipo unnötig schwer, was nur halb so schlimm gewesen wäre, hätte Fiat hier nicht versucht zu mogeln. Eine britische Autozeitung kam Fiat auf die Schliche und wies durch Testkäufe nach, dass Fiat beim Gewicht mogelte. Das war peinlich und wurde fortan in jedem Test erwähnt und als Mako des Fiat herausgestellt, der den Golfs und Kadetts seiner Zeit in der Fahrdynamik tatsächlich teilweise erheblich unterlegen war.

Fiat Tipo

….einmal idiotisch

Insgesamt fuhr sich der Wagen eher uninspiriert und langweilig – aber immerhin: Auf der anderen Seite des Spektrums hatte Fiat das Auto verkzinkt nach all der Kritik an der Rostanfälligkeit des Vorgängers. Dennoch kam es zu Probleme mit Rost: Das Hydrauliksystem, verantwortlich für die Last-abhängige Regulierung der Scheinwerfer war intellektuell ein cooles, wenn auch vollkommen unnötiges Stück Hightech – und es war schlecht verarbeitet und mit billigem Kunststoffen durchzogen, drang Wasser und auch es schwitzte auch im Sommer innerlich, was dann zu Rost führte und das System effektiv zerstörte. Während dieses System bereits nach kurzer Laufzeit zu ersten Problemen führte, stellte sich darüber hinaus, dass der Fiat Tipo im Crashtest eines der schlechtesten Autos seiner Zeit war.

Für junge Familien galt der Youngtimer Fiat Tipo in Deutschland fortan als unfahrbar. Trotz Facelift, das die Sicherheit verbessern sollte und trotz Erweiterung des Modellprogramms, ging es mit dem Fiat Tipo fortan bergab. Zu kraftvoll hatten die Bilder der Crashtests den Wagen als „Matschbrötchen“ in der Köpfen der Kunden verankert. Ein damals gerne über die Kopierer von Firmen verbreitetes Bild zeigte einen Anhalter, der sich weigerte, in einem anhaltenden Fiat Tipo mitzufahren…

Fiat Tipo

wirklch cool war die Form auch damals nicht, obwohl die Designer sich Mühe gegeben hatten, ein paar Akzente zu setzen

Wer sich dennoch nach einem Fiat Tipo als Youngtimer umsieht, der sollte nicht gerade mit einer soliden Auswahl rechnen. Effektiv ist der Wagen seit 23 Jahren aus der Produktion und die verfügbaren Exemplare sind praktisch bereits Handverlesen. Gepflegte Rentnerexemplare? Vergiss es. Selbst in Italien gibt es keine mehr, Von Großbritannien nicht zu reden, obwohl sich der Tipo vor allem in den ersten Jahren seines Daseins in  allen Ländern gut verkaufte.

Weggerostet sind sie nicht direkt – es fanden sich nur einfach keine Begeisterten, um den Wagen in größeren Mengen zu erhalten – zu gering seiner hervorstechenden Qualitäten, zu wenig spezifisch der gesamte Wagen, zu wenig emotional – zu langweilig. Auch die Sportversionen, die sich nie wirklich gut verkauften, konnten daran am Ende nichts ändern. Der Fiat Tipo war einfach irgendwie unrühmlich – und so verschwand er auch.



5 Gedanken zu „Fiat Tipo – Fiat was?

  1. Naja, manchmal kommt ihr mir schon ein bißchen wie die AMS vor.
    Der Tipo war damals, – im Vergleich zu seinen extrem langweiligen Mitbewerbern – Designtechnisch schon ein Highlight.
    Auch der im Vergleich zum Golf ungemein kraftvolle 1.9 Turbodiesel mit 90 PS machte Spaß.
    Das Sportmodell 2.0 16V war mit bis zu 146 PS auch nicht soo langweilig wie ihr das darstellt.

    Rosttechnisch gab es beim Tipo nur den einen Schwachpunkt und das waren die hinteren Radläufe, ich persönlich hatte in den letzten 20 Jahren vier Tipos, leider alle verkauft, heute suche ich verzweifelt danach, wie ihr richtig schreibt.

    Schlußendlich kann ich euch aber die Frage beantworten wohin sie alle verschwunden sind, hier sind Tschechien, Polen und Ungarn ganz heiße Kandiaten dort existiert auch heute noch eine Fangemeinde. (meine sind auch alle dorthin verkauft worden)

    Der Käufer meines letzten Tipos, ein Tscheche, meinte so einen schönen Kompaktwagen gab es danach nie mehr.

    Kann ich nur beipflichten.

  2. Mein erstes West-Auto – und trotz gerade 65.000 auf dem Zähler vermutlich das qualitativ schlechteste, das ich je hatte. Die hintere Sitzbank hat sich aufgelöst, ständig fielen irgendwo Verkleidungsteile ab. Übelste Verarbeitung oder zumindest übelste Materialien. Und „uninspiriert“ ist wirklich gelobt. Hatte danach einen 306er Peugeot – der war den Fiat so unfassbar überlegen….

  3. Ich habe in den 90er Jahren einen Tipo 1,9 Turbodiesel als Vorführwagen mit 8000 km bekommen und dann 3 Jahre lang gefahren – mit knappen 130 000 km auf der Uhr habe ich ihn dann entnervt wieder abgegeben – mindestens 3- oder 4mal musste das Auto in der Zeit in die Werkstatt geschleppt werden.
    Kühlwasserschlauch gebrochen, Leitung zum zum Ölkühler gebrochen, irgendwann einfach stehengeblieben und keiner wusste warum etc….
    Dazu noch jede Menge anderer Ärger, alleine das digitale Armaturenbrett wurde zB. 3x ausgetauscht.

    Dabei hat mit der Tipo damals designmäßig wirklich gut gefallen, nach 2 Golf II war es ein erfrischend anders gestaltetes Fahrzeug.
    Auch die Fahrleistungen haben überzeugt, der 1,9td hat in der Kompaktklasse zu den schnellsten Diesel gezählt.
    Eigentlich hätte ich den Tipo wirklich gemocht – aber die wirklich unterirdische Qualität und der permanente Ärger hat in mir sehr sehr schnell vermiest. (Von den desaströsen Crashtests wusste ich damals allerdings auch noch nichts)

    Es HÄTTE ein tolles Auto sein können, aber Fiat hat’s leider verbockt.

    1. …tatsächlich ist das ein weit verbreiteter Irrtum. Ähnlich wie für Digitaluhren gilt: Die Analog-Versionen sind leichter und schneller intuitiv zu erfassen. Testet man beides im Vergleich, vergehen bei den Digital-Instrumenten stets mehrere Meter mehr bei voller Fahrt, bis ein Ergebnis erfast wird. Das menschliche Auge ist darauf trainiert, kontextsensitiv zu erfassen. Wer auf eine Uhr blickt und in unserem Kulturkreis aufgewachsen ist, der weiss mit einem Blick einigermaßen, wie spät es ist. Das gilt für die Digitaltachos dieser Tage nicht. Erst heute gibt es einigermaßen moderne Kodifizierungen, die die Analg-Varianten erreichen beziehungsweise in ihrer Wahrnehmungsgeschwindigkeit sogar übertreffen können.

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