Einer dieser Übersehehen: Ford Focus CC

Ford Focus CC – wofür stand das noch gleich?
Für Cabriolet Coupé – genau. Und wie so oft: Wenn man versucht, mehrere Gattungen zu kreuzen, dann hat das Grenzen. Vier Personen sollten reinpassen und das Heck sollte mehr können als das im Golf. Und das bekamen die Ford Ingenieure hin – mit Erblasten allerdings.
Der Wagen kam tatsächlich mit einigen Lasten zur Welt. In erster Linie zu nennen: der dicke Hintern. Speziell geschlossen ist der Focus CC ein Pummelchen. Weit schlimmer etwa als seine Mitbewerber von Opel oder VW – und die sind auch schon keine ästhetischen Highscores.
Das ist der Peis für einen Kofferraum, in dem man im Gegenzug 2 Leichen transportieren könnte, falls man mal in eine missliche Situation geraten sollte.
Und natürlich kann der Kofferraum eine komplette Partyausstattung für 4 Personen an den Baggersee bringen – und dann passt gleichzeitig noch das gefaltete Metalldach in den Kofferraum. Die Mechanik, die das ermöglicht, lässt jeden Ingenieur in den ersten zwei Semestern noch vor Ehrfurcht niederknien – nur der Astra, den Opel als Cabrio damals in Rennen schickte, hatte eine komplexer anmutende Mechanik, die allerdings schon fast ins Lächerliche geht und den Wagen erscheinen lässt, als habe man ihm von Set des neuen „Transformers“-Streifens entwendet. Da ist der Focus CC entschieden cooler.

Ungewöhnlich: Der kann auch Baumarkt – selbst bei offenem Verdeck

Dennoch: Das Dach und seine Anverwandten machen dem Wagen das Leben nicht eben leicht. Da ist die Fensterabsenkung, die man schon in den 90ern bei einigen Autos fand und die bei vielen dieser Autos durchaus problematisch ist. Beim Focus CC sind gerade die Fenster ein Quell von Ärger. Da reicht es schon, mal die Batterie über den Winter abzuklemmen und plötzlich passieren die ungewöhnlichsten Dinge. Da senken sich die Fenster halb ab und kommen nicht mehr hoch. Die Fenster senken sich ab und senken sich noch weiter ab, wenn man sie wieder hochfahren will. Die Fenster senken sich bis nach unten, wenn man die Beifahrertür öffnet…. Die möglichen Fehler sind schier absurd und gehören zudem oft zu der Art Fehler, die sich plötzlich von selbst beheben – Ford Mechaniker kommen sofort ins Stöhnen, wenn man sie zu diesem Thema anspricht.
Das Dach als solches ist da besser und mit ein wenig Pflege weit weniger anspruchsvoll als etwa die Gestänge vom Astra oder das Dach des VW EOS, an dem sich ein paar Ingenieure einmal ihren Lebenstraum erfüllen durften.
Ansonsten ist der Focus (gute) Hausmannskost – anständiges Fahrwerk, sauber abgestimmte Lenkung, sehr gute Seitenführung der sportlichen Sitze… Wofür man die jedoch braucht, wissen nur Marketing-Strategen. Die Motoren erfordern es nicht. Selbst der 145PS Zweiliter Motor, der sogar Größen wie den Mondeo vollbeladen bewegt, macht im Focus CC eine schlappe Figur und will gedreht werden, bis er deutlich jenseits der 4000 Umdrehungen plötzlich (lautstark) erwacht und für Stimmung sorgt. Das passt allerdings nicht ansatzweise zum Fahrzeug, das sonst ein klarer Cruiser ist. Von den 145PS merkt man hier nichts – die 101 PS fühlen sich sehr ähnlich an. Der Diesel ist kräftiger, aber zurecht selten, weil ein böser Nagler, den die meisten Kunden in einem offenen Auto nicht wollten.
Steigt man vom Vorgänger in den Wagen um, trifft einen der Schlag, weil man meinen könnte, man habe vergessen, das Dach zu öffnen. Der Luftzug im offenen Cabrio ist beim Ford Focus CC lau und mild – zumindest, solange die Scheiben oben sind. Senkt man die hinteren ab, ist es cool – Windschott ist in diesem Wagen eigentlich eine grundlegend überflüssige Anschaffung.

Versöhnliche Momente, in denen man das Pummel-Heck nicht sieht…

In Deutschland hatte der Wagen erstaunlich wenig Fans, obwohl er ziemlich heftig beworben wurde – die Briten hingegen rissen sich um den Wagen regelrecht – vor allem um das Facegeliftete Modell ab 2008. Dem ließ Ford auch einige technische Änderungen angedeihen, die unter dem Blech stattfanden – an der fehlenden Verwindungssteifigkeit änderten sie nichts. Für die verbleibende Bauzeit von weiteren 2 Jahren hätte sich das wirklich nicht mehr gelohnt. Nach nur etwas über vier Jahren Bauzeit wurde der Wagen eingestellt und bleibt damit das bislang letzte Ford Cabrio dieser Art, was wirklich schade ist. Der Focus CC ist ein guter Cruiser, der durchaus stattlich daherkommt und offen wie geschlossen – oder als Hardtop-Coupe durchaus seine Momente hat. Ein Wagen, der durchaus mehr Aufmerksamkeit verdient hätte – schon, weil er der letzte seiner Art war.

6 Gedanken zu „Einer dieser Übersehehen: Ford Focus CC

  1. Ich sag´s frei raus: Sau geil, dass ihr wieder da seid! Toller Schreibstil, tolle Infos. Ich habe euch vermisst. Das Lesen ist ein richtiger Genuss! DANKE

  2. dem 2.0 Duratec He kann man untenrum ziemlich leicht auf die Sprünge helfen. Die Drosselklappe des 2.3 passt Plug and Play und verwandelt den Motor und ist dabei erstaunlich günstig, selbst bei Ford direkt.
    Der Wagen ist gut , leider wurden aber drei Schwachstellen von Mazda importiert mit dem Motor. Die Drallklappen, der Schlauch der Kurbelwellengehäuseentlüftung für den die Ansaugbrücke raus muss und leider sind beim Duratec He die Kolbenringe eine Schwachstelle. Die Abstreifringe setzen sich gern zu mit Ölkohle und der Wagen fängt an endlos Öl zu verbrauchen.
    Hier nicht ganz so schlimm, da das Cabrio zwischen den Ölwechseln meist nicht soviel fährt wie es bspw. der Mondeo getan hat. Hier war der 1.8 leider besonders schlimm, das lag zwar meist an den Besitzern, aber auch Andere Modelle sehen solche Besitzer und stecken das besser weg.
    Die Anderen beiden Punkte erledigt man locker leicht an einem Wochenende mit Freunden bei ein paar Bier und schmeißt hinterher den Grill an. Die Drallklappen bekommt man einzeln und der Schlauch kostet auch nicht die Welt, da ist man für unter 100€ dabei und hat dann ein ruhiges Gewissen.

  3. Anhang:

    Leider gab es den Ersten Focus nicht als Cabrio. Das war als 1.6 Benziner mit Abstand der Beste Ford der jüngeren Vergangenheit! Da hat Ford richtig einen hingesetzt.

    Ansonsten freut sich das MTX75 sehr über DEXRON III da flutschen die Gänge wieder rein wie glatt gewixt 😉 und mit altmodischer Seilzugdrosselklappe im Mondeo 2/3 (je nach Zählweise) ist auch das Runterschalten mit Zwischengas eine wahre Freude. Übrigens ist der Mondeo 2/3 untendrunter streng genommen noch ein Mondeo 1 . Einfach mal von unten die Hinterachskonstruktion ansehen.

    Sehr schön wieder von euch zu lesen, hoffentlich melden sich die Gleichgesinnten von Billigauto noch.

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