Vlaamse frites, Kibbeling und Schwedenstahl

Im Sommer war uns ja in den Niederlanden ein Mercedes W211 zugelaufen. Den sind wir erstaunlich exzessiv gefahren in den Monaten des Nachdenkens und ähnlichen Wochen. 16.000 Kilometer sind auf diese Weise zusammengekommen, über die wir sicher mal separat berichten müssen.

Aber uns war klar, dass das eine Beziehung auf Zeit war. Der Wagen war uns zugelaufen für lächerliche 2.100 Euro – und das war wirklich ein Schnäppchenpreis für einen Wagen dieser Klasse mit seinen 224PS.

Wir reparierten das defekte Navi, das der Mercedeshändler in Tilburg für Schrott erklärt hatte, für 30 Euro bei einem vertrauenswürdigen Bastler bester Schule 😉 Schon durch diese kleine OP verdoppelte der Wert des Wagens sich praktisch. Auch eine vernünftige Außen- und Innenreinigung tun etwas dazu und schließlich eine vernünftige Aufarbeitung des Lacks. Der Wagen steht eigentlich toll da, nix zu meckern aus der Ferne und aus der Nähe im Grunde auch nicht, nachdem wir hier und da ein Kabel und dort einen Schlauch gewechselt haben. Es gibt keinen richtig guten Grund, den Wagen wieder zu verkaufen, aber irgendwie… Wie gesagt, darüber muss man mal separat berichten.

Na endlich: Catcontent 😉

Aber was soll’s – wie viel zu oft schon in diesem Youngtimer-Leben geht der Wagen für eine Gewinnspanne weg, die als obszön durchgehen sollte – und dennoch ist das vermutlich ein vollkommen reeller Preis, weil wir den Wagen an ganz vielen Stellen mit viel Liebe perfektioniert haben – und das schließt verschiedene Milka-Reparaturen ein (Ihr wisst, was das ist, oder?). Der Käufer kommt aus dem niederländischen ’s Hertogenbosch – einem sehr liebenswerten Ort, der uns extrem bekannt ist – und das werten wir als Zeichen. Zwei von uns haben dort gearbeitet in der Zeit, als wir das Original des Youngtimer-Blogs damals aus der Taufe hoben. Wir bieten dem Käufer einen fairen Deal an: Da wir ohnehin Karten für Paul Weller in Utrecht haben, was von ’s Hertogenbosch nicht so weit entfernt ist, bringen wir dem Käufer den Wagen vorbei – kann man für den unfassbaren Preis mehr verlangen?

Am Tag der Deutschen Einheit kommen wir mal wieder aus allen möglichen Richtungen der Welt an einem Ort zusammen – wie sagte der chinesische Fluch? „Mögest Du in interessanten Zeiten leben“. Wir genießen ein paar entspannte Tage und ein traumhaftes Konzert in einer überschaubaren Halle. Und natürlich bummeln wir durch die Stadt und verlieben uns relativ spontan in einen Volvo 245, spätes Baujahr – und auch noch in Rot… Da werden Erinnerungen wach.

Volvo 240

Volvo 245 – zunächst eher zufälliger Erstkontakt

Machen wir uns nichts vor: Der Wagen ist nicht gerade in einem Ausstellungs-Zustand. Er ist 29 Jahre alt und hat die letzten 4 Jahre an einer der engsten Strassen gelebt, in denen wir je Auto gefahren sind – und da parken hunderte von Fahrrädern. Natürlich hat der Wagen Kratzer. Jedoch: Wir kaufen den Wagen mit seinen 317.500 KM für einen Preis, der den Preis aller unserer einzelnen Smartphones unterschreitet. Was soll man da meckern? Wir wissen, was wir diesen Winter tun werden.

Während wir uns mit dem Besitzer nicht nur handelseinig werden, sondern auch noch ein paar Leffe Blond zischen, was man viel öfter tun sollte, finden am anderen Ende der Gracht Verhandlungen rund um einen weiteren Volvo statt: Ein 940er, der auch nur wenige Monate jünger ist als der 240er Volvo. Ein seltenes Modell mit einem zwei Liter großen Turbo, der so in Deutschland nicht angeboten wurde. Und das auch noch mit Automatik. Was kostet so einer mit 368TKM auf der Uhr in den Niederlanden? Genau: Weniger als jedes einzelne Smartphone, das wir mit uns herumschleppen und 80 mal am Tag benutzen.

Manchmal ist der Markt auf kaum 500 Metern schon erschreckend breit, oder?

Jetzt mal im Ernst: Wir reden von einem ausgezeichneten Transportmittel vollsten Umfangs, mit dem wir komplette Umzüge gewuppt haben. Hey… Und ausserdem: eines der Kinder des Youngtimer-Blogs wird jetzt sehr bald 18. Was soll der fahren – etwas einen neuen Polo oder einen  Renault Clio?? So weit kommt das noch. Wir haben mehr Geld vom Gewinn aus dem Verkauf des W211 zur Verfügung – was gibt es da noch zu diskutieren? Wenn wir einen finden, kaufen wir uns am besten noch ein drittes Auto, oder? Das ist am Ende fast billiger, als von ’s Hertogenbosch aus mit der Bahn heim zu fahren. In jedem Falle haben wir jetzt ein sehr sehr angemessenes Geburtstagsgeschenk.

Oft fügen sich die Dinge einfach.

So wie hier in den letzten Tagen.