Radikale Exoten I: Der Toyota Century

Toyota Century? Nie gehört… Nie gesehen vor allem. Oder?

Doch – immer dann, wenn in Japan irgendwo ein Staatsgast empfangen wird oder ein wichtiger Banker, dann steht irgendwo ein Toyota Century herum. Oft auch in anderen asiatischen Ländern.

Aufgabe des Toyota Century: Staatstragend und wichtig wirken.

Toyota Century

Luxus der durchdachten Art – so kennen wir Toyota

Und das kann er – in allen seinen wenigen Evolutionsstufen.

Tatsächlich findet man bei Mobile oder Autoscout nie mehr als 5 Fahrzeuge, die zum Verkauf stehen – und die sind dann oft auch schon mal in Europa verteilt und nicht direkt um die Ecke zu finden. Der Wagen ist nie nach Deutschland exportiert werden und wird auch sonst nur handverlesen verteilt – so, wie er auch gebaut wird: Größtenteils von Hand. Und entsprechend ist der Wagen in den vergangenen Jahren auch weiterentwickelt wurde: Behutsam. Die erste Generation lief satte 30 Jahre von 1967 bis 1997 fast unverändert. Das muss man sich einmal vorstellen – das ist von vor Woodstock bis nach Nirvana. Das ist von ganz später Heckflosse bis W210.

Auch nicht sooo viel anders als im Lexus

Die Folge-Generation lief 20 Jahre, die aktuelle somit seit 2017, ist also praktisch noch gar nicht richtig warm gelaufen für die Verhältnisse dieser Staatslimousine.

Wer je den Wagen gefahren ist, ist überrascht, wie ungemein komfortabel man fahren kann. Toyota Century steht für die Art Werte, für die Rolls Royce und Bentley früher standen: Abschirmung von den Stressfaktoren des Alltags – kein Lärm, keine sinnlosen Irritationen durch unwürdige holprige Straßen.

Und dabei ist der Wagen keineswegs in einer obszönen Art und Weise dekadent. Natürlich ist das eine Staatslimousine, aber eher ein für solche Leute, die nicht damit herumprotzen, sondern eher der Typ stiller Geniesser sind. Der Wagen sieht kleiner aus als er ist – ein typisches Toyota-Phänomen. Die Fahrzeuge sind allesamt 5 Meter und länger – aber sie haben ein Design, das sie aus manchen Betrachtungswinkeln regelrecht filigram irken lässt, wenn man etwa einen 7er BMW daneben stellt. Das kann sonst nur Hyundai mit dem XG30.

Das könnte man mögen – anstrengend ist jedoch für alle potentiellen Deutschen Kunden: Das Lenkrad ist pauschal auf der falschen Seite, um etwa in Parkhäuser zu fahren oder ähnliche Kleinigkeiten des Alltags zu bewältigen. Ein Stück weit kein Wunder, dass die wenige Fahrzeuge, die man hier und da tatsächlich einmal findet, gerne monatelang auf dem Hof eines Exotenhändlers stehen – im klassischen Sinne wie Blei.

Den Wagen nimmt die kaum einer ab. Die Besitzer, mit denen wir in den letzten Jahren gesprochen hatten, hatten den Toyota Century entweder seit 10 Jahren oder haben nach 6 Monaten aufgegeben – dazwischen gab es in Deutschland nicht und auch im restlichen Europa nimmt sich das nicht viel. Einzige natürliche Ausnahme: UK. hier ist der Wagen dafür erstaunlicherweise günstiger als in Deutschland. Modelle mit 50.000 Meilen auf der Uhr, die kaum 15 Jahre alt sind, gibt es hier bisweilen für Preise weit unter 10.000 Pfund. Und da reden wir immer noch von einem echten Oberklasseauto.

Übrigens: Ein Staatsauto mit dem Appetit eines Staates – abgesehen vom neuen Hybrid-Modell wollen die Centurys gefüttert werden – auch im Gleiten schluckt der Toyota was weg. Ein bisschen wie früher. Dafür wird allerdings auch höchster Antriebskomfort geboten.

Der Wagen ist überall immer einer der besten Hingucker. Einfach mal irgendwo mit Sonnenbrille vorfahren und aussteigen. Mehr geht nicht.

Wem ein Rolls zu alltäglich ist: Das hier ist die Lösung…

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