Das Verschwinden der Cabrios

Immer mal wieder haben wir Mails bekommen, die sagen: Ist euch eigentlich aufgefallen, wie sehr Cabrios vom Markt verschwinden?

Klar, das ist nicht zu übersehen – oberflächlich zumindest. Denn die eigentliche Frage ist vielleicht: Haben wir nicht zuvor eher ein unnatürliches Hoch bei Cabrios gesehen?

die späten Modelle hatten als Cabrio andauernden Erfolg. Erst 2000 war schluß – 18 Jahre nach dem Debüt der Grundform

Wir kennen das schon von den Vans: Die sind plötzlich aufgeploppt – und dann waren sie da und jeder hatte sie: Renault den Scenic, Opel den Zafira, VW den Sharan und den Touran... Und dann fragte man sich plötzlich: Wo ist der Mazda Demio, was wurde aus dem Toyota Picnic, dem Previa, dem Mitsubishi Grandis… Die Nachfolge des Skoda Roomster war fertig, wurde im letzten Moment aber gekippt, obwohl er fertig war, die ehemals Van-artige A-Klasse sieht jetzt aus wie ein Golf, die Nachfolge des Sharan / Alhambra ist zurzeit ungewiss.

Und das, obwohl der Van eigentlich die beste Karosserieform für E-Autos ist und insofern eigentlich ein Zukunftsthema sein sollte.

3er BMW

Der Killer: Das Cabrio des 3er BMW brach die letzten Grenzen. Ein Wagen ohne Wertverlust und von offener Herrlichkeit

Aber schauen wir aufs Cabrio und blicken mal zurück in die 70er un 80er Jahre – dann stellen wir fest: Da gab es genausoviel oder genausowenig Cabrios wie heute. Immer mal wieder wurden da coole Cabrios vorgestellt, dann jedoch nicht gebaut. Die Liste der nicht gebauten Cabrios ist beinahe länger als die der gebauten… (Siehe hierzu auch unsere Serie der nie gebauten Youngtimer).

Aber wer hatte Cabrios? Mercedes baute den 107er SL, VW lange Zeit den Käfer, dann den Golf. Und schon hier fällt auf: Später gab es den Golf, den EOS und den Beetle als Cabrio. Peugeot hatte den 207CC, den 307CC, Volvo den C70, Ford den Focus CC – selbst Mitsubishi hatte den Colt CZ, Nissan den Micra mit faltbarem Blechdach auf kleinstem Raum. Und da muss man mal eins sagen: Seit Blechdachfaltdächer da waren, sind die Konstrukteure schier ausgerastet – jeder wollte eins. Selbst Cabrio-Klassiker wie der 3er BMW musste plötzlich das Transformers-Dach haben. Machte das die Cabrios schöner…? Nein – wirklich nicht… Gerade der Micra dürfte eines der hässlichsten Autos sein, die je gebaut wurden – obwohl das Grundmodell eigentlich knuffig ist. Aber ein Cabrio braucht eine gewisse Länge und ein Blechfaltdach eine gewisse Höhe… Pure Geometrie am Ende: Kurze Autos mit komplexem Dach sehen dann eben aus wie der Glöckner von Notre Dame. Da aber gleichzeitig die Cabrios immer billiger werden sollten und Offenfahren sozusagen „demokratisiert“ wurde und in die kleineren Fahrzeugklassen rutschte, war der Effekt vorprogrammiert.
Daneben gab es im Fahrwasser des Mazda MX-5 den Trend der reduzierten Cabrios, der Roadster. Da kam der Mercedes SLK, da kam der Fiat Barchetta… Oder Stilblüten wie der Mini als Cabrio und als Roadster.

Da muss man nicht VWL studiert haben, um auf die Frage zu kommen: Wer soll denn die ganzen kleinen Cabrios eigentlich alle kaufen?

Seit 2015 sind die Marktanteile gesunken – von 2017 bis 2019 ist der Marktanteil der Cabrios regelrecht zusammengebrochen von rund 5 auf 2%. Und da prallt ein nun winziger Markt auf einen Haufen Modelle…Genau: Das funktioniert nicht.

Ein offenes E-Auto könnte schon ziemlich cool sein – der Beweis ist ja schon erbracht. Am Ende wird es wahrscheinlich der Volkswagen ID3 als Cabrio sein müssen…

Am Ende des Tages hat ein Cabrio hohe Entwicklungskosten und trifft auf einen zu kleinen Markt. Gleichzeitig suchen die Hersteller nach Entwicklungsbudgets im ganzen Haus, die sie für die E-Mobilität dringend benötigen.

Dass das Cabrio im Großen Stil wiederkommt wie zu Beginn des Jahrtausends… Höchst unwahrscheinlich in unserer Einschätzung. Die Hersteller schauen momentan auf andere Dinge und kämpfen zum Teil eher um das Überleben. Da sind die Gedanken um das Fortbestehen des Motorenbaus in Zeiten der längst durchkonstruierten E-Motoren, die keine Emotionsvarianzen bieten.

Wir sollten uns also Gedanken darum machen… Die Emotion des Offenfahrens ist nach wie vor ein Traum der ganz eigenen Art – der ist durchaus erhaltenswert – auch in einem Land, in dem man dieses Fahren nur wenige Monate im Jahr so richtig genießen kann…

Hoffentlich beklagt bald mal jemand das Verschwinden der SUVs…

5 Gedanken zu „Das Verschwinden der Cabrios

  1. Hallo allerseits & nichts für ungut,

    aber Ihr schreibt den Micra Mitsubishi zu … ist aber von Nissan. immerhin – den Mitsubishi Colt hat´s auch als Blechdachcabrio gegeben … Da habt Ihr halt was verwechselt …

    Gruß
    J. Janßen

  2. Das kann ich nicht nachvollziehen. In der Wetterau fahren, sobal die Sonnen scheint, etliche Cabrios schon bei 14-15°C. Und wenns dann so um die 20° sind, dann begegne ich soch sehr vielen Gleichgesinnten. 🙂 und das ist gut so.

  3. Zitat: „…Am Ende des Tages hat ein Cabrio hohe Entwicklungskosten und trifft auf einen zu kleinen Markt….“
    Und eben der erscheint auch ziemlich gesättigt. Da bei vielen das Cabrio nicht mehr als daily-driver eingesetzt wird, sondern als Freizeitmobil, das nur bei schönstem Wetter die heimische Garage verlassen darf.
    Daher tummeln sich in den Garagen der Republik unzählige Cabrios, die 10, 15 oder 20 Jahre alt sind, gehegt, verhätschelt und gepflegt werden, oftmals sehr geringe Kilometerleistungen aufweisen und daher noch für etliche Jahre gut sind.
    Warum dann ein neues kaufen?

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