Honda Accord – der Japanische Familienstar war ein alternativer BMW

10 Generationen Honda Accord – bei Mercedes wären das etwa 85 Jahre gewesen – Honda hat gerade einmal 41 gebraucht.

Und tatsächlich mag das für manche Märkte cool sein – für den Deutschen Markt war es, wie so vieles, was Japaner gerne tun, pures Gift. ‚Warum‘, mag da jetzt manch einer denken – ‚ist doch schön, wenn man öfter mal ein neues Modell bei Honda holen kann‘. Das mag zutreffen – vor allem in der Dienswagenleasinggesellschaft von 2018 – in den 80er und 90er Jahren jedoch war es kontraproduktiv. Das fing schon bei ganz einfachen Sachen an: Damals kauftest Du Autos gebraucht noch in Zeitungen. Wenn da stand „Mercedes W123“ – dann hatte jeder sofort ein Modell vor Augen. Die Beschreibung „Honda Accord“ hingegen konnte so ziemlich alles bedeuten – da musstest Du im Grunde die gesamte Historie der Modellwechsel komplett drauf haben – und so wichtig war der Accord den meisten Deutschen nicht.

Heile Welt

Dennoch schaffte der Wagen im Bereich der Neuzulassungen zunächst gute Zahlen – und das eben erst recht, wenn es mal wieder ein neues Modell gab. Und hier beisst sich die Katze klassischer Weise in den Schwanz – mag das neue Modell vorne im Zyklus das Geschäft befeuern, so sorgt es hinten dafür, das das eben noch aktuelle Modell alt aussieht und das davor uralt, obwohl es gerade einmal 5 Jahre auf dem Buckel hat. Und das senkt die Gebrauchtpreise erheblich. Im Falle des Honda Accord, der sich an tendenziell konservative Mittelklasse-Fahrer richtetet, war das Gift – und zwar die Art Gift, die die Deutschen Autozeitschriften kräftig anheizten.

Wenn da plötzlich nicht mehr der absolute Wertverlust, sondern der prozentuale ausgewiesen wurde, dann hatte das natürlich ganz klar Methode – denn obwohl die Deutschen Autos signifikant mehr Geld verloren, stellte sich das prozentual nicht so dar.

Dennoch hatte der Honda Accord einen Fan-Kreis – keinen ganz so dicht gewebten wie der Honda Civic sicherlich, aber es gab doch eine ganze Menge Leute, die in den 80ern und 90ern auf ihn setzten – nicht nur, weil er ein gutes Brot- und Butter Autos war (denn das war er wirklich), der anspruchslos und qualitativ gut war und mit ausgezeichneter Ausstattung daherkam. Der Honda war ein unerkanntes Spaßauto. So sprach sich schnell herum, dass Honda – im Motorrad-Bau zuhause – sehr drehfreudige Motoren im Programm hatte, mit denen man wirklich was reissen konnte – zumal deshalb, weil die Motoren dennoch sparsam waren – sparsamer übrigens als die meisten Deutschen Modelle. Da wurden Höchstleistungen gerne mal bei 6200 erreicht und der rote Bereich lag bei 7000 an. Geil.

Wer einmal die 6. Generation gefahren ist, die vor rund 20 Jahren erschienen ist, der hatte schon das Gefühl, hier einen kleinen BMW-Jäger unter dem Hintern zu haben – Drehfreude, enge Gang-Anschlüsse bei den Schaltgetrieben. Der Wagen sah total artig aus, hatte aber bei Bedarf etwas turbinenhaftes und vor allem auch die Straßenlage, um da mitzuhalten.

Immer wieder brachte Honda auf Basis des Accord lustige Experimente heraus, die das unterstreichen sollten: Das Honda Accord Coupe der 6. Generation etwa, der legendäre Aerodeck in Generation Nummer 3, Das Fließheckcuope der Generation 2. Allesamt Experimente, um zu zeigen, dass der Honda auch Sport konnte, während der klassische Accord jedoch stets in hoch geschlossenen, unauffälligen, betont artigen Karosserien steckte, in denen Familienväter sich der heimlichen Sportkomponente erfreuen konnten, solange sie alleine im Auto saßen.

Der Aerodeck war im Grunde eine Art Riesen-Civic

Die Generationen 7 und 8 schafften es auch noch nach Deutschland, wurden aber bereits in einigen Ländern Europas eingeschränkt. Sie gingen einfach nicht mehr gut. Der Accord glänzte weiterhin mit coolen Hightech-Juwelen, wie etwa dem 2.4er Benziner, den man realistisch bis 8500 drehen konnte, verpackt in Limousinen und Kombis, die keine klassischen Hingucker waren, im Detail aber immer wieder coole Design-Lösungen boten und sich mit jeder Generation knackiger und patenter fahren ließen.

Aus gutem Grund verkaufte Honda die Wagen auf anderen Märkten längst unter dem Luxus-Label „Acura“ – der Lexus von Honda sozusagen. Und eigentlich gehörte er da auch hin. Billig waren die späten Modelle nicht, zumal in Deutschland gebeutelt durch die übliche Japanische Paket-Politik, die dafür sorgte, dass man den coolen Hightech-Motor immer nur mit Lederpaket und 12 Stromfressern erhielt – ob man wollte oder nicht.

Ein kleiner Acura: Der Accord als elegantes Coupe

Gerade die letzten beiden Modell-Generationen krankten daran und konnten nicht mehr an die Verkaufszahlen der 80er und 90er Jahre anknüpfen. Während bereits 2013 die nächste Generation vorgestellt wurde, behielt man die Generation Nummer Acht in Europa bei – bis zum bitteren Ende im Jahre 2015, in dem der Honda Accord nur noch ein Schattendasein führte – in Schowrooms, die längst den SUVs gehörten.

Vom Momnster-Civic zum echten Kombi: Aerodeck

Der Tod des Honda Accord reihte sich in einen Gesamtzusammenhang der ehemaligen Japanischen Vollsortimenter ein: Mitsubishi baut nur noch für die Nische, Honda und Nissan – Subaru lebt von einem SUV und und und… Die Märkte des Honda Accord, Nissan Bluebird und Mitsubishi Galant gehören heute Hyundai und Kia – und auch bei denen stehen sie auf wackligen Beinen.

Mit dem Honda Accord ging eine dieser typischen Alternativen, die eben rar geworden sind neben den Passats und Mondeos der Firmen Fuhrparks.

Einen Accord aufrecht zu erhalten, zeugt von Haltung und Größe – schon allein wegen der zum Teil katastrophalen Ersatzteillage. Die dritte und vierte Generation (1985-1994) werden oft weggeschmissen, weil wichtige Alltagskomponenten nur noch selbst gefeilt werden können… Ein Trauerspiel. Zumal die Fahrzeuge zu den haltbarsten Fahrzeugen ihrer Generation gehörten. Wer in den 90er Jahren etwa in den USA einen dieser Services nutzte, bei denen man einen alten Wagen billig kaufte und dann quer durch die USA fahren und den Wagen zum garantierten halben Preis zurück kaufte, der konnte ziemlich sicher davon ausgehen, dass man ihm entweder einen Toyota Camry gab – oder eben einen Honda Accord. Weil die einfach nicht kaputt gingen.

Dass die auch Fahrspaß konnten,spielte auf der Route 66 keine Rolle.



2 Gedanken zu „Honda Accord – der Japanische Familienstar war ein alternativer BMW

  1. Achja, der Accord.
    In USA allgegenwärtig, die aktuelle Generation is kind of weird, überdesignt, gefällt mir nicht. Die Amis wissen halt was gut ist, nichts hassen sie mehr, als mit dem Auto liegen zu bleiben. Mit einem Accord passiert das halt nicht. 🙂 Und gut verarbeitet sind sie auch noch, weit besser und hochwertiger als Hyundai Sonata. Nicht mal zu stark rosten tun sie.
    Die Deutschen lieben halt dafür ihre aufregenden Skoda TDI oder BMW 3Zylinder… Ich mag den Accord, ein Auto das man nicht 15 x auf dem Aldi Parkplatz vorfindet.
    Bericht wie immer super geschrieben, freut mich daß ihr wieder da seid. 🙂

  2. Schöner Bericht über eine leider in der Versenkung verschwundene Baureihe. Mir gefällt die US-Version vom Accord der 3.Generation am besten, da es die Aerodeck-Klappscheinwerfer in jeder Karosserieform gab. Ein sehr schönes Hatchbackcoupe gab es dort auch noch.

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