Volksnaher Renn-Zwerg: Ford Puma

22 Jahre ist es her, dass der Ford Puma auf den Markt kam – aber auf den ersten Blick fühlt der sich nun wirklich nicht an wie ein Youngtimer. Ähnlich wie der Ford Mondeo dieser Phase, der immerhin 4 Jahre zuvor erschien, hat man hier auf den ersten Blick das Gefühl, dass der Wagen nicht besonders alt sein kann. Weit mehr noch als bei einem Mondeo der ersten Generation, könnte man beim Ford Puma glatt glauben, dass der so noch beim Händler stehen könnte. Vielleicht als Auslaufmodell oder so…

Ford Puma

Selten: Puma mit Leder. Fühlt sich auch irgendwie unpassend an

Innen sieht das schon ein wenig anders aus. Hier sieht der Ford Puma schon ganz schön schräg aus. Da spürt man die Jahrtausendwende, da sind all diese eigenartig ovalen Elemente, die schier absurd großen einzelnen Kunststoff-Flächen mit ihren welligen Formen. Innen unterscheidet sich der Ford Puma nicht so sehr vom ersten Ford Galaxy. Da ist einiges schon ein wenig schrullig, altbacken und signalisiert dir, dass hier noch eine leicht andere Welt en vogue war. Das war, bevor die Lichtlinien, die Sicken und die Kanten wieder Einzug ins Fahrzeug-Design hielten.

Aber das ist nicht alles. Weit auffälliger ist, dass der Ford Puma aus heutiger Sicht so etwas wie die Brücke, wie das letzte Verbindungsstück ist, das alte Welt und neue Welt zueinander zu bringen scheint. Der Ford Puma ist ein Auto, das noch leicht ist und über das fehlende Gewicht Fahrspaß bringt.

Gerade einmal eine Schippe über Tausend Kilo bringt ein Puma auf die Waage – und dann hat er bereits 90PS. Das ist in etwa die Region, in der beim BMW E30 der 318i lag oder der 320er, wenn man auf das Leistungsgewicht schaut, um mal einen Anhaltspunkt zu haben. Ein Golf I GTI war leichter, klar – aber der hatte noch nicht ganz die Fahrwerkskompetenz der späten 90er Jahre.

Der Ford Puma fährt sich dadurch ganz schön knackig. Er fährt sich direkt. Das ist nicht der Scirocco 1 – aber hey: Das ist dennoch etwas ganz anderes als die schweren Rösser, die einem heute so als sportlich verkauft werden. Die Lenkung könnte einen stärkeren Fahrbanhn-Kontakt vermitteln; die fühlt sich in manchen Situationen ein wenig teigig an. Man muss hier aber auch sehen, dass der Wagen auf dem Fiesta basiert – das ist ja keine Sportwagen-Plattform, sondern ganz klar ein Kleinwagen, nichts anderes.

Gemessen daran ist der Wagen dann eben doch knackig – aber das hatte Ford ja ab den 90ern eh gut drauf und das hatte auch immer schon beim XR2 gut funktioniert,der ja auf derselben Plattform geboren ist.

Basierend auf der Fiesta-Plattform erschienen die Gewinnspannen bei diesem Wagen, der immerhin über 30.000 Euro kostete, gigantisch. In der Preisregion gab es schon einen Mondeo, einen Passat oder ähnliche Größen zu kaufen. Selbst die späten, teils heftig rabattierten Scorpios waren da schon zu bekommen. Fakt war aber: Das Gegenteil war der Fall. Der Puma hatte eine übertrieben hohe Quote an handgefertigten Teilen und solchen, die zwar seriell gefertigt wurden, aber eben nicht in den üblichen Fließbandmengen.

Obwohl der Puma auf seine Weise ein attraktives Auto war, waren seine Zulassungszahlen dadurch durchaus schwierig. Während in der Hochphase des Pumas im Jahr 2000 rund 110.000 Ford Focus zugelassen wurden, brachte es der Puma in 5 Jahren Bauzeit auf gerade einmal knapp über 20.000 Zulassungen in Deutschland.

Und so war die Entscheidung im Jahr 2001 einfach: Als der neue Ford Fiesta 2001 nach diversen optischen und technischen Facelifts des 89er Modells als echte Neukonstruktion erschien, da warf der Kleinwagen seinen knackigen Sportbruder von den Schultern und entledigte sich des Zwillings der besonderen Art.

Wer heute einen Ford Puma sucht, der stellt schnell fest, dass es manche Oldtimer gibt, die doppelt so lange nicht mehr gebaut werden und dennoch in der zehnfachen Menge vorhanden sind.

Schrullig, wie damals bei so ziemlich allen Ford-Modellen

Viele Pumas sind zudem echte Schnäppchen – der Wagen steht in der Talsohle jeglicher Wertentwicklung und ist teilweise so billig, dass man sich auch mal ein Zweitexemplar als Ersatzteilträger gönnen kann. In unserem UK-Urlaub haben wir auf dem Land diverse gute Exemplare mit 150.000 Meilen und mehr gefunden – oft für 400 bis 600 Pfund ein zulassungsfähigem Zustand. Das ist in Deutschland teilweise ähnlich – nur, dass die Exemplare sich leicht abzählen lassen. Hinzu kommt: Sie sind eher schlecht verteilt. Es gibt diverse im Norden und traditionell erstaunlich viele im Süden. Selbst im Kölner Raum ist der Markt bereits so gut wie leer – und das wird nicht besser.

Kaum ein Auto, das bis 2001 gebaut wurde, ist so weg vom Markt wie der Puma – ein richtiger kleiner Exot der Gegenwart und sehr bald ein Hingucker, wenn er es nicht heute schon ist. Bei unseren Probefahrten sind wir zwei mal an der Tankstelle angesprochen worden, weil viele Menschen den Wagen nicht kennen und sich einfach auch nicht an ihn erinnern können – die Rache der kurzen Bauzeit.

Es wird also vielleicht doch Zeit, sich einen zu sichern, oder? Kostet ja nicht die Welt…