Der Markenlose: Hyundai XG30

Die Marke, das Branding, wie die Marketing-Leute heute lieber sagen, hat einen simplen Ursprung, der sich im Neudeutschen leicht ablesen lässt: es war das Brandzeichend. Eine hässliche tierquälerische Idee aus heutiger Sicht, die klar machte: Dieses Rind gehört mir!

Seither hat sich diese Idee durchgesetzt – und auch bei Autos ist es eigentlich unvorstellbar, kein Logo auf der Motorhabe zu haben.

Oder?

Hyundai XG30: Der Abstammungslose

Als der Hyundai XG30 1998 auf den Markt kam, da fehlte ihm das Brandzeichen. Beim Sonata Y2 hatte es das 10 Jahre zuvor auch schon einmal auf einigen Märkten gewesen – abwer da war der koreanische hersteller sozusagen noch in der Übungsphase. Beim XG30 setzte es ein eigenartig schräges Signal. tatsächlich empfanden das einige Besitzer offensichtlich als so befremdlich, dass man vor 20 Jahren vor allem in den USA „Aftermarket-Batches“ erwerben konnte, damit der Wagen im Gesicht nicht so nackig wirkte…

58.750 Mark kostete so ein Abstammungsloser damals – das war schon eine Ansage, denn dafür kaufte der Durchschnittsdeutsche lieber mal einen A6 oder eine E-Klasse. Die hatte dann keinerlei Ausstattung und ganz sicher keinen 3000 Kubik Sechsender unter der Haube und auch sonst keine so lustigen Spielereien wir Leder und ähnliches an Board, galt aber natürlich vor dem Reihenhaus als wertstabil und angemessen. Der Abstammungslose galt als eher unangemssen. Kleine Hyundais durften sein, aber große Hyundais waren in besseren Lagen zu dieser Zeit noch ein Frevel. Vielleicht hatte Hyundai deshalb auf das Logo verzichtet – dann konnrte man den XG immerhin noch für einen Ami halten… 

Der US-Markt war Hyundai damals auch der wichtigste – wichtiger sogar als der hemische Markt. Dort hatten schon Japaner wie der Toyota Camry abgesahnt, dort kauften die Leute auch den Lexus GS – warum nicht auch einen vollausgestatten Hyundai?

Dem Wagen fehlte es vor 20 Jahren an nix: Fünfgangautomatik mit manueller +/- Kulisse, Ledersitze und Klimaautomatik, CD-Player, Sitzheizung, Tempomat oder Funk-Fernbedienung, ABS, Traktionskontrolle, elektronischer Bremskraftverteilung, Front- und Seitenairbags, Dämmerungsautomatik – WHOW!

Die Kalkulation ging auf: Die Amis wollten ihre Limousine genau so… Auch das Fahrwerk zielte eher auf diese Markt, war aber in Deutschland eigentlich auch brauchbar. Einigen Kunden war das ganze natürlich dennoch zu weich… Da es zu Beginn der Bauzeit keine alternativen Fahrwerke gab, existieren erstaunlich viele XG 30 mit gigantischen Felgen…

Das ist im Grunde schade. Die dicken Räder lassen den Wagen poltern – das Fahrwerk ist darauf nicht auisgelegt. Ausgelegt ist es auf gehobenes Cruisen. Das Fahrwerk hat weit mehr Sicherheitsreserven, als man dem Wagen spontan zutraut – und vor allem ist der XG30 sehr darauf getrimmt gewesen, leiser als der damalige Toyota Camry zu sein (zumindest bis 120…)

Karriere des XG

Der Wertverfall des Hyundai XG war gigantisch – zumindest in Deutschland, wo Oberklasse-Autos von Un-Marken dieses Phänomen ja schon oft erlebt haben. Selbst der VW Phaeton verlor den Wert in den ersten Jahren im Sinkflug – andere historische Cases wie der Daewoo Leganza oder auch der erste Nissan Maxima bezogen zum Teil heftigere Prügel und auch der Sonata mit seinem 3 Liter V6 zum Preis eines Passat hatte heftigere Prügel bezogen. Selbst diejenigen, die sich über solche autos lustig machten, mussten aber zumindest zugestehen, dass der Hyundai XG dennoch eine gewisse Coolness hatte und vor allen Dingen durch sein leises Gleiten durchaus eine Art USP hatte.

Die Amis liebten ihn, GM erklärte den Hyundai XG zu eine der wichtigsten Feinde, wie auch schon den Hyundai Sonata zuvor.

Die hellen Innenräume neigen zu erhöhtem Verschleiß

In den USA ist der Hyundai Sonata lässig, der XG30 ist cool. Pimp my Something – here ya go – dafür wird der Hyundai XG gerne genutzt. Auch, weil der Wagen sich als bemerkenswert anspruchslos und robust dargestellt hat. Nicht gerade in der ams, die im Zweifel die Haptik kritisiert haben. Vor allem das Leder wirkte tatsächlich billiger als das in einem zeigenössischen A6 oder eine E-Klasse. Viele Materialien, die häugig gegriffen werden, schneiden auch über die Zeit schlechter ab.

Der XG30 heute

Der Verfall des Wertes hat den Hyundai noch schneller in die Arme von Idioten getrieben als bei vielen anderen Autos der Fall. Aber auch in Deutschland gibt es eine Clique von meist jungen Kerlen, die den Wagen cool finde. Es ist das Cruising-Element, das den Wagen bis heute so lässig macht. Die Mechnik des Wagens ist enorm – haltbar, verhältnismäßig simpel und in großen Teilen auch leicht wartbar und gut zu ersetzen, wenn es darauf ankommen sollte.

Man kann den Wagen also durchaus mögen – auch wenn es heute noch immer ein wenig Mut zu erfordern scheint. Und dann darf man all die Leute nicht vergessen, denen man auf Parkplätzen erklären muss „Nein, der ist nicht von GM…“ Aber so kann man ja auch Leute kennenlernen. 😉

4 Gedanken zu „Der Markenlose: Hyundai XG30

  1. kürzlich fuhr vor mir ein Kia Opirus und das in München ! Da musste ich gleich an euch denken, na vielleicht seid ihr ja sogar vor etwa einer Woche an der Rasertanke im Münchner Norden vorbeigefahren

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