Youngtimer im Fokus: Lancia Kappa – the magic mystery „K“

Lancai war nach seiner Integration in den Großkonzern, in den italienischen Großkonzern schlechthin, selten mit echten Erfolgsmodellen gesegnet – die Gründe dafür waren mannigfaltig, gleichermaßen war der am ehesten Ausschlag gebende Grund ausgerechnet der, der für die alten Lancia-Mitarbeiter am ehrenrührigsten war.

War Lancia zuvor eine echte Qualitätsmarke gewesen – mit dem Schritt zu Fiat wurden sie an vielen Stellen tot gespart, bis es schließlich schier schmerzte bei manchen Modellen. Wie gesagt: nicht bei allen.

Der Lancia Kappa jedoch war einer – und das war beileibe nicht sein einziges Problem.

Wie hieß er denn nun, der Kappa?

Tatsächlich hießen Modelle wie der Lancia Gamma mit vollem Namen „Lancia Gamma“ – der Kappa hingegen hieß offiziell „Lancia K“ – das war zwar als Kappa gemeint, für viele Kunden aber tatsächlich eine ähnliche Herausforderung wie der Renault Eshpähse. Das war ein Problem im Showroom, wenn auch kein großes – der Lancia Kappa Youngtimer hatte größere Probleme – oder genau genommen kleinere… Der Kappa hatte an vielen Stellen die Karosserie-Qualitäten wie Innenraum, Knieraum, Kofferraum und ähnliche Dinge dem Design geopfert. Mit anderen Worten: Der Lancia Kappa war ein wenig knapp geraten.

Lancia Kappa

Der Kofferraum des Lancia Kappa kann nichts – der Innenraum ist im Bereich „Raumangebot“ auch nicht soviel besser. Der unnötiger Weise angebotene Kombi war auch nicht viel besser

Obwohl der Lancia sich eigentlich mit der oberen Mittelklasse messen sollte, lag er eher im Bereich der Mittelklasse – und selbst in der waren die prominentesten Vertreter (deutlich) geräumiger. Anders gesprochen: Selbst der kompakte 3er BMW war in den meisten relevanten Maßen geräumiger als der Kappa – der jedoch sollte mit dem 5er konkurrieren….

Giovanni Agnelli nutzte den Kappa als Dienstwagen – jedoch aus gutem Grunde in einen verlängerten Version, da der Kappa einfach zu knapp geschnitten war. Die Verlängerte Version war allerdings leider nicht hübsch – tatsächlich wurde kurze Zeit geprüft, sie auf den Markt zu bringen.

Das Volk traf derweil auf der Straße eine klare Entscheidung: Waren vom Vorgänger Lancia Thema noch rund 40.000 Einheiten im Jahr produziert worden, brachte es der Nachfolger Kappa nicht einmal auf 20.000 Stück jährlich (Zur Ehrenrettung: Darauf wäre man beim Nachfolger des Kappa stolz gewesen!). Hinzu kam: Viele der Zulassungen waren hier Stützkäufe des Italienischen Staates sowie der polnischen Regierung, die den Kappa in großen Mengen anschaffte.

Neben der Karosserie-Größe war es die fehlende Qualität, die dem Lancia Kappa das Genick brach. Klischeehaft betraf das alles wechselweise: Karosserie, Passungen, Elektronische Probleme…. Mit dem 98er Facelift wurde das graduell besser, aber die Qualität des Kappa schwankte stets bedenklich und blieb darüber hinaus fühlbar und sichtbar unbefriedigend. Hinzu kommt: Der Wagen fährt sich ein wenig langweilig und fällt vor allem durch seine leicht teigige Lenkung auf, die gerne auch von voreilig verschlissenen Fahrwerksteilen verkompliziert wird…

Furchtbar traurig: Der Lancia hätte mehr gekonnt

manufakturell….

Reihenfünfzylinder gab es, dicke 3 Liter Maschinen, wunderschöne Lederausstattungen und natürlich ein Design, das individueller war als alles, was der Markt geboten hätte – mutig, individuell, detailverliebt. Das gilt am stärksten für das Coupe, das es leider über die Jahre der Produktion nicht einmal auf 4.000 Exemplare brachte, weil der Wagen einfach grundlegend niemandem so recht auffallen oder attraktiv genug erscheinen wollte. Der Lancia lag so weit neben den geplanten Zielen, dass am Ende auch niemand im Konzern so recht Geld für Werbung in die Hand nehmen wollte – und somit wurde der Ladenhüter zum extremen Ladenhüter.

Speziell beim wunderschönen Coupe ist das wirklich traurig. Ebenso sind die Fünfzylinder wirklich ausnehmend coole Motoren. Wer sich allerdings den geilen Klang eines Audi Fünfenders erwartet, der sieht sich getäuscht – da kann der Lancia nicht gleich mithalten.

Wie so oft gilt hier: Die Lancia-Fans, die den Wagen adoptiert haben, halten ihn als Heiligtum. Die ganz wenigen heute noch vorhandenen Exemplare des Coupes erzielen Rekordpreise und dürften zu den Fahrzeugen gehören, die es sich zu konservieren lohnt, während die Limousine eher durch Desinteresse getötet wurde, bis es im Grunde zu spät war. Das ohnehin seltene Fahrzeug ist einfach verschwunden – Fahrzeuge, die 20 Jahre früher eingestellt worden sind, sind teilweise in größeren Mengen auf dem Deutschen Markt vorhanden. Auch der Blick auf den italienischen Markt hilft hier nur in geringem Maße – auch dort war der Kappa kein Highlight im Verkauf… Und selbst auf dem Heimatmarkt wurde seine Qualität als zu schwankend wahrgenommen. Ein leider komplizierter Markt für das Coupe ist die Schweiz – hier erfreute sich das elegante Fahrzeug durchaus einer gewissen Beliebtheit. Aber der Markt ist klein, der Export aus einem Nicht-EU-Land kein ausgeprägter Spaß.

Lancia Kappa – So long

Wer einen Kappa in einem anständigen Zustand besitzt, vor allem, falls es sich dabei um ein Coupé handeln sollte, der soll ihn behalten. Der Nachfolger war noch erfolgloser, wenn auch irgendwie cool – aber ein Coupé war im nicht mehr vergönnt. Der Kappa ist somit ganz entschieden einer der letzten seiner Art.



2 Gedanken zu „Youngtimer im Fokus: Lancia Kappa – the magic mystery „K“

  1. *die dicken 3 liter* waren adaptierte Alfa V6 Busso. Nicht nur unter Insidern einer der besten jemals gebauten 6ender für die Strasse. Und nicht nur deshalb gelten die Coupes als kommende Klassiker. Nur so mal am Rande.

  2. Und sie sind aktuell völlig unterbewertet, die Coupes. Mit 5-8000 Euro kann man sonst kaum ein so seltenes Manufakturauto bekommen…

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