Maserati Quattroporte III – zeitloses Statement?

Der Maserati Quattroporte II ist aus heutiger Sicht ein Stück weit lächerlich: Er braucht 10 Sekunden auf 100 und fährt 195 – und wurde zu Zeiten des ersten Golf GTI gebaut… Da kann man schon ins Grübeln kommen.

Einfach nur geil – und sehr haltbar

Der 4P3 hingegen wollte zeigen, dass man Maserati – nun aus dem Hause de Tomaso – auf der Liste der echten Sportwagen haben musste. Selbst dann, wenn es sich um eine Limousine handelte.

Mit der Fahrwerkstechnik von damals stellte das in vielen Teilen noch eine weit größere Herausforderung dar als auf Basis der heutigen Plattformen. Der Quattroporte kam immerhin mit rund 5 Metern Außenlänge daher, Heavy-Metal Zutaten wie V8 Motoren mit 4,2 bis 5 Liter großen Motoren und natürlich den damaligen elektrischen Helferlein, satten Ledersitzen und ausgewählten Hölzern. So ging in der Realität keiner der Wagen unter 1890 Kilo auf den Weg zum Kunden – 300 Kilo mehr als ein zeitgenössischer Mercedes W126 aber immerhin auch 450 Kilo unterhalb eines Rolls Royce Silver Spirit aus dieser Zeit.

Um dieses Gewicht standesgemäß und für einen Sportwagenhersteller wie Maserati angemessen loszuwuchten, brauchte es also Kraft.

Das können sie, die Italiener… Dagegen wirkt ein W126 so schwungvoll wie ein Setzkasten

Die kam aus entweder 4200 Kubik oder etwas über 4900 Kubik und schlug sich nieder in 255 bis 300PS. War der Vorgänger also noch etwas schwindsüchtig daher gekommen, lag der Masaerati Quattroporte nun also auf Augenhöhe mit dem Porsche 911 in seiner krassen Turbo-Version.

So waren immerhin stattliche 230 KM/H drin.

Da kann man jetzt sagen „Puuuh… das schaffte ein 500SE aber auch“ – aber beim Maserati Quattroporte ging es ja nicht nur um die Nordschleife. Der Quattroporte der 80er Jahre sollte das technisch Machbare im Bereich „Sportwagen für reiche Väter“ demonstrieren – und das mit einem hohen Grad an Dekorativität.

Gesamthaft gilt: Der Vergleich mit den zeitgenössischen W126 oder BMW E23 ist sehr deutsch und funktioniert vielleicht auf dem Papier – im realen Leben mit dem Maserati Quattroporte II ist er irrelevant. Der Wagen spielt in einer anderen Liga von Fahrzeug – und das kann man mit sachlichen Messkriterien oftmals nicht wirklich greifen.

Die selbstverständliche Grandezza, mit der sich der Quattroporte III in Bewegung setzt und den Trum von einem Wagen nach vorne schiebt, ist auch nach über 30 Jahren noch beeindruckend. Beeindruckend in einer Art und Weise, wie man sie auch damals nur selten gefunden hat. Ist der 500SE sachlich und etwas leiser, dann ist der Rolls etwas träger und zäher. Der Maserati Quattroporte III ist rassiger, beeindruckender, schärfer. Er ist schlicht ein Sportwagen im Kleid eines Viersitzers – ein Kyalami, gefangen in einer Limousine. Am ehesten kommt ein solches Gefühl noch in gepflegten Jaguar XJ auf, die jedoch nicht das massige Fahr- und vor allem Federungsgefühl aufweisen.

Der Innenraum hat dabei den angenehm unsachlichen Charme, den viele Supersportwagen damals hatten – da ist nix wie Großserie, da ist vieles nicht so ganz ausgegoren in der Ergonomie, einzelne Teile wirken beinahe zufällig eingebaut. Und dennoch ist die Komposition toll, individuell und wirkt mit all ihren Einzelheiten bis heute wertvoll. Wer den Wagen nach einer Fahrt immer noch mit den Mitbewerbern von der Stange vergleichen will, der kauft auch den Golf V wegen seines ausgefallenen Designs…

Was das Gewicht auf der Haben-Seite bringt, kostet es auf der wirtschaftlichen: Der Maserati Quattroporte ist ein zügelloser Säufer. Als wir ihn jetzt wieder einmal durch den modernen Verkehr gefahren sind, sind wir kaum mit weniger als 28-30 Litern beim 4.9er herausgekommen, gerne auch mal mehr. Das ist nicht nur eine Frage der Größe, des Gewichtes und der Leistung. Während die Wettbewerber auf Einspritzanlagen umstellten – und das oft schon bei deutlich kleineren Motoren – gönnte Maserati dem Quattroporte, im Thema „Vier“ bleibend, ernsthaft die Batterie von satten vier Doppelvergasern von Weber, wie man sie sich sonst zu dieser Zeit nur noch in den besseren Tuning-Bereichen gönnte.

Allein die Einstellung dieser ist nicht nur etwas für echte (rar gewordene) Profis – sie kann auch Leistung und Verbrauch noch einmal in erheblichem Maße verändern. Schon diese Frage kann viele Leute vom Erwerb dieses Wagens abhalten. Die mindestens 25.000€ Einstiegspreis für ein vernünftiges Exemplar sind eine weitere natürliche Hürde – Spitzenmodelle kosten das Doppelte, verlieren aber auch schon seit Jahren keinerlei Wert mehr.

Steil nach oben gehen die Werte für den deutlich selteneren Quattroporte Royale, der nicht nur 300PS mitbringt, sondern auch mit rolssroyciger Ausstattung aufwartet.

Eine echte Alternative sind die kleineren Ausgaben des Quattroporte, die signifikant billiger unter dem Namen „Biturbo“ verkauft wurden und sich eher an die Interessenten der 3er BMWs richten und natürlich nicht dieselbe Klasse aufweisen. Auch die sind komplex und wartungsintensiv – aber auf einem anderen Niveau. Verdaddelte Nockenwellen bei einem Quattroporte zu reparieren kostet schon mal so viel wie ein ganzer Biturbo heute.

Wer es sich leisten kann: So ein Quattroporte ist einer der letzten ganz ganz großen. Der ist ein wirkliches Erlebnis, das mit den Deutschen Oberklassen der 80er Jahre nicht vergleichbar ist und auch bis heute kein nennenswertes Äquivalent gefunden hat. Die Quattroportes der Gegenwart sind perfekter, sind noch sportwagenähnlicher und in ihrem Packaging natürlich perfekter. Das Fortbewegungs-Erlebnis des Quattroporte III bieten sie nicht.