Professionalisierung in Sicht?

Erinnerst Du Dich an die Zeit, in der Auto Verkaufen ein einigermaßen spannender Vorgang war? Na klar – Kaufen ist immer irgendwie spannender gewesen. Die Jagd, das Finden des exotischen, das Glück, eines dieser seltenen Exemplare gefunden zu haben – und das zu dem Preis. So cool war Verkaufen natürlich nie.
In 90% der Fälle hast Du irgendwie den Verdacht gehabt, dass Du nicht genügend Kohle für den Wagen bekommen hast. Aber oft lernte man lustige Leute dabei kennen.

im professionellen Hochpreis-Segment sieht die Gemenge-Lage bei Kauf und Verkauf längst anders aus als im Brot- und Butter-Geschäft

Mit manchen Käufern hatten wir Jahre später noch einmal Kontakt, einmal haben wir sogar einen Wagen nach 2 Jahren wieder zurück gekauft, einmal wollte uns der übernächste Besitzer unser altes Motorrad, das wir zu Schrott gefahren hatten, als unfallfrei verkaufen… Ja – Du hattest lustige Erlebnisse. An den Tagen, an denen Du in aller Herrgottsfrühe die Münchner Samstags-Zeitung gekauft hast…

Warum eigentlich setzt sich da neuerdings Autoankauf so sehr durch im Deutschsprachigen Raum – und das neuerdings auch bei exotischeren Fahrzeugen?

Weil Autoverkauf einfach keinen rechten Spaß mehr macht?

Eine der wichtigsten Schlußbemerkungen auf mobile.de ist mittlerweile „Keine ‚was ist letzte Preis‘ Anrufe!!“. Die Leute haben das Thema satt. Wir Deutschen feilschen – aber wir feilschen nur in einem ziemlich klar abgezirkelten Bereich. Du bietest Dreizwei statt Dreifünf oder vielleicht Dreieins – aber nicht 1900 oder weniger. Wenn 1900 dein Eindruck sind, dann gehst Du, weil Du etwas anderes kaufen wolltest.

Da bekommt professioneller Autoankauf schon seine Charme. Tatsächlich war das ja lange Zeit mal durchaus normal, sein Auto an sozusagen professionelle Abnehmer zu verkaufen – vor allem, bevor das Internet hier die Herrschaft übernahm. Aber da war die Anruf-Situation eine andere und auch die Sitten in dem Bereich waren noch gänzlich anders als die Heutigen.

Omega A in der typischsten aller Farben – 2010 war der Markt damit noch übersät, mittlerweile steigen die Preise sogar schon für die guten Exemplare wieder an, vor allem für die 2.4er – aber kümmern würde sich um die nur selten ein Ankäufer.

Für Youngtimer sieht das Thema zurzeit noch in mehrerlei Hinsicht anders aus. Professionelle Ankäufer findet man praktisch nur dort, wo man Garagengold vermutet – ebenso im Bereich substanzieller Oldtimer, wo es europäisch übergreifend agierende Broker gibt, die stets ein wenig peinlich gekleidet sind, aber das ist eine andere Geschichte… Wer einen späten Omega A von 1992 verkaufen möchte, der hingegen hat schlechtere Karten in diesem Segment. Müsste sich da nicht eigentlich endlich mal etwas tun….?

487.000 Fahrzeuge in Deutschland sind technisch gesehen Oldtimer – in anderen Worten: Jeder 60-80. Wagen Deutschland befindet sich in dem Alter, um das sich keiner so recht kümmern mag, wenn man Youngtimer und Oldtimer zusammen nimmt. Sollte das wirklich kein Markt sein?

Tatsächlich ist das größte Problem hier vermutlich die Tatsache, dass man die Fahrzeuge aus der Ferne schlechter bewerten kann. Professionelle Ankäufer bieten simple Formulare an, um das Fahrzeug zu beschreiben und geben auf der Basis schon einmal ein – in der Regel recht stabiles – Angebot ab. Zur Berufsehre gehört hier ebenso, die Autos schnell zu bezahlen, wie auch die gesamte Abwicklung des Kaufs bei den gute Anbietern in erster Linie schnell und einfach geht. Klar – das ist bei exotischen Autos vielleicht in der Tat noch etwas schwieriger. Aber wir haben dennoch Hoffnung. Wenn der Youngtimer- und Oldtimer-Markt entgegen von Unkenrufen weiter wächst, bekommen auch wir bald professionellen Service…

3 Gedanken zu „Professionalisierung in Sicht?

  1. Meine Unterschrift im Inserat ist immer. Preisverhandlungen nur vor Ort und hatte bisher keine Was ist letzter Preis Anrufe. Nur einmal wurde ich gefragt ,,Der Preis ist aber schon noch auf Verhandlungsbasis?!” am Telefon, bei 340€ Startpreis und 9 Monaten TÜV, guten Reifen, kein Rost und original 75.000 Km

  2. Ich finde das mit Autoankauf gut. Vorallem dan wen einer es eillig hat. Habe selber schon über einen oline Autoankauf mein Fahrzeug verkauft. Natürlich gibt es ein paar Euro weniger bei einem Autoankauf, dafür ist der Wagen weg! und man kann direkt in was neues Investieren.

  3. Ich verkaufe gerade ein Fahrzeug und ich bekam einen Anruf von einem Vermittler und zwei Betrugs-SMS aus dem Ausland. Toll ist das nicht, aber damit muss man leben, wenn man selbst verkaufen will.
    Was ist letzte Preis kommt nicht, weil ich einen sehr ambitionierten Preis eingetragen habe, der beim Doppelten des üblichen Preises liegt.

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