Volvo 262C – Der Panzer-Bertone

Volvo 262C – Wer sollte den eigentlich damals kaufen? Mercedes Fahrer fuhren diese Art Autos – aber Volvo-Fahrer? Audi hatte ein elegantes Coupé gebaut, das eher italienisch wirkte, in dem Rahmen bewegte BMW sich lange Zeit auch mit seinen damaligen Coupés.

Der 262er Volvo hingegen wirkte klar wie eine Limousine. Eine, auf der oben ein Elefant getreten hatte vielleicht.

In freier Wildbahn mittlerweile verschwunden: Volvo 262C

Aber elegant…? Klumpig wirkte er auf viele Europäer, die das Geld gehabt hätten. Amerikaner kannten das Phänomen – dort erkannte man einige GM-Coupés auch nur, wenn man nahe genug dran war, um die Türen nachzuzählen. Aber von Europäischen Herstellern erwarteten sie das nicht. Die Marke als solche stand zudem – und damals war das noch ein eher frischer Eindruck – für Sicherheit. Volvo stand nicht für rassig, elegant, sportlich oder andere Attribute, die man bei so einem Auto möglicherweise suchte. Die Kunden, die ihren P1800 ersetzen wollten, stellten sich etwas anderes vor.

140PS, später dann 148 und 155, machten den Wagen dann auch nicht direkt zu Wuchtbrumme. Der Luftwiderstand lag bei CW 0,47 – das war stattlich. Der gleichzeitig erschienene 123er Benz als Coupé lag bei 0,41 – bei kleinerer Stirnfläche. Dazwischen liegen Welten. Ein 6er BMW lag bei 0,39. Die Motorenpalette der Deutschen Mitbewerber ging rauf bis 185PS – auch das spielte in dieser Liga eine Rolle. Verbräuche bis 20 Liter waren in Verbindung der PRV-Motors mit großem Luftwiderstand und stattlichem Gewicht von nackten 1400 Kilo das Ergebnis – und das wurde in Europa zu dieser Zeit schon nicht mehr gerne gesehen. Es gab Überlegungen, den 262C mit dem Motor B21ET auszurüsten, der zwar nicht ganz in die Nomenklatur gepasst hätte, aber bis zu 4 Litern weniger Verbrauch versprach. Dazu kam es jedoch nicht mehr.

Ganz schön fett und satt für ein Coupé

Aus mehreren dieser Gründe war der 262C mit dem eigenartig klumpig eleganten Erscheinungsbild schon rar, als er quasi noch populär war – heute findet man ihn nur noch in trockenen und warmen Garagen. Sein „Nachfolger“ Volvo 780 wurde vorsichtshalber gar nicht mehr nach Deutschland importiert – war eleganter, jedoch nicht so cool, wie der 262C. Heute wäre man froh, wenn Volvo sich mal so etwas Lässiges gönnen würde.

Der Volvo 262C kam in den Jahren 1977-1981 tatsächlich nur auf insgesamt 6.622 Einheiten. Der als erfolglos geltende Volvo 780 (1985-1990) schaffte interessanter Weise insgesamt 8.518 Einheiten…

Wichtig ist bei diesem Volvo tatschlich das ungewöhnliche „C“ im Namen, das aber auch zeigt, dass Volvo eigentlich für die Herstellung von Coupés damals keine rechte Nomenklatur hatte. Die kam erst später mit Volvos wie C30 und C70. Für den US-Markt baute Volvo tatsächlich auch einen 262 ohne C, also sozusagen einen 242 mit Sechszylinder, eine zweitürige Sechszylinder-Limousine. Die jedoch wollte wirklich niemand so richtig haben und Volvo stellte sie nach 15 Monaten wieder ein. Heute sind die wenigen Exemplare dieses US-Experimentes natürlich erst recht unbezahlbar. Und das gilt für den 262C natürlich ebenso. Zwischen 15.000 und 40.000 müssen die Interessenten für einen raren Volvo 262C mitbringen – mache Rolls Royce dieser Jahre bekommt man billiger. Unter 15.000 geht so gut wie gar nichts – und das auch schon seit Jahren nicht mehr.

Der Volco 262C war ein sehr internationales Produkt: Die Fertigung des schwedischen Coupés erfolgte in Italien, wo dem Wagen ein französischer Motor eingebaut wurde und von dort aus als Komplettpaket in den meisten Fällen (3/4 der Fahrzeuge) in die USA ging. Das war auch gut so – in feuchteren Ländern nämlich kam die Rostvorsorge, die bei Bertone aufgebracht worden war, nur begrenzt gut an: Der Volvo 262C war hier durchaus ein Problemkind.

Auch fahrerisch war der Volvo 262C eher für den US-Markt tauglich – Seitenhalt beispielsweise gab es auf den Clubsesseln des Volvo Coupés mit dem glatten Leder beispielsweise keinen. Den meisten Halt in der Kurve bietet bei diesem Volvo das Lenkrad…

Alles in allem war der 262C eine ungewöhnliche Erscheinung, die nirgends so richtig in die notwendigen Klischees passen wollte. Das machte es dem Wagen nicht leicht, macht ihn aber in vielerlei Hinsicht natürlich zu einem echten Sammlerstück – für die, die sich das leisten können.

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