Opel GT – der unbelohnte David

Vom Opel Blitzer

Hammer.

Dass man eine Corvette so schrumpfen kann….

Die Corvette, die mit so klangvoll martialischen Namen wie STINGRAY glänzen durfte, hatte hier und da tatsächlich Modell gestanden, als Opel den simpel „GT“ getauften Sportwagen 1968 der Öffentlichkeit vorstellte. Die sehr ähnlich aussehende US-Corvette, die 1967 erschienen war, hatte weltweit Aufsehen erregt und prägte eine Generation – der Opel GT sollte wunschgemäß in Deutschland dasselbe tun – durfte sich aber natürlich nicht ähnlich atemberaubender Zutaten bedienen, wie etwa eines 7,4 Liter BigBlokcs oder ähnlicher Komponenten. Selbst die 5,4 Liter, die der #Opel-Händler maximal bei einem wirklich großen Wagen herausrückte, galten hierzulande schon als obszön.

so hat der GT immer etwas froschartiges

Der Opel GT musste vielmehr die Motoren des Kadett und des Rekord auftragen. Speziell letzterer vermochte jedoch mit seine 90PS in dem kleinen Wagen durchaus Wunder zu wirken.

Dass der Opel GT aus heutiger Sicht nicht nur kleiner wirkt, sondern eher winzig, ist unserer über die Jahre versauten Wahrnehmung geschuldet – damals war der allenfalls sehr kompakt. Bizarr ist jedoch: etwa zwei Drittel der Produktion des Wagens gingen in die USA, wo (Achtung – bizarr) die Buick-Händler den Wagen als Opel verkauften.



Jenseits der bizarren Markenwelt war der Wagen in den USA nun wirklich winzig. Man setze darauf, den Wagen als Exoten zu platzieren und ihn vorwiegend an Ehefrauen zu verkaufen, denen das kleine sportliche Auto gefallen sollte, ohne sie beim Einparken in arge Bedrängnis zu bringen. Gelebter Sexismus, aber zu Beginn der 70er eben kein bisschen schräg.

groß

In Deutschland setzte Opel vom GT über die Jahre seiner Produktion tatsächlich nicht einmal 20.000 Stück ab. Und das muss man ins rechte Verhältnis setzen: Zu der Zeit war Opel noch auf der goldenen Seite des Marktes, eine echte Erfolgsmarke mit fett zweistelligen Marktanteilen. Da war der Opel GT dann nicht nur in den USA ein Exot – auch hier bei uns in Deutschland war er das.

Der Opel GT war es auch in anderen Belangen. Erst einmal hatte der Wagen Klappscheinwerfer – das war in sich schon irgendwie unvernünftig und regelrecht undeutsch, oder? Der GT leistet sich aber durchaus weitere Späße. So verzichteten die Entwickler tatsächlich auf eine Heckklappe. Das Gepäck wurde von innen in den Kofferraum bugsiert, wenn man den so nennen wollte. Dass dann noch die Klappscheinwerfer mit dem legendären Hebel manuell betätigt wurden, brachte dem Wagen schnell einen soliden Legendenstatus ein. Die nahezu unmögliche Reparatur dieser Mechanik nach Unfällen jedoch sägte später stark am Ruf des kleinen Exoten mit den atemberaubenden Kurven.

Denn das muss man ganz klar sagen: Einen solchen Wagen hatte Opel zu dieser Zeit kein Mensch zugetraut. Der Karman Ghia wirkte neben dem Opel GT wie ein Oberstudienrat neben einem Gangster-Rapper, obwohl es damals natürlich noch keine Rapper gab. Selbst der bemerkenswert unvernünftige Ford Capri konnte mit dem Grad an Rebellion des kleinen Opel GT keineswegs mithalten, als er kurze Zeit später erschien.

Nur Fliegen ist schöner

Opel stärkte das Image des Wagens durch eine Kampagne, die für damalige Verhältnisse schier unfassbar war, mit lautmalerischen Späßen daherkam und augenzwinkernd mit dem Publikum spielte und hier und da auch mal ein wenig zu knapp bekleidet daherkam. In den 60ern im Grunde undenkbar – so wie das Auto selbst und insofern vollkommen passend.

Wie so oft war Opel auch hier eher Trendsetter und Innovator als Nachahmer.

Ein Absturz Opels, wie man ihn später erleben sollte – zu diesem Zeitpunkt noch undenkbar – auch wenn ein Wagen wie der GT kein Garant des Massengeschäftes war.

Der GT-Claim „Nur Fliegen ist schöner“ von Carolus Horn wurde zu einem geflügelten Wort, einem feststehenden Begriff, wie man ihn heute mit Werbung nur noch ganz ganz selten erzeugen kann.

Ja, der sah schon gut aus – viel Mühe für ein Projekt, dessen Ende im Grunde klar war

Und manchmal scheint es auf Treffen auch so, als wären rund 19.000 der 20.000 GTs übrigen geblieben, was natürlich Blödsinn ist – aber der GT hat wirklich Substanz. Dass ein solcher Wagen keinen Nachfolger bekam, erscheint auf den ersten Blick nur schwer nachvollziehbar. Ein späterer Versuch eines Opel GT war ein Flop. Die Wiederauferstehung eines echten Opel GT in unserem jetzigen Jahrzehnt hatte ohnehin keiner so richtig geglaubt, schließlich scheiterte sie offiziell final am Kauf durch PSA und die Fokussierung auf Produkte, die zur Abwechslung auch mal Geld einbringen. Und das traute man dem neuerlichen Remake des GT leider nicht zu, obwohl der wirklich toll aussah.

Einmal noch würden wir uns ein so konsequentes Auto wünschen.